Apples iPhone "Das Display könnte zerbrechen"

Mit dem neuartigen Bedienkonzept für sein iPod-Handy hat Apple die Fachwelt verblüfft. IT-Expertin Molly Wood vom Online-Newsdienst Cnet hält die Technik des iPhones zwar für innovativ. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE bezweifelt sie aber, dass Apple damit Erfolg haben wird.

SPIEGEL ONLINE: Ist es eine gute Idee von Apple, jetzt mit dem iPhone in den Handymarkt einzusteigen?

Molly Wood: Es ist auf jeden Fall richtig, das Gerät jetzt auf den Markt zu bringen. Alle haben auf das iPhone gewartet, es wurde viel darüber spekuliert. Wenn Apple noch länger gezögert hätte, wären die Leute irgendwann enttäuscht gewesen. Viele hätten sich gefragt, wann es denn endlich etwas Neues in Sachen iPod gibt.

SPIEGEL ONLINE: Steve Jobs hat gesagt, Apple habe das Telefon neu erfunden. Stimmt das?

Wood: Keine Frage, das Gerät ist sehr innovativ. Ich bin aber gespannt darauf, wie es Apple gelingt, die verschiedenen Techniken im iPhone so zusammenzubringen, dass es gut funktioniert. Mir scheint, dass es technisch ein kompliziertes Gerät ist. Es hat einen Touchscreen und nutzt Techniken, die zuvor noch niemand eingesetzt hat. Das Display nimmt praktisch die gesamte Oberfläche ein. Es könnte permanent mit Fingerabdrücken bedeckt sein, es könnte auch leicht zerbrechen.

SPIEGEL ONLINE: Das Handy hat nur einen einzigen Knopf und ein berührungsempfindliches Display. Ein völlig anderes Bedienkonzept, als wir von Telefonen kennen. Geht das gut?

Wood: Da bin ich mir nicht so sicher. Wenn zum Beispiel der Touchscreen irgendwann nicht mehr richtig funktioniert, dann hat der iPhone-Besitzer ein großes Problem. Wir wissen alle, wie sensibel Displays sind.

SPIEGEL ONLINE: Sie meinen, Apple riskiert mit dem iPhone einiges?

Wood: Nun, es handelt sich eben um ein technisch komplexes Gerät. Wenn Apple das iPhone nicht perfekt umsetzt, werden die Leute Schwierigkeiten machen. Sie lieben ja Apple-Produkte, weil sie so einfach zu bedienen sind. Das iPhone ist ein cooles Gerät, aber es könnte sich als knifflig erweisen.

SPIEGEL ONLINE: Als Apple 2001 den ersten iPod auf den Markt brachte, war der Markt für MP3-Player klein. Heute gibt es jede Menge Musikhandys auf dem Markt, die Hersteller sind alles andere als Leichtgewichte. Hat Apple da als Handy-Newcomer überhaupt eine Chance?

Wood: Es ist ziemlich riskant, in den Handy-Markt einzusteigen, weil viele etablierte Hersteller seit Jahren gute Telefone bauen. Allerdings ist die MP3-Funktion bei vielen Geräten nicht wirklich gut. Für das iPhone spricht auf jeden Fall der große integrierte Speicher: entweder vier oder acht Gigabyte. Das ist eine Menge.

SPIEGEL ONLINE: Aber kommt Apple mit dem iPhone nicht viel zu spät?

Wood: Ich glaube, man hat bei Apple begriffen, dass man ein bisschen spät dran ist. Sie wussten, dass sie mehr machen müssen als einfach nur ein Handy mit MP3-Player. Das iPhone ist ein Minicomputer.

SPIEGEL ONLINE: Also hat Apple alles richtig gemacht?

Wood: Es war auf jeden Fall sehr clever, Dinge wie WLAN und Bluetooth zu integrieren und das Gerät unter OS X laufen zu lassen. So wird das iPhone zu einer Art Internetgerät.

SPIEGEL ONLINE: Wussten Sie, dass Apples Betriebssystem OS X auch auf Mobilgeräten laufen kann?

Wood: Nein, das war eine totale Überraschung.

SPIEGEL ONLINE: Und was halten sie von Apple TV, der TV-Box von Apple?

Wood: Ich denke, das ist ein wirklich gutes Produkt. Apple TV ist weniger kompliziert als ein Media-Center-PC. Es macht, was die Leute wollen: Medieninhalte aus dem Internet herunterladen, abspeichern und dann am Fernseher anschauen. Das Gerät ist ziemlich günstig, und ist offenbar leicht zu bedienen. Ich glaube, es wird ein großer Erfolg.

SPIEGEL ONLINE: Aber gibt es den genug Angebote für Apple TV?

Wood: Über iTunes verkauft Apple ja schon Fernsehshows und Filme. Und heute hat Apple auch eine neue Partnerschaft mit Paramount bekannt gegeben - es wird also noch mehr Inhalte geben. Ich denke, Apple hat eines der besten heute verfügbaren Angebote. Wer iTunes mag, wird Apple TV mögen. Die Frage für den Konsumenten wird sein: Wie oft will ich eigentlich für eine Fernsehshow bezahlen? Er zahlt ja schon für den Kabelanschluss - das Streaming über Apple TV kostet zusätzlich Geld.


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Das Interview führte Holger Dambeck

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