EU-Roaming Urlaubstelefonate ab Mittwoch billiger

Urlaubsgrüße per Handy sind in diesem Sommer weniger teuer. Ab Mittwoch müssen die Anbieter ihre Gebühren gemäß EU-Vorgaben senken. SPIEGEL ONLINE erklärt, worauf man bei Auslandstelefonaten achten muss, um von den neuen Tarifen zu profitieren.


Berlin - Und wieder geht es den Abzocktarifen an den Kragen: Ab Mittwoch kosten Telefonate mit dem Handy im EU-Ausland erneut weniger Geld. Anrufe mit einem deutschen Mobiltelefon im Urlaub oder auf Geschäftsreise in den Staaten der Europäischen Union dürfen nach einer EU-Verordnung ab 1. Juli nicht mehr als rund 51 Cent pro Minute kosten. Das Annehmen von Anrufen wird mit maximal 22,6 Cent ebenfalls billiger. Für das Versenden von SMS-Botschaften innerhalb der Europäischen Union gilt ab Mittwoch eine Preisgrenze von 13 Cent.

Handygespräche aus dem Ausland: Ab dem 1. Juli werden die Gebühren wieder gesenkt
DDP

Handygespräche aus dem Ausland: Ab dem 1. Juli werden die Gebühren wieder gesenkt

Ab Juli müssen die Anbieter auch eine für Verbraucher günstigere Taktung anbieten: Bislang rechneten die meisten Mobilfunkanbieter im Minutentakt ab, nun müssen die Firmen nach der ersten halben Minute im Sekundentakt abrechnen. Bei der bislang üblichen Abrechnung im Minutentakt zahlten die Verbraucher nach Angaben der EU-Kommission gut 20 Prozent drauf.

Wer auf Auslandsreisen mit dem Handy oder Laptop im Internet surft, bekommt ab 1. Juli von seinem heimischen Mobilfunkanbieter bei jeder Verbindung Informationen über die Roaming-Preise in dem betreffenden Land zugesandt. Spätestens ab 1. März 2010 müssen die Mobilfunkbetreiber den Kunden außerdem anbieten, zum Schutz vor unerwartet hohen Rechnungen die Verbindung bei Erreichen eines bestimmten Betrags zu kappen. Für Verbraucher, die bis zum 1. Juli 2010 nichts anderes festlegen, wird dieser Betrag auf 50 Euro festgesetzt.

Wie die Handy-Rechnung auch im Urlaub überschaubar bleibt
Kann ich im Ausland einfach mit meinem Handy telefonieren?
Die meisten Handys sind von Anfang an für Roaming, also das Telefonieren in ausländischen Mobilfunknetzen, freigeschaltet. Einige Anbieter verlangen aber eine ausdrückliche Aktivierung - die kostet zwar meist nichts, kann aber etwas Zeit in Anspruch nehmen. Gerade bei exotischeren Reisezielen ist eine Nachfrage angebracht.
Wie viel kostet das Telefonieren im Ausland?
Nach der neuen EU-Verordnung dürfen abgehende Gespräche innerhalb der EU ab 1. Juli 2009 für Besitzer deutscher Handys maximal 51 Cent kosten, ankommende Gespräche nicht mehr als 22,6 Cent. In Ländern außerhalb der EU - und damit zum Beispiel auch in der Schweiz, in Kroatien und der Türkei - gelten je nach Land und Netz oft sehr unterschiedliche Tarife, die jeweils beim Anbieter zu erfragen sind.
Lohnt sich ein spezieller Auslandstarif meines Mobilfunkers?
Besonders für Vertragskunden bieten viele Mobilfunkgesellschaften besondere Auslandstarife an. Diese bieten häufig günstigere Minutenpreise, es kommen meist aber Verbindungsgebühren pro Gespräch hinzu. Damit lohnen sie sich erst bei längeren Gesprächen. Besonders interessant können die Optionstarife aber bei Aufenthalten außerhalb der EU sein, wo die Minutenpreise sonst häufig hoch sind.
Was muss ich bei SMS und MMS beachten?
Die Preise für Kurznachrichten innerhalb der EU sind deutlich gesunken, mit maximal 13 Cent sind die SMS damit teils billiger als in Deutschland. Der SMS-Empfang ist kostenlos. Teuer werden können MMS - mit denen sich etwa Urlaubsfotos per Handy verschicken lassen. Die Preise sind hierfür teilweise sehr unübersichtlich - abhängig von der Größe der MMS, dem Land und Netz fallen oft unterschiedliche Kosten an. Auch der MMS-Empfang im Ausland ist teils kostenpflichtig.
Kann ich im Ausland mit dem Handy auch ins Internet gehen?
Wer im Urlaub schnell seine E-Mails, Fußballergebnisse oder das Wetter im Internet checken möchte, kann dies auch mit seinem Handy tun. Das kann aber teuer werden. Die EU hat für das Datenroaming nur die Großhandelspreise festgelegt - also die Gebühren der Netzbetreiber untereinander. Dadurch dürften zwar auch die Endpreise sinken, wirklich günstig wird es dadurch aber nicht. Günstigere Datentarife der Anbieter müssen außerdem oft zugebucht werden - und können dann auch andere Preise fürs Telefonieren mit sich ziehen.
Wie kann ich noch Geld sparen?
Im Ausland kann die Mailbox zu einer wahren Kostenfalle werden - daher besser vor dem Abflug ausschalten! Eine Alternative ist die vollständige Umleitung aller Anrufe auf die Mailbox - dann ist der Kunde nur noch per SMS zu erreichen oder kann selber anrufen. Wer lange Zeit in einem Land verbringt, sollte sich unter Umständen dort eine Prepaid-Karte zulegen, also eine Karte, bei der für die Gespräche im Voraus gezahlt wird. Empfehlenswert ist es, diese in einem Laden zu kaufen, der mehrere Mobilfunkanbieter vertritt - um nicht ausgerechnet an den teuersten Tarif zu geraten.

Die führenden deutschen Mobilfunkbetreiber wollen die neuen Euro-Tarife eins zu eins umsetzen, wie Sprecher von T-Mobile, Vodafone und E-Plus der Nachrichtenagentur AP übereinstimmend bestätigten. In Paketlösungen oder über besondere Reisetarife seien aber zum Teil deutlich günstigere Angebote verfügbar.

Auch im Inland sollen die Handykosten transparenter werden: Anbieter von Hotlines mit 0180-Vorwahl müssen künftig die Kosten auch für Telefonate vom Mobiltelefon genau angeben. Die bislang oft sehr teuren Anrufe dürfen künftig zudem nicht mehr als 28 Cent pro Minute oder 40 Cent pro Anruf kosten.

mak/AFP/AP



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