Form sucht Funktion Der holperige Weg zum Digital-Lego

Expansion einer Marke: Noch in diesem Jahr werden Digitalkameras, MP3-Player und Walkie Talkies von Lego auf den Markt kommen - und angeblich auch noch ein Handy. Zum Verdruss von Nerds, die schon lange auf wirklich digitale Bauklötze warten, werden die Gadgets nur Lego-Optik bieten.


Am Mittwoch tauchte fast zeitgleich auf zwei Gadget-Blogs das Bild eines Lego-Handys auf. Dabei handelt es sich um einen abfotografierten Monitor, auf dem ein buntes Handy zu sehen ist, dessen Tastatur im markanten Noppen-Look gehalten ist. Darüber hinaus ist auf dem Bild eigentlich nur zu erkennen, dass Tastatur sowie Vorder- und Rückseite des Telefons auswechselbar sind. Zuletzt prangt unverkennbar "Alcatel" auf dem Handy. Dazu berichteten die Blogs "Engadget" und "Boy Genius Report" unisono, dass Lego das Telefon gemeinsam mit dem französische Alcatel-Lucent-Konzern entwickelt und dass es noch dieses Jahr auf den Markt kommen soll.

Angebliches Klötzchen-Handy: Tech-Vision von Lego oder Halluzination einiger Blogger?

Angebliches Klötzchen-Handy: Tech-Vision von Lego oder Halluzination einiger Blogger?

Trotz der eher mageren Informationen ohne Quellenangabe verbreitete sich die Kunde vom "Lego-Handy" umgehend und breitflächig in Technik-, Spielzeug- und Design-Blogs. Überraschend ist diese überschwängliche Rezeption trotzdem nicht: Allein weil das Foto ganz offensichtlich gezielt wenige Tage vor der wichtigsten Handy-Messe lanciert wurde, dem Mobile World Congress in Barcelona. Dementsprechend groß ist derzeit die Aufmerksamkeit für Handy-Neuerungen, vor allem wenn diese so bunt daherkommen wie das angebliche Lego-Handy.

Das Lego-Versprechen

Jenseits des Timings wurde die Nachricht vom vermeintlichen Bauklotz-Handy aber auch deshalb begierig aufgenommen, weil technisch affine Kreise bereits seit einem Jahrzehnt auf eine digitale Lego-Inkarnation warten. Die Erwartungshaltung rührt zunächst daher, dass die Plastikbausteine für ein modulares Konstruktionsprinzip stehen, das sehr einfach und gleichzeitig sehr elegant ist. Und nachdem das Prinzip Generationen von Technikern und Nerds geprägt hat (mehr zu Lego-Hackern in der Fotostrecke unten), erwarten sie natürlich ein digitales Hightech-Update der bunten Klötzchen.

Wie das Aussehen könnte, hat der Nachwuchsdesigner Chetan Sorab mit einem Konzept namens BLOC bereits beispielhaft gezeigt: Klassische Lego-Bausteine, die jeweils noch eine Funktion wie Speicher, MP3-Player oder Display integrieren.

Dem dänischen Spielzeughersteller hat die Digitalisierung allerdings zunächst eine Krise beschert, unter anderem weil erste Versuche aus den Bauklötzen Hightech-Spielzeug zu machen eher enttäuschend verliefen. Aber inzwischen hat der Konzern seine Krise überwunden und scheint gewillt, im zweiten Anlauf die digitale Herausforderung zu meistern.

Anfang Februar präsentierte Lego beispielsweise einen neuen Bausatz namens WeDo, der schon Grundschülern spielerisch Robotik und Informatik vermitteln soll. Und kurz zuvor ließ eine Pressemitteilung der Firma Digital Blue aufhorchen: Man entwickele zusammen mit Lego Digitalkameras, MP3-Player und Walkie Talkies für Kinder. Diese sollen bereits im Sommer zu Preisen zwischen 20 und 60 Dollar auf den Markt kommen.

Alles nur Design

Die Lego-Gadgets für Kinder dürften bei den erwachsenen Lego-Nerds allerdings eher Enttäuschung auslösen. Die Geräte sollen nämlich nur in Lego-Optik gestaltet, aber nicht wirklich aus Bausteinen zusammengebaut sein. Damit verdeutlichen die Geräte noch einmal, wie schwierig es ist, Form und Funktion der Bauklötze auch digital in Einklang zu bringen.

Nur das Design der Bausteine aufzunehmen, aber nicht ihre funktionale Vielfalt, ist trotzdem sehr beliebt: So hat LaCie " Brick Desktop" getaufte Festplatten im Angebot, die wie überdimensionierte Lego-Steine aussehen. Die Geräte wurden vom Designer Ora-Ito gestaltet und unterscheiden sich in einigen Details vom offensichtlichen Vorbild.

Generell lassen sich immer wieder Designer von den Bausteinen unaufgefordert zu Lego-Entwürfen inspirieren. Etwa Sander Brouwer, deren Lego-Armband die Bewegungen von Kindern per GPS überwachen soll. Um es auch für die Kinder attraktiv zu machen, bietet es zudem eine Kamera, Spiele und Lautsprecher - und natürlich kann man auch Lego-Figuren auf das Armband stecken. Mit MP3-Player, Digicam und Handy in der Bauklotzoptik könnte Lego also durchaus erfolgreich sein. Das Versprechen vom wirklich digitalen Baustein bleibt aber wohl auch 2009 noch unerfüllt. Aber das haben ja schon Unternehmen wie Buglabs mit ihren modularen Gadgets eingelöst.

Sascha Koesch/Fee Magdanz/Robert Stadler



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