Geburtsklinik betroffen Irischer Gesundheitsdienst schaltet nach Hackerangriff IT-Systeme ab

Die irische Gesundheitsorganisation HSE kämpft mit den Folgen eines Angriffs mit Erpressersoftware. Eine Klinik in Dublin hat für Freitag bereits Termine werdender Mütter abgesagt.
Eingang zu einem irischen Krankenhaus (Symbolfoto): Der Gesundheitsdienst meldet Probleme

Eingang zu einem irischen Krankenhaus (Symbolfoto): Der Gesundheitsdienst meldet Probleme

Foto: Artur Widak / NurPhoto / Getty Images

Der irische Gesundheitsdienst ist Opfer eines Hackerangriffs geworden. Man habe nach einem »signifikanten Ransomware-Angriff« alle eigenen IT-Systeme vorsorglich heruntergefahren, teilte der Dienst namens Health Service Executive am Freitag auf Twitter mit . Coronaimpfungen beeinträchtige der Vorfall nicht, heißt es, geplante Impfungen sollten wie geplant stattfinden. Auch der Notruf und die Aussendung von Krankenwagen seien von dem Problem nicht betroffen.

Ransomware ist Schadsoftware, die man zum Beispiel durchs Öffnen schadhafter E-Mail-Anhänge auf seinen Computer oder auch in ein ganzes Firmennetzwerk holen kann. Klassische Ransomware verschlüsselt in so einem Fall die Dateien und Laufwerke. Ihren Opfern bieten die Täter an, ihnen gegen Zahlung eines Lösegelds (»Ransom«) einen Schlüssel zu übermitteln, mit dem sich die Dateien wieder entschlüsseln lassen. Mittlerweile gibt es auch immer mehr Ransomware-Attacken, bei denen die Angreifer Daten abfischen und mit der Drohung, diese zu veröffentlichen, weiteren Druck auf die Opfer aufbauen.

Weltweit Schlagzeilen machte zuletzt ein Ransomware-Angriff auf Colonial Pipeline, den Betreiber der größten Pipeline der USA. Der Hackergruppe Darkside soll dabei ein Lösegeld in Höhe von umgerechnet fünf Millionen Dollar gezahlt worden sein. Am Freitag wurde bekannt, dass Anfang Mai auch der japanische Elektronikkonzern Toshiba von Darkside erpresst wurde.

Klinik sagt viele Termine ab

Wer hinter dem Angriff in Irland steckt, ist bislang unklar. Eine Entbindungsklinik in Dublin sagte für Freitag alle ambulanten Termine ab, mit einer Ausnahme für »dringende Anliegen« und für Patientinnen, die in der 36. oder einer späteren Woche schwanger sind. Auf der Website der Klinik  war von einem »schwerwiegenden IT-Problem« die Rede.

In der Vergangenheit gab es schon öfter Ransomware-Attacken, die Krankenhäuser lahmlegten. Der bekannteste Fall aus Deutschland ist eine Attacke, bei der die Uniklinik Düsseldorf zum Ziel eines Angriffs mit Erpressersoftware wurde. Operationen mussten daraufhin verschoben, Behandlungen abgesagt werden, Rettungswagen fuhren die Klinik nicht mehr an.

Eine 78-jährige Notfallpatientin, die eingeliefert werden sollte, wurde im Zuge des IT-Ausfalls nach Wuppertal gebracht – und verstarb nach dem Transport. Der Fall machte als angeblich erster Ransomware-Angriff mit Todesfolge die Runde, wobei Experten im Nachhinein davon ausgehen, dass die Frau auch ohne Umweg ums Leben gekommen wäre .

Beim Angriff in Düsseldorf hatten die Angreifer ursprünglich übrigens die örtliche Heinrich-Heine-Universität im Visier, wie ihre Lösegeldforderung nahelegte. Dazu passte auch, dass die Angreifer den Entschlüsselungscode übermittelten, sobald klar war, dass sie eine medizinische Einrichtung lahmgelegt hatten.

mbö/dpa
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