Bargeldlos bezahlen Handys werden zum Elektro-Portemonnaie

Schon bald könnten Handys Kreditkarten als bargeldloses Zahlungsmittel ersetzen. Einfach, billig und schnell soll das Bezahlen per Mobiltelefon sein - gäbe es beim sogenannten Mobile Payment nicht noch ein paar Praxisprobleme.


Berlin - Jeder zweite Deutsche wünscht sich, mit dem Handy nicht nur telefonieren, sondern auch bezahlen zu können. Das haben Wissenschaftler der Universität Augsburg herausgefunden. "Die Verbraucher wollen es und verstehen nicht, warum es immer noch nicht funktioniert", sagt der Leiter der Forschungsgruppe wi-mobile der Uni Augsburg, Key Pousttchi. Dabei wäre es doch so praktisch, an einem Automaten, im Taxi oder an der Supermarktkasse nur das Handy zu zücken und alle Zahlungen aus einer Hand zu erledigen.

Versuchspersonen einer niederländischen Supermarktkette jedenfalls seien vom Mobile Payment begeistert gewesen, sagt Pousttchi. Bei diesem Versuch habe allerdings funktioniert, was bisher nur wenige Handybezahlverfahren boten: "Man hielt das Handy an eine Station an der Kasse, es machte 'Piep' und das war es dann", sagt der Wissenschaftler.

Bedienungsfreundlichkeit sei für die Kunden das A und O, denn es gebe ja schon andere Bezahlverfahren, ob bar oder mit Kreditkarte. "Da muss M-Payment mindestens einfacher sein oder schöner zu benutzen. Wenn man hier noch klicken und da noch etwas auswählen muss, ist das Verfahren tot", weiß er aus Erfahrungen mit anderen Versuchen.

Wie kann man damit Geld verdienen?

Zu umständlich wäre es beispielsweise, an der Kasse erst eine SMS des Händlers zu beantworten und so die Zahlung auszulösen. Auch diese Möglichkeit wurde schon getestet, konnte sich aber nicht durchsetzen.

Als Zahlungsbefehl ist die SMS nur bei mobilen Dienstleistungen wie Klingeltönen im Einsatz. Ein Grund dafür ist, dass bei allen Zahlungen mit diesen sogenannten Premium-SMS ein Drittel des Geldes an den Mobilfunkbetreiber geht und ein weiteres Drittel oft noch an andere Serviceprovider, welche die Zahlungen abwickeln.

Ursache für die langsame Verwirklichung von Mobile Payment ist laut Pousttchi die Komplexität der Technik. Sie werde immer noch unterschätzt. Schwierig sei allein schon das Geschäftsmodell: Wie kann man mit M-Payment Geld verdienen? Und wie wird die Sicherheit garantiert? Welches Verfahren ist das beste und wer wird es einführen? Von den wenigen Anbietern mobiler Bezahlverfahren gaben zwei Anfang dieses Jahres auf: Crandy - eine Wortschöpfung aus Credit und Handy - sowie Luupay. Dieses Unternehmen machten das Versenden von Geld zwischen Privatleuten möglich.

"NFC ist die Zukunft"

Im Moment existiert nur noch MPASS, ein System für Kunden von Vodafone und O2, das auf das Bezahlen im Internet beschränkt ist, sowie "Call & pay flexible" von der Telekom, mit dem an Automaten gezahlt werden kann. Erfolgversprechend sei eine Technologie, die auch dem niederländischen Supermarktversuch zu Grunde lag, sagt Pousttchi. Sie beruht auf der Funkübertragungstechnik RFID (Radio Frequency Identification). Ein RFID-Chip in einem Kleidungsstück könnte dem Handy den Preis anzeigen und eine Zahlungsaufforderung absenden. Die RFID-Umsetzung für Handys wird Nahbereichs-Kommunikation (NFC, Near Field Communication) genannt.

"In drei Jahren wird es keine neuen Handys mehr ohne NFC geben", erwartet Pousttchi. "Was Mobile Payment im Nahbereich angeht, ist NFC die Zukunft." Mit einem NFC-Handy von Nokia beispielsweise konnten Kunden des Rhein-Main-Verkehrsverbundes in einem Pilotprojekt durch das Berühren eines an der Haltestelle angebrachten Funkchips Informationen abrufen und Fahrkarten kaufen.

