Boom der Luxushandys Mit dem Goldschmuck telefonieren

Handys sind inzwischen auch als Luxusartikel etabliert, die wie Armbanduhren mit kostspieliegen Materialien veredelt werden. Immer mehr Hersteller entdecken den neuen Markt der Edel-Handys, wie das Angebot auf der Schmuck- und Uhrenmesse Baselworld zeigt.


Handys verdrängen nicht nur die Armbanduhr als gängige Zeitanzeige, Telefone haben sich inzwischen auch analog zu Uhren als Luxus-Accessoires etabliert. Augenfällig wurde der Trend dieser Tage auf der weltweit wichtigsten Schmuck- und Uhrenmesse, der Baselworld. Viele Aussteller zeigen neben klassischen Kreationen auch mit Diamanten, Gold und anderen wertvollen Materialen "veredelte" Telefone.

Edel-Handy Diamond II: extrem teuer, extrem profitabel
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Edel-Handy Diamond II: extrem teuer, extrem profitabel

Hier durfte natürlich auch der führende Hersteller von Handys der gehobenen Preisklasse, Vertu, nicht fehlen. Und anlässlich der Baselworld gab sich Vertu-Präsident Alberto Torres für die üblichen Gepflogenheiten seines Unternehmens sogar regelrecht leutselig - Vertu ist eine hundertprozentige Nokia-Tochter, zu deren Aktivitäten sich der finnische Weltmarktführer üblicherweise ziemlich bedeckt hält.

Luxus ist hochprofitabel

Vertu zeigte auf der Baselworld Handys mit Preisen zwischen 3.250 und 232.500 Euro, und scheint mit dieser Preisgestaltung goldrichtig zu liegen: Laut Torres ist sein Unternehmenszweig einer der kleinsten, aber gleichzeitig auch einer der profitabelsten bei Nokia. Die Vertu-Margen sind demnach mit denen der Schmuckindustrie vergleichbar.

Vertu peilt laut Torres an, bald 100.000 Handys pro Jahr abzusetzen. Dabei soll die Wachstumsrate dieses Jahr bei 100 Prozent liegen, nachdem die Absätze 2006 um satte 140 Prozent gesteigert werden konnten. Als echte Konkurrenz zu klassischen Schmuckmarken sieht sich Vertu unterdessen trotzdem nicht, die wohlhabende Kundschaft kauft laut Torres nämlich einfach das Diamanten-Handy und die Golduhr: "Unsere Kunden leisten sich meistens viele Luxusartikel," so Torres gegenüber der Nachrichtenagentur "Reuters". Weitere Bilanzdetails oder genaue Umsatzzahlen wollte Torres unterdessen wieder nicht nennen.

Nokia in purem Gold

Dass der Markt für Handys jenseits der Massenproduktion extrem lukrativ sein kann, entgeht aber natürlich auch anderen Unternehmen nicht, in letzter Zeit drängt es denn auch immer neue Akteure ins gehobene Segment. Darunter sind einerseits etablierte Luxusmarken, etwa Bang & Olufsen mit seinem "Serene Mobile", das Prada-Handy von LG oder das angekündigte Dolce & Gabbana-Telefon von Motorola, und auch Gucci werden Pläne für eine eigene Handy-Linie nachgesagt. Andererseits tummeln sich immer mehr reine Handy-Hersteller wie Hulger, Gresso oder Vertu in der hochpreisigen Nische. Jüngster Zuwachs ist hier ein neues Unternehmen namens "Belleperre", das sich Telefonen ohne Plastikteile verschrieben hat, und statt dessen auf Leder, Glas und Metal setzt.

Und angesichts der blendenden Geschäfte seiner diskreten Edel-Tochter, scheint es auch Nokia selbst in den Markt zu ziehen: Ab sofort ist bei ausgesuchten Händlern das "Nokia 8800 Sirocco Gold" für rund 1.000 Euro zu haben, dessen Schalen aus massivem, 18-karätigen Gold gefertigt sind. Womit der weltweit größte Handy-Hersteller übrigens einen "Telefon-Case-Modder" aus Bayern imitiert: Die Firma Sayn-Design bietet bereits seit letztem Jahr eine "Nokia 8800 Sirocco: Diamond Edition" an, bei der natürlich ebenfalls reichlich Gold zum Einsatz kommt.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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