Günstige Gebrauchtware Das sollten Sie vor dem Kauf von Secondhand-Smartphones wissen

Wer sein nächstes iPhone oder Android-Smartphone gebraucht kauft, schont die Umwelt. Wichtig ist es aber auch, kein Gerät zu erwischen, das schon bald Elektroschrott ist. Diese Tipps helfen dabei.
Von »c't«-Redakteur Robin Brand
Man sieht diesen Geräten ihr Alter gar nicht an: Viele Anbieter verkaufen Smartphones in »neuwertigem« Zustand

Man sieht diesen Geräten ihr Alter gar nicht an: Viele Anbieter verkaufen Smartphones in »neuwertigem« Zustand

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Artur Widak / picture alliance / NurPhoto

Sie überlegen, sich ein gebrauchtes Smartphone zu kaufen? Damit sind Sie nicht allein, denn das Geschäft mit wiederaufbereiteten Handys boomt: Während laut Zahlen diverser Marktforschungsinstitute der Absatz von Neugeräten stetig zurückgeht, verzeichnen Anbieter gebrauchter Smartphones seit Jahren stetiges Wachstum. In diesem Artikel beleuchten wir die Vor- und Nachteile des Gebrauchtkaufs und geben Tipps, welche Smartphones auch aus zweiter Hand eine gute Investition sind.

Vor dem Kauf stehen einige grundsätzliche Erwägungen an. Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Ein Gebrauchtgerät ist – nun ja – gebraucht. Das äußert sich in Nutzungsspuren, über die gewerbliche Händler und Marktplätze wie Asgoodasnew, Backmarket, Refurbed, reBuy oder Swappie einigermaßen transparent informieren. Weitere Folge des Gebrauchtkaufs ist bei gewerblichen Händlern eine auf ein Jahr verkürzte Gewährleistung. Durch den Gebrauchtkauf verlängern Sie dafür den Lebenszyklus des Smartphones und schonen die Umwelt. Damit Sie aber lange Freude an einem Gebrauchthandy haben, sollten Sie sich über einige Dinge, die die Technik betreffen, schon vor dem Kauf im Klaren sein.

Wie alt darf das Gerät sein?

Zwar versprechen alle größeren Gebrauchtplattformen, dass die Akkus der Smartphones noch 80 Prozent ihrer Ursprungskapazität erreichen – und hielten dieses Versprechen bei einer Stichprobe der »c't« auch ein . Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass der Akku schon eine Weile seinen Dienst getan hat und diesen entsprechend früher quittieren könnte als ein neuer.

Hinzu kommt: Seit fast alle Hersteller dazu übergegangen sind, die Gehäuse der Geräte – und teilweise auch deren Komponenten – zu verkleben, ist es bedeutend schwieriger, Akkus selbst zu tauschen.

Gebrauchte Handys mit Wechselakku sind meist auch nicht die Lösung des Problems: Oft handelt es sich dabei um technisch überholte Uraltgeräte, und anders als die Akkus lässt sich ihre nicht mehr zeitgemäße Hardware nicht mal eben austauschen. Wer nicht nur telefonieren, sondern auch mal ein Foto in einigermaßen akzeptabler Qualität schießen möchte, sollte einen Bogen um die meisten dieser Oldtimer machen.

Es gibt aber auch ein paar halbwegs aktuelle und brauchbare Modelle mit Wechselakku, zum Beispiel das Fairphone 3 und 4, das Gigaset GS5 oder Samsungs Galaxy XCover Pro. Das Angebot war zum Zeitpunkt unserer Recherche jedoch äußerst überschaubar. Immerhin ein Fairphone 3 für 330 Euro fanden wir, das Neugerät geht für 100 Euro mehr über die Theke. Bei einem gebrauchten GS5 hätten wir nicht einen Cent im Vergleich zum Neugerät gespart, beim XCover Pro je nach Händler immerhin zwischen 60 und 80 Euro.

Alle in diesem Text genannten Preise sollten Sie aber ohnehin nur als Orientierung verstehen: Teilweise wechseln die Preise täglich. Mal bietet der eine Händler das Smartphone am günstigsten an, mal der andere. Wer Zeit für eine kurze Marktbeobachtung hat, spart Geld.

Wer repariert?

Dem Akkuproblem können Sie aber auch anders begegnen. Einige Hersteller, zum Beispiel Apple, geben an, wie viel sie für den Akkuwechsel verlangen (55 bis 75 Euro je nach iPhone). Informieren Sie sich vorher, um keine bösen Überraschungen zu erleben.

Macht ein Hersteller keine Angaben, achten Sie auf eine gute Ersatzteilversorgung. Für in rauen Mengen produzierte Smartphones etwa von Huawei, Samsung oder Xiaomi existiert auch ein entsprechend großer Ersatzteilmarkt – und in der Reparatur eines populären Geräts hat auch die Schrauberin um die Ecke eher Routine als bei einem Exoten, der kein halbes Dutzend Mal verkauft wurde. Selbst wenn Sie die Kosten für den professionellen Akkutausch ein, zwei Jahre später einpreisen, sparen Sie oftmals noch im Vergleich zum Neukauf.

Wie lang gibt es Updates?

Ein weiterer limitierender Faktor für den zweiten Lebensabschnitt eines gebrauchten Smartphones ist die Update-Versorgung durch den Hersteller. Was beim Tablet, das nur fürs Streamen oder Zeitungslesen verwendet wird, noch verkraftbar erscheinen mag, sieht beim Smartphone, das Geldbeutel und Autoschlüssel ersetzt, anders aus.

