Bayerischer Ministerpräsident Söder kritisiert Corona-App als "zahnlosen Tiger"

"Sie hat kaum warnende Wirkung": Markus Söder hat ein negatives Urteil über die Corona-App gefällt. Wie genau ein von ihm gefordertes Update aussehen könnte, ließ er aber offen.
Markus Söder: "Daher braucht es ein digitales Update"

Markus Söder: "Daher braucht es ein digitales Update"

Foto: Daniel Karmann / dpa

Gerade erst hat die Corona-App in der neuesten Version gelernt, grenzübergreifend vor einer möglicherweise risikobehafteten Begegnung mit Corona-Infizierten zu warnen. Zumindest mit der irischen und der italienischen Warn-App soll das bereits funktionieren. Doch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder haben auch solche kleinen Fortschritte nicht von einem negativen Urteil über die bisherigen Erfahrungen mit dem digitalen Viruswächter abgehalten. Er hält die App bislang für praktisch wirkungslos.

"Die App ist leider bisher ein zahnloser Tiger. Sie hat kaum eine warnende Wirkung", sagte der CSU-Chef den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag). "Daher braucht es ein digitales Update, um alle Möglichkeiten auszuschöpfen, damit die Corona-App wirksam wird." Wie genau dieses Update aussehen soll, ließ Söder offen.

Die deutsche App wurde mittlerweile rund 19,8 Millionen Mal heruntergeladen. Experten gehen davon aus, dass die Anwendung von mehr als 16 Millionen Menschen in Deutschland aktiv genutzt wird.

Nach einem Bericht des Nachrichtenportals "ThePioneer" informieren inzwischen fast 500 Corona-Infizierte pro Tag mithilfe der Warn-App andere Menschen über den eigenen Positiv-Befund. Dies entspricht 13 bis 14 Prozent der Gesamtzahl der Neuinfizierten. "Die App wird gut angenommen. Jede Infektionskette, die hierdurch zusätzlich unterbrochen wird, ist wichtig", sagte Gottfried Ludewig, Leiter der Digital-Abteilung im Bundesgesundheitsministerium, und kam damit zu einem anderen Schluss als Bayerns Ministerpräsident.

Auch Krankheitssymptome sollen in die App eingespeist werden

Gerade erst war bekannt geworden, dass die App um weitere Funktionen erweitert wird. Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, ist es mit dem nächsten Update möglich, bei einer Infektionsmeldung in der App zusätzlich anzugeben, ob und seit wann man Krankheitssymptome hat.

Um die App attraktiver zu machen, denkt das Bundesgesundheitsministerium über weitere Funktionen nach. So könnten Statistiken über die aktuelle Verbreitung des Coronavirus in der App angezeigt werden, zum Beispiel Zahlen zu Neuinfektionen in einzelnen Bundesländern, Regionen und Städten. Wie genau die Funktion aussehen könnte, sei aber noch in der Prüfung, heißt es dazu aus dem Ministerium.

jok/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.