Details zum Google-Handy Android macht aus Telefon 3-D-Kompass

Das wurde auch Zeit: Sieben Monate ist es her, dass Google ein eigenes Handy-Betriebssystem angekündigt hat. Jetzt hat der Konzern endlich vorgeführt, wie weit die Arbeiten an der Software mittlerweile gediehen sind. Ein paar eindrucksvolle Anwendungen wurden auch gezeigt.

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Spekulationen, Google würde mit der Android genannten Software Apples iPhone an den Karren fahren wollen, erteilte Google-Chefingenieur Vic Gundotra eine Absage. "Ich glaube, das iPhone ist ein Weltklassegerät mit einem großartigen Webbrowser, das in vielerlei Hinsicht Googles Schlüsselziele erfüllt: das Web auf mobile Geräte zu bringen", sagte der Manager. Gewisse Ähnlichkeiten zum Kult-Handy aus Cupertino konnte er dann aber doch nicht verbergen, als er auf der Google-Entwicklerkonferenz "Google I/O" erste Android-Details enthüllte.

Schuld daran ist in erster Linie die Bedienung per Touchscreen, die der Ingenieur vorführte. Vieles davon meint man schon einmal gesehen zu haben. So zum Beispiel die Möglichkeit, Bilder oder Web-Seiten durch einfache Gesten zu vergrößern oder zu verkleinern. Auch die Funktion, Links zu häufig besuchten Web-Seiten als Schnellzugriffssymbol auf dem Startbildschirm abzulegen, kennt man schon von Apples Mobiltelefon.

Und tatsächlich wird ein bisschen was vom iPhone in jedem Android-Handy stecken. Denn Google verwendet als Grundlage seiner Entwicklung Apples WebKit-Browser Engine, die das Unternehmen unter Open-Source-Lizenz veröffentlicht hat. Allerdings wird es auch Google-Handys geben, die sich sehr krass vom iPhone unterschieden.

So wies Gundotra darauf hin, dass Android nicht notwendigerweise per Fingerzeig bedient werden muss. Auch eine Steuerung beispielsweise per Trackball sei denkbar - und würde billigere Geräte ermöglichen. Sogar Telefone ganz ohne Display seien denkbar, sagte Android-Projektleiter Andy Rubin auf einer Pressekonferenz.

Die Passwort-Matrix

Beeindruckt zeigten sich die anwesenden Entwickler dann allerdings von den weiteren Funktionen, die Gundotra vorführte. Eine echte Neuheit war etwa die Möglichkeit, das Telefon zu entsperren, indem man eine grafische Figur auf den Bildschirm nachzeichnet, statt ein Passwort oder eine Pin einzugeben. Schwierig scheint das nicht, wird das grafische Passwort doch aus einer drei mal drei Punkte großen Matrix generiert.

Wie sich Online-Funktionen, Positionsdaten und die Informationen von Lagesensoren geschickt kombinieren lassen, führte Gundotra mithilfe eines digitales Kompasses vor, der mit Google Street View verknüpft war. Je nachdem in welche Richtung das Handy gedreht wurde, änderte sich auch das angezeigte Bild, zeigte sofort den Straßenzug, den man in der Realität vor sich sehen würde. Das folgende Video von AndroidCommunity.com zeigt die Demonstration:

Als praktische Anwendung könnte man sich von einem solchen Handy durch die Straßen einer fremden Stadt leiten lassen und hätte über den Bildschirm eine Echtzeitkontrolle, ob man sich tatsächlich noch auf dem rechten Weg befindet. "Das ist eine meiner Lieblingsfunktionen im neuen Street View", erklärte Gundotra. Und auch Geocacher werden ihr Freude daran haben, denn mit der Software wird man ganz nebenbei auch jeden seiner Schritte aufzeichnen können.

Benutzeroberfläche mit Abreißeffdekt

Ähnlich, wie sich auf dem iPhone Symbole per Finger bewegen lassen, wird man auch auf Android-Handys Bildinhalte verschieben können. Allerdings haben Googles Entwickler hier noch reichlich grafische Extras eingebaut. So hinterließ eine über den Bildschirm gezogene Uhr auf dem blauen Hintergrund eine digitale Gischtspur, als wäre dort jemand Wasserski gefahren. Doch scheint es auch einen ganz praktischen Nutzen für die Fingerschieberei zu geben. Wie bei einem Zettelblock könnte man von Programm zu Programm umschalten, indem man die gerade zuoberst liegende Anwendung einfach zur Seite wischt. Dass überdies eine Android-Version des Spielhallenklassikers Pacman gezeigt wurde, ist da nur ein Randnotiz wert.

Darüber, wann es die ersten echten Mobiltelefone auf Android-Basis geben wird, wollten die Google-Manager indes keine genaueren Angaben machen. "Innerhalb der letzten sechs Monate dieses Jahres", ist die genaueste Auskunft, die man derzeit erhält. Und bis es soweit ist, wird man wohl nur wenige tiefergehende Informationen zu Android bekommen. Einzig die rund 30 Partner der von dem Konzern initiierten Open Handset Alliance werden in die Entwicklungsarbeiten eingeweiht. Der Rest von uns wird wohl warten müssen, bis die ersten Android-Handys auf den Markt kommen, irgendwann gegen Ende des Jahres.



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