Wie lange es noch dauert, bis sich Mobile Payment durchsetzt, hänge vom Verhalten der Beteiligten ab, sagt Key Pousttchi. Nach wie vor sei es möglich "mit einem wirklich guten Verfahren den Markt zügig aufzurollen". Wenn das aber nicht geschehe, könnten amerikanische Konzerne das Rennen gewinnen, so wie es auch bei der Kreditkarte gewesen sei. In den Niederlanden jedenfalls habe jeder zweite Kunde angegeben, für ein Handy mit Mobile-Payment-Funktion den Netzanbieter zu wechseln. Eigentlich ein unschlagbares Argument im heiß umkämpften Mobilmarkt.

Susanne Ehlerding, ddp



insgesamt 107 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Ramsesx, 31.05.2009
1. Hurra
Heidelberger Wissenschaftler haben also das herausgefunden was schon seit Jahren von Verbrauchern und insbesondere Verkäufern/Händlern gewünscht wird. Wenn das keine Leistung ist. Worauf der Artikel überhaupt nicht eingeht ist wohl der ursprüngliche Grund warum es beim Pay per Mobiltelefon noch keinen Durchbruch gibt: Die exorbitanten Gebühren der Mobilfunkanbieter welche bis zu 50% der Zahlungssumme einbehalten.
rick.sander 31.05.2009
2. Das wäre zu schön um wahr zu sein
Wenn es total sicher wäre und Handy einfach nur hinhalten, wäre ich sofort dabei. Da ich keinen festen Provider habe, kannn ich leicht wechseln.
Maxl, 31.05.2009
3. Totgeburt
Der Artikel hat leider keinen Neuigkeitswert und die Studienergebnisse sind zumindest fragwürdig. Jeder zweite Deutsche wünscht sich mit dem Handy zu bezahlen, wer glaubt den so was. Der letzte Satz des Artikels legt nahe, dass wenn überhaupt jeder zweite Niederländer mit dem Handy bezahlen will. Vermutlich wurde die Frage irgendwie in der Art gestellt: "Wenn keine zusätzlichen Gebühren anfallen, würden Sie dann mit dem Handy zahlen?" Aber wer will bitte in eine Infrastruktur investieren, mit der sich kein Geld verdienen lässt. Wie viele Vorschläge, Standards und Anbieter von Micropayment hat es seit den 1980er Jahren gegeben? Wäre es nicht praktisch Sie zücken Ihre Geldkarte und können alle Zahlungen aus einer Hand erledigen? Ein weiterer Standard ist genau das, auf das die Welt gewartet hat. Ach ja und wenn ich wissen will, wann der nächste Zug fährt und dann schau ich mit dem Handy im Internet nach und suche mir sicher keinen Punkt an der Haltestelle zum Handy drauf halten.
Hercules Rockefeller, 31.05.2009
4. Dinge, die die Welt nicht braucht
Was bitte ist denn eine EC-Karte oder Kreditkarte anderes, als reinstes "mobile payment"? Schneller gehts ja nur noch, wenn die PIN verkleinert wird (am besten wohl eine Zahl aus 1-9) oder kein Abgleich mit dem Konto mehr erfolgt (also ein KO-Punkt für den Einzelhandel)-wer braucht das? Und wie kontrolliert der Kunde seinen Kontostand, etwa alle Transaktionen auf dem Handy ablesen, bei den Kosten für Datentarife und den lahmen Verbindungen ein Graus! Nee, den Mist braucht keiner! Da kann der Einzelhandel die Kunden auch gleich wieder anschreiben lassen und am Ende des Monats wird abgebucht-Bon ausdrucken, fertig.
oehmiwolfgag 31.05.2009
5. Wie viele werden arbeitslos?
Als ich 1990 zum ersten Mal im Westen mit meiner ec-Karte sehr stolz Geld abhob,sagte mein Freund: lass das nicht die Angestellten der Sparkasse sehen, die bangen um ihren Job. Und so kam es, inzwischen sind die Filialen ausgedünnt. Fahrkartenautomaten haben die Fahrkartenverkäufer verdrängt und mit dem Handy bezahlen kommt nur, wenn dadurch Geld gewonnen oder eingespart wird, sprich Personalkosten wegfallen. Bis wir eines Tages allein durch die Welt gehen, weil alles so schön automatisch ist. (Dass es nebenbei ein paar Zocker geben wird, die neben uns stehen und die Signale unseres Handys abfangen, ist wohl ausser Zweifel, also neue Gesetze für die Sicherheit - die Katze beißt sich in den Schwanz). Schöne neue Welt! Und wozu? damit ich noch schneller einkaufen kann und, die Erfahrung lehrt es - dank der Technik noch weniger Zeit habe.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.