Berliner Verkehrsbetriebe Bus und Bahn gegen iPhone-Fahrplan

So machen U-Bahn und Bus Spaß: Per GPS bestimmt das Handy, wo man gerade ist und berechnet sekundenschnell den schnellsten Weg zum Zielort - mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Berliner Verkehrsbetriebe aber sind darüber nicht glücklich. Sie sehen ihre Rechte in Gefahr.


Wenn man in Berlin mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B gelangen will und dabei nicht das Glück hat, das A und B in der Nähe ein und derselben U-Bahn-Linie liegen, wird es schnell kompliziert. Denn die Frage, welche der scheinbar zahllosen Verkehrsmittel-Kombinationen die schnellste ist, erschließt sich mitnichten auf einen Blick. Zur Ermittlung der optimalen Route wollen die Fahrpläne von Bus, Tram, U- und S-Bahn berücksichtigt sein, ein endloses Puzzle.

Fahr-Info: Die praktische Fahrplanabfrage per iPhone missfiel den Berliner Verkehrsbetrieben

Fahr-Info: Die praktische Fahrplanabfrage per iPhone missfiel den Berliner Verkehrsbetrieben

Wirklich einfach wird die Streckenplanung unterdessen, wenn man vor Fahrtantritt die Website der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) aufsucht. Dort erhält man nach der Eingabe von Start und Ziel mögliche Routen inklusive der Fahrzeit übersichtlich angezeigt. Natürlich funktioniert dieser Dienst auch von unterwegs, wenn man einen Internet-Zugang hat. Noch einfacher und vor allem für Besucher praktisch, wäre es wenn man sich die Eingabe des Startpunkts sparen könnte - schließlich können immer mehr Telefone den aktuellen Standort selbstständig ermitteln. Dass es für Apples iPhone eine entsprechende Software gibt, ist also kaum verwunderlich.

Ein findiger Student

Die iPhone-Anwendung "Fahr-Info Berlin" wurde vom Studenten und Programmierer Jonas Witt entwickelt und ist seit Juli kostenlos in Apples Software-Laden "App Store" erhältlich. Wie er das Programm geschrieben hat und welche Hürden dabei zu überwinden waren, beschreibt Witt ausführlich im Blog seiner Firma Metaquark unter dem Titel " The App Store Experience". Wie der Titel andeutet, geht es dabei vor allem um den zwischenzeitlich mühsamen Umgang mit der Apple-Plattform.

Als es die "Fahr-Info Berlin" endlich in den App Store geschafft hatte, erhielt Witt viel Feedback von überwiegend begeisterten Nutzern. Die kleine Gratis-Software erspart demnach nicht nur die Eingabe eines Startpunktes, sondern auch Zeit, da die Abfrage deutlich schneller abgewickelt wird als beim mobilen Aufruf der BVG-Website. Aber neben der positiven Resonanz erhielt Witt auch Post von überraschender Seite: Die BVG monierte die Verwendung von Übersichts- und Detailplänen, auf die die Verkehrsbetriebe Copyrights halten.

Gehackte Positionen

Jonas Witt war davon ausgegangen, dass die BGV es begrüßen müsste, wenn "viele Menschen viel, glücklich und gut informiert mit Bus und U-Bahn unterwegs sind," erklärte der Programmierer jetzt gegenüber der " tageszeitung". Statt dessen sah er sich dazu gezwungen, die geschützten Pläne aus der Software zu entfernen, womit diese natürlich deutlich weniger intuitive Ergebnisse liefern kann.

Zur Begründung ihres rigorosen Vorgehens erklärte ein BVG-Sprecher wiederum gegenüber der "tageszeitung", dass die Verkehrsbetriebe an einer eigenen Handy-Fahrplan-Software arbeiten würden. Dass sich die BVG auch am Namen "Fahr-Info Berlin" stößt, bleibt unterdessen Spekulation, aber das Unternehmen hat die Domain fahrinfo-berlin.de bereits 2007 angemeldet. Und auch Witts Verwendung von Daten aus dem " Google Maps Hack Uberbahn" dürfte die BVG nicht unbedingt erfreut haben. Dabei handelt es sich um eine Karte, in die die Koordinaten von BVG-Haltestellen eingetragen wurden.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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