Bundesnetzagentur Mobiles Internet auf der Überholspur

Surfen, Mailen, Chatten: Unterwegs-Datendienste werden immer beliebter. Mit 8,7 Millionen UMTS-Nutzern sei jetzt eine kritische Masse erreicht, glaubt die Bundesnetzagentur.


Der schnelle Datenfunk UMTS galt lange als Rohrkrepierer. Milliardenteuer eingekauft dümpelte das Mobilfunk-Internet jahrelang wenig beachtet vor sich hin. Doch davon will heute niemand mehr etwas wissen. "Mit 8,7 Millionen UMTS-fähigen Mobiltelefonen oder Laptop-Karten ist der Knoten jetzt geplatzt und das mobile Internet auf der Überholspur", sagte der Präsident der Regulierungsbehörde, Matthias Kurth, am Mittwoch in Bonn.

Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth: "Der Knoten ist geplatzt"
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Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth: "Der Knoten ist geplatzt"

Dass es so lange gedauert hat, bis sich das mobile Internet auf breiter Basis durchsetzen konnte, sei ganz normal. Wie jede neue Technik habe UMTS Zeit gebraucht, sich zum Massengeschäft zu entwickeln. Nun aber, da ist sich die Bundesnetzagentur sicher, werde die mobile Datenübertragung zum Wachstumstreiber für die Telekommunikationsbranche in Deutschland.

Die Zahl der regelmäßigen UMTS-Nutzer stieg nach den Angaben von Kurth von 2005 bis 2007 um 263 Prozent. Das mobil übertragene Datenvolumen habe sich 2007 mit 1,7 Millionen Gigabyte im Vergleich zu 2006 verdoppelt. Entscheidende Erfolgsfaktoren seien die Netzabdeckung von bis zu 80 Prozent der Bevölkerung, immer höhere Übertragungsgeschwindigkeiten, aber vor allem auch sinkende Preise und transparente Tarifstrukturen.

Kurth mahnte die Anbieter, "aus wohlerwogenem Eigeninteresse weitere Schritte zur Klarheit und Verbraucherfreundlichkeit einzuleiten". Wer weitere Eingriffe der EU zum Beispiel beim Datenroaming vermeiden wolle, sollte durch eigenes Handeln aktiv werden.

Weiteres Wachstum im Mobilfunk erwartet

Trotz einer Zahl von inzwischen 97 Millionen Handy-Nutzern sieht Kurth das Wachstumspotential des Mobilfunks "bei weitem noch nicht ausgeschöpft". Flatrates und günstige Angebote brächten Zuwachs bei den Gesprächsminuten. Zudem hätten zwar schon zehn Prozent aller Haushalte nur noch ein Mobiltelefon und keinen Festnetzanschluss mehr. Diese Entwicklung sei aber noch keineswegs abgeschlossen.

Europaweit einmalige Zuwachsraten habe Deutschland zugleich bei schnellen Internetanschlüssen per Festnetz aufzuweisen, erklärte Kurth bei der Vorlage seines Jahresberichts weiter. Fast 20 Millionen Breitbandanschlüsse bedeuteten eine Zunahme um fünf Millionen Kunden im Jahr 2007. Mehr als die Hälfte der neuen Breitbandanschlüsse würden von Wettbewerbern der Telekom geschaltet und etwas mehr als die Hälfte der DSL-Kunden nutzten Angebote der Wettbewerber.

Wettbewerber mit 52 Prozent Marktanteil

Die neuen Anschlüsse führten nach den Angaben der Bundesnetzagentur zu einem sprunghaften Anstieg der Datennutzung um 54 Prozent auf über 1,7 Milliarden Gigabyte Ende vergangenen Jahres.

Rund 3,9 Millionen Deutsche telefonieren inzwischen mit VoIP (Voice over IP) auch über das Internet.

Die Umsätze der Branche sinken freilich seit 2006. Diese Tendenz habe sich fortgesetzt, berichtete die Regulierungsbehörde. Grund dafür sei der Preisverfall in Festnetz und Mobilfunk. Die Wettbewerber der Telekom erreichten 2007 einen Marktanteil von 52 Prozent.

mak/AP



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