Chinesisches Prestigeprojekt Ein Handy-Mast auf dem Mount Everest

In 6.500 Metern Höhe soll pünktlich zu den Olympischen Spielen 2008 der höchste Handy-Mast der Welt funken: Zwei chinesische Vorzeigeunternehmen und das Militär wollen das Mount Everest Basiscamp und die Hauptaufstiegsroute mit einem Mobilfunknetz versorgen.


Im Mai dieses Jahres stellte der Brite Rod Baber zwei neue Rekorde auf: Der Bergsteiger führte das erste Handy-Gespräch auf dem Gipfel des Mount Everest und er verschickte die erste SMS vom höchsten Gipfel der Welt. Nun kann man zwar durchaus den Sinn dieser Premieren in Frage stellen, trotzdem haben Babers Handy-Pioniertaten weltweit Schlagzeilen produziert.

Mount Everest: Die Hauptroute zum Gipfel soll 2008 komplett mit einem Mobilfunksignal abgedeckt sein
REUTERS

Mount Everest: Die Hauptroute zum Gipfel soll 2008 komplett mit einem Mobilfunksignal abgedeckt sein

Die Publicity dürfte neben dem Briten vor allem die chinesische Regierung erfreut haben. Denn Babers Mobiltelefoneinsatz auf dem Mount Everest war nur ein Vorgeschmack auf die Inszenierung, die zu den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking geplant ist.

Im Vorfeld der Spiele soll nämlich die olympische Fackel unter anderem auf den Mount Everest und wieder hinunter getragen werden. Im Rahmen dieses "Reise der Harmonie" genannten Fackellaufs sollen auch technologische Höchstleistungen präsentiert werden, zu denen die Mobilfunkabdeckung auf der gesamten Hauptroute zum Everest-Gipfel gehört.

Eine Prestigefrage

Anders als bei der experimentellen Handy-Premiere des britischen Bergsteigers soll nächstes Jahr die Netzabdeckung zuverlässig im Basiscamp und auf der Hauptaufstiegsroute funktionieren - und damit sogar zum Hauptkommunikationsmittel bei der Everest-Besteigung werden. Dazu hat der Mobilfunkanbieter China Mobile gerade dem Netzausrüster Huawei den Auftrag erteilt, auf 6.500 Metern Höhe einen Handy-Mast zu errichten. Dieser soll mittels Solarenergie versorgt und sowohl per Kabel als auch über einen Satelliten-Uplink mit dem Rest der Welt verbunden werden.

Mit China Mobile und Huawei sind zwei chinesische Vorzeigeunternehmen mit dem Prestigeprojekt beauftragt, die hierzulande aber noch wenig bekannt sind. Dabei ist China Mobile der weltweit größte Mobilfunkanbieter, der Ende 2006 bereits 300 Millionen Kunden hatte und sich weiter auf einem rasanten Wachstumskurs befindet.

Jeden Monat gewinnt China Mobile rund vier Millionen neue Kunden. Das Unternehmen, das laut der Marktforschungsgruppe Millward Brown bereits zu den zehn teuersten Marken der Welt gehört, will sich als offizieller Partner der Olympischen Spiele nächstes Jahr einem globalen Publikum vorstellen.

Militär im Hintergrund

Aber auch der Telekomausrüster Huawei ist ein Vorzeigekonzern, obwohl er erst 1988 gegründet wurde. Seitdem ist das Unternehmen allerdings in schwindelerregendem Tempo gewachsen. Inzwischen beschäftigt Huawei 62.000 Mitarbeiter und hat 2006 einen Umsatz von elf Milliarden Dollar erzielt.

Dabei entfiel bereits deutlich mehr als die Hälfte des Umsatzes auf Auslandsgeschäfte, eine Tendenz, die wohl auch durch die medienwirksame High-Tech-Inszenierung am Mount Everest weiter angekurbelt werden soll.

Dass der Huawei-Gründer und -Chef Zhengfei ein ehemaliger Offizier der Volksbefreiungsarmee ist, passt übrigens gut zum Bau der Handy-Station in 6.500 Metern Höhe: Nach Informationen der "BBC" ist nämlich das Militär federführend bei der Organisation des Fackellaufs über den Mounts Everest.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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