Vor allem Hersteller von Android-Smartphones taten sich in der Vergangenheit negativ dadurch hervor, dass sie ihren Smartphones, nachdem sie erst mal verkauft waren, wenig Beachtung in Form von Updates schenkten. In jüngerer Vergangenheit besserte sich das, allerdings profitieren Sie nicht unbedingt davon, wenn Sie ein mehrere Jahre altes Smartphone kaufen.

Auch dass Hersteller überhaupt Angaben machen, wie lange sie Updates liefern wollen, ist ein eher neuer Service. Finden Sie keine Infos, gilt die Faustregel, dass Hersteller ehemalige High-End-Geräte länger auf aktuellem Stand halten als Einsteiger- und Mittelklasse-Smartphones.

Eine gute Anlaufstelle, um sich über Updates zu informieren, ist Googles Enterprise-Recommended-Seite . Dort listete der Konzern zum Redaktionsschluss Herstellerangaben zu kommenden Updates für 336 mehr und weniger aktuelle Geräte – darunter auch ein paar Tablets. Aktuelle Google-Pixel- und Samsung-Galaxy-Smartphones sollen teilweise bis ins Jahr 2027 mit Updates versorgt werden – allerdings ist die Ersparnis beim Gebrauchtkauf solcher aktuellen Modelle nicht der Rede wert.

Welche Geräte sind besonders interessant?

Eine gute Kombination aus großer Ersparnis einerseits und noch einigermaßen langem Softwaresupport andererseits bieten eineinhalb bis zwei Jahre alte High-End-Geräte. Beispielhaft haben wir uns Samsungs Galaxy-Smartphones genauer angeschaut, weil Samsung mit am zuverlässigsten Updates liefert. Das S21 Ultra (UVP bei Marktstart: 1250 Euro) kostet neu zwischen 900 und 1000 Euro, wenn man es denn noch findet. Gebraucht fanden wir es in gutem Zustand ab 650 Euro, die Hardware dürfte allen Anwendungen noch Jahre gewachsen sein, die Kamera gehört nach wie vor zur Smartphone-Spitze. Samsung will es noch bis Januar 2026 mit Sicherheitsupdates beliefern.

Noch günstiger sind Smartphones der S20-Serie (Updates bis März 2024). Je nach Zustand fanden wir das S20+, das im Frühjahr 2020 für 1100 Euro auf den Markt kam, für 330 bis 400 Euro.

Keine Sorgen um Updates durch den Hersteller muss sich machen, wer ein Custom-ROM aufspielt – oder ein Gebrauchthandy mit vorinstalliertem Custom-ROM kauft. Unter anderem die Macher von »iodé« und »/e/« verkaufen solche Geräte. Welche Smartphones sich besonders gut eignen, wenn man selbst ein alternatives Android installieren möchte, erfahren Sie hier .

Goldener Käfig statt alternatives Betriebssystem heißt es bei Apple. Der Hersteller punktet seit jeher mit gutem Support für die iPhones, bietet aber keine Möglichkeiten auszubrechen. Zwar macht Apple keine Angaben, wie lange der Support in die Zukunft reicht. Mit fünf bis sieben Jahren ab Marktstart darf man erfahrungsgemäß aber rechnen. Dank Soft- und Hardware aus einer Hand bedienen sich auch betagtere Geräte noch flüssig. Eben deshalb sind iPhones auch gebraucht noch relativ teuer – wovon man profitiert, wenn man selbst verkaufen will.

iPhones 11 verschiedener Speichergrößen fanden wir zum Testzeitpunkt gebraucht rund 150 Euro günstiger als das jeweils günstigste Angebot für das gleiche Neugerät. Bis zu 200 Euro günstiger war das iPhone 12 mit 128 GByte (530 statt 730 Euro). Weniger spart man in der Regel bei den aktuellen iPhones, im Mittel um 80 Euro. Ausnahmen bestätigen dabei die Regel: Ein laut Anbieter neuwertiges iPhone 13 mit 512 GByte Speicher fanden wir bei reBuy für 870 Euro, Apple ruft für das Neugerät 1250 Euro auf. Mehrmals stießen wir aber auch auf gebrauchte 13er-iPhones, die teurer feilgeboten wurden als die günstigsten neuen Exemplare.

Und es gibt ja noch das Rückgaberecht

Zusammengefasst lässt sich sagen: Das Angebot an gebrauchten Smartphones ist schier unüberschaubar. Wenn Sie Geräte, die keine Updates mehr erhalten oder deren schwächliche Hardware für moderne Anwendungen nicht gerüstet ist, links liegen lassen, können Sie angesichts von 14 Tagen Rückgaberecht, das alle gewerblichen Händler mindestens bieten, kaum etwas falsch machen. Je nach Bedingungen des Händlers bleiben Sie aber auf den Kosten für den Rückversand sitzen.

Bei Android-Smartphones ist die mögliche Ersparnis besonders hoch – und wenn Sie zu einem gebrauchten Topmodell greifen, kommen auch die Updates noch zuverlässig. Gibt es Custom-ROMs für das Gerät, können Sie sein Leben nach Support-Ende durch den Hersteller weiter verlängern. Wer zu einem gebrauchten iPhone greift, spart weniger, erhält aber besonders zuverlässigen Softwaresupport – und freut sich vielleicht später über den hohen Wiederverkaufswert.

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