Dudel-Handy Entwickler basteln Komponier-Software fürs iPhone

Apple lädt Programmierer ein, Anwendungen für das iPhone zu programmieren. Nun könnte Musik-Software entstehen, die intuitive Bedienung mit virtuellen Instrumenten kombiniert - und so eine neue, digitale Art des Musizierens ermöglicht.


Die Idee, mobile Gadgets als Musikinstrumente zu benutzen, erhielt im Februar durch das Video einer Kombi namens "iBand" Auftrieb. In dem Filmchen (siehe Video unten), das zu einem veritablen YouTube-Hit avancierte, kommt das iPhone als Gitarre und der Video-Player iPod touch als Klavier zum Einsatz. In dem Konzert stehlen die Apples-Geräte Nintendos Game-Konsole DS eindeutig die Show, obwohl es für diese Plattform bereits deutlich ausgereiftere Software gibt.

Dass auf iPhone und iPod touch bei der iBand jeweils recht einfache Programme laufen, die die Möglichkeiten der Gadgets bei weitem nicht ausschöpfen, liegt daran, dass Apple seine mobilen Geräte gegenüber freien Entwicklern bislang eher abschottete. Damit wollte das Unternehmen die Kontrolle über die Anwendungen behalten, etwa um zu verhindern, dass seine Handys in beliebigen Mobilnetzen verwendet werden.

Die Software zur Simulation von Gitarre und Klavier stammt vom Entwickler-Projekt Moo-Cow-Music. Sie ist gratis, läuft aber nur auf "gehackten" Apple-Telefonen oder Video-Playern. "PocketGuitar" und "iAno Piano Emulator" bieten außer der Simulation eines Instruments, das über das Touchpad angespielt wird, keine weiteren Funktionen. Dass man die Geräte beispielsweise nicht synchronisieren kann, fällt schon im ersten iBand-Video unangenehm auf - und Touchpads eignen sich leider denkbar schlecht als Klavierersatz.

Aber auf dem iPhone sollten demnächst ausgefeilte Musikanwendungen zur Verfügung stehen. Apple hat im März seine Software-Politik gelockert, freien Programmierern stehen seitdem die selben Werkzeuge wie Apple-Mitarbeitern zur Verfügung, um Software für das iPhone und den iPod Touch zu entwickeln. Moo-Cow-Music hat bereits angekündigt, dieses Angebot anzunehmen. Die Nutzung des offiziellen Entwickler-Werkzeugkastens ist allerdings mit der Bedingung verbunden, Programme ausschließlich über Apples Download-Plattform zu vertreiben.

Kommende Moo-Cow-Music-Anwendungen für das iPhone werden demnach nicht mehr kostenlos sein, aber sie dürften auch deutlich leistungsfähiger werden. So soll das Synchronisationsproblem via Bluetooth gelöst werden, was Konzerte für Handy und Laptop möglich machen würde. Wie so etwas aussehen könnte, hat der Programmierer Alex le Lievr vergangenes Jahr vorgeführt: Er steuerte die Profi-Tonstudio-Software "Pro Tools" mit dem Touchscreen seines Telefons (siehe Video unten).

Wie produktiv eine freie Entwicklerszene sein kann, zeigt das Beispiel der mobilen Playstation-Version. Unter den zahlreichen PSP-Anwendungen finden sich auch üppig ausgestattete wie " PSP Rhythm".

Das Programm macht aus der Spielkonsole ein echtes Mini-Studio mit Sampler, Synthesizer und Effekten, zudem können komplette Arrangements erstellt werden.

Wenn eine solche Funktionsvielfalt auf dem iPhone ankommt, könnte es noch einmal richtig spannend werden. Jedenfalls wenn es gelingt, die vielgepriesene intuitive Bedienung aufs Spielen der Musikinstrumente zu übertragen.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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