Blackberry-Verzicht US-Medien fürchten Obama offline

Als Kandidat war Barack Obama ständig mit dem Blackberry online. Als Präsident muss er womöglich auf die Überall-E-Mails verzichten - Sicherheitsprobleme und Archivierungspflicht könnten Obama dazu zwingen, auf seine informellen Kommunikationswege zu verzichten.


Eigentlich soll Barack Obama beim Fußballspiel seiner Tochter zuschauen. Er sitzt neben seiner Frau Michelle auf einem Campingstuhl am Spielfeldrand, jubelt, feuert das Team seiner Tochter an - und holt dann sein Smartphone, einen Blackberry, aus den Gürtelholster, um kurz die E-Mails zu checken - bis Michelle ihm tadelnd auf die mailenden Finger klopft. Dieses CNN-Video vom Juni veranschaulicht, wie oft Kandidat Obama online war. Die " New York Times" berichtet nun, dass Präsident Obama womöglich auf seine Mailmaschine verzichten muss.

Die "New York Times" führt als mögliche Probleme eines mailenden Präsidenten die Sicherheitsbedenken an. Außerdem müsse Obama sich bewusst sein, dass als Präsident alle seine E-Mails archiviert und auf Anfrage womöglich veröffentlicht werden.

Der Nachrichtenagentur AP sagt dazu Mike McCurry, ehemaliger Sprecher von Präsident Clinton: "Das ist alles recherchierbar, E-Mail hinterlässt eine Spur, die in den Händen eines Kongress-Ermittlers landen können." Löschen ist nicht - ein Gesetz über die Aufzeichnungen des Präsidenten erklärt alle verfassten Dokumente zum Eigentum der Regierung der Vereinigten Staaten, die archiviert werden müssen.

Wegen solcher Probleme hat Bill Clinton als Präsident ebenso aufs E-Mail-Schreiben verzichtet wie George W. Bush. Drei Tage vor seiner Amtseinführung schrieb Bush von seiner privaten AOL-Adresse G94B@aol.com eine Nachricht an 42 Freunde, mit denen er bis dahin regelmäßig mailte. Daraus zitiert AP Bush so: "Da ich nicht will, dass Menschen meine privaten Nachrichten lesen, die mich bloßstellen wollen, muss ich auf E-Mails verzichten. Das macht mich traurig."

Obama hat noch keine Abschieds-Mail verschickt. Es ist nicht bekannt, ob er seinen Blackberry und E-Mails aufgibt wie sein Amtsvorgänger. Bislang ist er noch per E-Mail zu erreichen. Unter anderem für Schauspielerin Scarlett Johansson, die für Obama Wahlkampfwerbung machte, seiner Assistentin eine Nachricht schickte und dann Antwortzeilen von Obama selbst bekam: "Vielen Dank dafür, was du tust!"

lis

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