Abfall-Roboter Mülltonnen-Netzwerk bettelt per SMS um Leerung

Die US-Stadt Somerville will 50 Mülltonnen per Mobilfunk vernetzen, um die Entleerung zu optimieren und so Energie und Geld zu sparen. Möglich wird dies durch solarbetriebene Müllpressen, die an Disneys Müll-Roboter "Wall-E" erinnern.


Das Städtchen Somerville im US-Bundesstaat Massachusetts ist bislang nicht als Hightech-Standort aufgefallen. Aber das könnte sich in Zukunft ändern, wenn das neue Müllkonzept der Stadt aufgeht: Die Gemeinde will nämlich 50 Hightech-Abfalleimer per SMS vernetzen.

Das Konzept der vernetzten Mülltonnen sieht vor, dass die Behälter via Mobilfunk anzeigen, wenn sie fast voll sind. Dadurch sollen die Tonnen immer zum idealen Zeitpunkt geleert werden. Und diese punktgenaue Leerung soll die Umwelt schonen, den Verkehr in der Innenstadt reduzieren und jährlich 14.000 Dollar in Form von Sprit- und Personalkosten einsparen. Dies erklärte jedenfalls der Chef der Stadtverwaltung, Michael Lambert, gegenüber "New York Times".

Nur sprechen kann sie nicht: Die vollautomatische Müllpresse, die sich via SMS meldet, wenn sie geleert werden will

Nur sprechen kann sie nicht: Die vollautomatische Müllpresse, die sich via SMS meldet, wenn sie geleert werden will

Dass ausgerechnet durch die elektronische Aufrüstung von eigentlich simplen Gegenständen die Umwelt geschont werden soll, wirkt auf den ersten Blick natürlich absurd. Schließlich entstehen durch Herstellung, Installation und Betrieb der Technik erst einmal neue Belastungen. Aber hinter den SMS-Tonnen steckt mehr als eine Mobilfunkspielerei.

Bei den Mülltonnen, die in Somerville mit SMS-Funktionen aufgerüstet werden, handelt es sich schon jetzt um Hightech-Exemplare. Das Modell BigBelly Solar der Firma Seahorse Power ist nämlich nicht nur ein Behälter, sondern eine vollautomatische Müllpresse. Der "große Bauch" komprimiert den Abfall, wenn Sensoren einen bestimmten Füllstand melden. Durch wiederholtes Pressen können die Tonnen so mindestens fünfmal mehr Müll aufnehmen als herkömmliche Modelle gleicher Größe.

Der Pressvorgang erfolgt laut Hersteller mit einem Druck von stattlichen 780 Kilogramm und soll exakt 41 Sekunden dauern - während dieser Zeit kann dann auch kein Müll in die Tonne geworfen werden. Die Energie für das System kommt von Solar-Panels auf dem Tonnendeckel, in der Standardausführung wird der Füllstand über LEDs angezeigt. Die Aufrüstung mit einem Mobilfunk-Modul ist unter diesen Voraussetzungen natürlich kein besonderes Kunststück, vor allem weil die Energieversorgung schon gewährleistet ist.

Obwohl eine automatische Müllpresse rund 4000 Euro kostet, soll sich die Anschaffung für viele Gemeinden lohnen. In Europa werden die Tonnen derzeit in Dublin und Salzburg in der Praxis getestet, allerdings noch ohne SMS-Anbindung. Aber schon in der ununvernetzten Ausführung sollen die Abfallbehälter 80 Prozent der bislang notwendigen Entleerungen einsparen.

Und "BigBelly" ist nicht der einzige Versuch, die Müllwirtschaft durch automatische Systeme zu revolutionieren. So findet in einem kleinen Ort in der Toskana derzeit ein Feldversuch statt, bei dem Roboter Müllabfuhr und Straßenreinigung übernehmen sollen.

Die Einsätze von DustCart und DustClean werden dabei ebenfalls per Mobilfunk koordiniert, allerdings können diese Müll-Bots den Abfall nicht komprimieren, zudem sind sie auf Energie aus der Steckdose angewiesen.

Sascha Koesch/Fee Magdanz/Robert Stadler



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