Clever einkaufen Handy warnt vor Wucherpreisen

Das Gesetz des Geizes endet beim Elektronikdiscounter oft an der Kasse. Ob man sich für blöd verkaufen lässt, kann man direkt im Geschäft überprüfen - mit einem kurzen Blick aufs Handy. Überraschungen sind garantiert.

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Einkaufen ist eine Wissenschaft. Große Unternehmen beschäftigen eigens Manager dafür, die nach den günstigsten Lieferanten fahnden und um Prozente feilschen. Ich kann mir einen persönlichen Einkäufer leider nicht leisten. Immerhin gibt es seit ein paar Jahren brauchbare Preisvergleichsseiten im Internet, um schnell günstige Anbieter zu finden.

Bei Spontankäufen helfen die jedoch wenig. Man steht vor einem laut Preisschild stark preisgesenkten Drahtloskopfhörer, zückt schon das Portemonnaie und zögert: Wäre es nicht besser, erst mal in Ruhe zu Hause die Preise zu vergleichen?

Für ganz Ungeduldige gibt es zum Glück einen eleganteren Weg zum schnellen Preis-Check - über das eigene Handy. Das erklären zumindest die Betreiber des Handy-Portals Joca, die den Preisvergleicher guenstiger.de in ihre Java-Software Joca integriert haben. Das Handy-Tool ist kostenlos und läuft auf praktisch allen neueren Mobiltelefonen.

Ist die Joca-Software gestartet, dauert ein Preis-Check nur wenige Sekunden: Man tippt einfach den Produktnamen ein und bekommt sofort Preis und Foto angezeigt. Auch die Versandkosten, bei denen mancher Webshop überhöhte Preise berechnet, sind fast immer korrekt angegeben.

Neben Joca kann man jedoch auch auf Wap-Portale von Preissuchmaschinen zurückgreifen, was den Vorteil hat, dass man keine Software auf dem Handy installieren muss. Guenstiger.de betreibt selbst ein Wap-Portal, wie auch Evendi.de und Preistrend.de.

Wie günstig Sonderangebote wirklich sind

Aber was taugen die Angebote in der Praxis? Zum Beispiel wenn man im Hamburger Saturn-Markt am Hauptbahnhof vor einem Preisschild "Sonderangebot" steht? Ich habe es ausprobiert.

Erste Station: die Espresso-Automaten im ersten Stock. Von der Rolltreppe sind es nur wenige Meter bis zur Ausstellung der Firma Jura. Die Maschinen kosten um die 1000 Euro. Einige sogar deutlich mehr. Ich entscheide mich spontan für die Impressa F90 Alu, die bei Saturn für 1149 Euro zu haben ist - unverbindliche Preisempfehlung laut Preisschild 1210 Euro. Das klingt ziemlich günstig.

Ist es aber nicht. Das Java-Programm Joca gibt als günstigsten Preis 997,90 Euro an und meldet Versandkosten, die zwischen 14 und 80 Euro liegen sollen. Verkäufer ist der T-Online-Shop. Später am Computer stellt sich heraus, dass für den Versand in Wahrheit nur 7,90 Euro berechnet werden. Preisersparnis: 143,20 Euro.

Vorsicht vor zu schnellen Entscheidungen

Der Fehler bei den Versandkosten ist ärgerlich, aber zum Glück nicht typisch für Joca. Ein anderer Mangel erweist sich dagegen als viel gravierender: Joca nennt nur einen einzigen Anbieter, und zwar den mit dem laut guenstiger.de niedrigsten Preis. Wer schon mal schlechte Erfahrungen beim Einkaufen im Internet gemacht hat, weiß, dass man nicht einfach nur nach dem Preis gehen sollte. Es gibt Shops, die nur Vorkasse akzeptieren, und dann plötzlich Lieferschwierigkeiten haben. Das Geld ist weg, die Ware aber kommt nicht und irgendwann fängt man an zu beten, das der günstige Webshop doch bitte nicht Pleite gehen möge.

Allemal besser ist es, eine Liste mehrerer Webshops zu haben und jene Anbieter auszuwählen, mit denen man gute Erfahrungen gemacht hat, auch wenn das gesuchte Produkt dort ein paar Euro mehr kostet. Das kann Joca leider nicht bieten, wie übrigens auch das Wap-Portal von guenstiger.de nicht - die Angebote taugen allenfalls zur groben Orientierung.

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