Brennstoffkartuschen Handy-Energie vom Feuerzeugmacher

Methanol-Brennstoffzellen sollen die Energiequelle der Zukunft sein - zumindest für Laptops und Handys. Für flächendeckenden Nachschub will der für Feuerzeuge und Rasierer bekannte Einwegkonzern BIC sorgen.


Letztes Jahr wurden hunderttausende Laptop-Akkus von den Herstellern zurückgerufen, weil den Energiespeichern Überhitzung drohte. Immer wieder tauchen mehr oder weniger stimmige Berichte über "explodierende" Handy-Akkus auf. Auslöser für diese Pannenserien sind meist Versäumnisse der Hersteller. Die Ursache für die Überlastung von Akkus liegt im ständig wachsenden Energiehunger mobiler Geräte.

Prototyp einer Methanol-Brennstoffzelle: Spritnachschub vom Feuerzeughersteller
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Prototyp einer Methanol-Brennstoffzelle: Spritnachschub vom Feuerzeughersteller

Der Verbrauch moderner Geräte kann auch von aktuellen Lithium-Ionen-Akkus nicht wirklich gedeckt werden. Eine substantielle Verbesserung ist im Bereich klassischer Batterien wohl nicht zu erwarten. Die Hoffnungen für neue Energieschübe für Handy und Co liegen daher auf alternativen Stromquellen, insbesondere auf Solar- und Brennstoffzellen. Da sich die Energie-Lücke im vernetzten Alltag bereits seit Jahren abgezeichnet hat, hoffen Technikbegeisterte und Elektronikhersteller schon lange auf diese neuen, sauberen Akku-Nachfolger.

Flops und Enttäuschungen

Bislang reicht die Stromausbeute von Solarzellen allerdings bei Weitem nicht aus, um Handy oder Laptop zu betreiben - zumindest nicht bei einer halbwegs praktikablen Dimension der Kollektorfläche. Ähnlich enttäuschend verlief die Entwicklung von Brennstoffzellen, in denen mittels einer chemischer Reaktion Strom produziert wird: Konzerne wie Matsushita, Sanyo oder Sony sprachen bereits im letzten Jahrhundert vom nahen Durchbruch der Technik, konnten ihre Versprechen aber nie einlösen.

Trotz dieser langen, enttäuschenden Geschichte dürfte es jetzt Anlass zum Optimismus in Sachen Brennstoffzellen geben. Diese Wende wurde allerdings weniger von der Elektronikindustrie bewirkt, sondern durch das Umdenken in der Automobilbranche angesichts explodierender Ölpreise. Die Anstrengungen der mächtigen Autohersteller zeigen langsam Wirkung. In der Antriebstechnik wurden zuletzt beachtliche Fortschritte erzielt.

Wegwerf-Tanks

Das größte Hindernis auf dem Weg zum sauberen und Energie-effizienten Straßenverkehr ist dabei die Organisation des flächendeckenden Wasserstoff-Nachschubs. Denn mit Wasserstoff werden die Brennstoffzellen der Autos "betankt". Zum Betrieb elektronischer Geräte eignen sich dagegen eher Zellen, die auf Methanol-Basis arbeiten. Ein logistisches Treibstoffproblem wird es hier aber nicht geben - und damit ist nicht der abgestandene Witz vom Laptop-Nutzer gemeint, der sich Hochprozentiges mit seinem Rechner teilt.

Stattdessen hat sich der französische BIC-Konzern - der weltweit größte Hersteller von Kugelschreibern, Einwegfeuerzeugen und Einwegrasierern - des Themas angenommen. Zu seinen Verkaufsklassikern sollen sich möglichst bald Methanol-Kartuschen gesellen, um die Brennstoffzellen in Handy und Co. zu betreiben.

BIC arbeitet bereits seit 2002 an der Idee einer Methanol-Patrone für den Massenmarkt: "Die Herausforderung besteht darin, die Kartuschen so zu gestalten, dass sie den Konsumenten ähnlich unspektakulär wie ein Plastikkugelschreiber erscheinen", erklärte Steve Burkhart, der BICs "Batterie"-Sparte leitet. Das Ergebnis soll also in bester Firmentradition ein unauffälliges aber allgegenwärtiges Produkt sein, das für wenige Euro zuverlässig Energie liefert. Entwicklung und Herstellung der Brennstoffzellen überlässt BIC den Elektronik-Konzernen, mit denen die Feuerzeug-Firma schon fleißig Allianzen schmiedet.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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