Abschied vom Netzteil Handy und Co drahtlos Aufladen

Das kanadische Start-up Powercast hat eine Technik entwickelt, mit der sich Akkus kleinerer Geräte drahtlos aufladen lassen sollen. Gewicht erhält die vollmundige Ankündigung durch eine Kooperation mit Philips.


Die Idee, Strom kabellos durch die Luft zu "beamen", fasziniert Forscher und Entwickler schon seit geraumer Zeit: Vor allem Geräte, deren Akkus regelmäßig aufgeladen werden müssen, könnten durch ein praktikables Verfahren an Zuverlässigkeit und Bequemlichkeit gewinnen. Angesichts des Booms elektronischer Kleinstgeräte winkt dem Erfinder des entsprechenden Systems ein Milliardenmarkt.

Powercast-Webseite: "Einfach drahtlos" lautet das Motto der jungen Hightech-Schmiede

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Dabei ist das Konzept der berührungslosen Stromübertragung nicht neu. Entsprechende Anwendungen sind mit Elektromotoren oder Induktionsherden ganz alltäglich. "Berührungslos" bezeichnet in diesen Fällen allerdings lediglich, dass kein Stromkabel im Spiel ist. Energiequelle und -Empfänger müssen aber immer noch unmittelbar nebeneinander platziert sein.

Einfach und billig

Powercast behauptet unterdessen, dass es eine Technik entwickelt hat, mit der Geräte die nur einen geringen Energiebedarf haben im Umkreis von rund einem Meter von der nächsten Steckdose mit Strom versorgt werden können. Damit würden Anwendungen, wie das automatische Aufladen des Handyakkus, sobald das Telefon auf dem Schreibtisch liegt, möglich.

Powercast will diesen Stromzauber mittels Radiowellen realisiert haben, wobei sich der Verlust durch die Luftübertragung bereits in akzeptablen Grenzen halten soll. Das System besteht aus einer Sendeeinheit, die mit einer Steckdose verbunden wird, und einem Empfänger mit wunderbar anmutenden Eigenschaften. Der Powercast-Empfänger soll nämlich nur die Größe einer 50-Cent-Münze haben, und so einfach konstruiert sein, dass er in der Massenproduktion nur fünf Dollar kosten wird.

Philips ist mit im Boot

Auch die Powercast-Firmengeschichte hört sich zunächst etwas abenteuerlich an: Angeblich hat der Physiker John Shearer den Stromempfänger mit einem kleinen Team in einem Labor hinter dem familieneigenen Cafe entwickelt. Dabei soll es Shearer gelungen sein, durch den Radiowellenempfang auf einem breiten Frequenzspektrum im Bereich um 900 MHz genug Energie für genügsame Gadgets zu empfangen. Notebooks können mit dieser Technik nicht mit Strom versorgt werden. Zum Aufladen eines durchschnittlichen Handys soll das System jedoch bereits tauglich sein.

Gewicht erhalten die Powercast-Behauptungen vor allem durch eine Partnerschaft mit dem Elektronikriesen Philips. "Wenn sie mich vor sieben Monaten gefragt hätten, hätte ich Ihnen versichert, dass das unmöglich ist," erklärte Govi Rao, Vize-Präsident der Philips-Sparte Lighting, gegenüber dem "CNN"-Magazin "Business 2.0". Inzwischen ist Philips aber vom Funktionieren der Powercast-Technik überzeugt.

Das erste Produkt mit kabelloser Stromversorgung soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Dabei soll es sich zwar nur um eine LED-Taschenlampe handeln, aber schon 2008 sollen Computer-Peripheriegeräte wie Tastatur und Maus folgen.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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