Geschäftsmodell Handy-Erotik Nutzergenerierte Pornos

"Erwachsenen-Unterhaltung" galt stets als Vorreiter bei der Erschließung kommerzieller Potentiale neuer Medien. Im Falle von Handys kopiert die Porno-Branche aber eher die Konzepte "konventioneller" Unterhaltungsformate - bisher mit mäßigem Erfolg.


Die Porno-Industrie steht in dem Ruf, Pionier der kommerziellen Nutzung neuer Medien zu sein. In vielen Fällen wurde sie diesem Ruf auch gerecht. Aber anders als bei VHS-Video-Kassetten oder dem E-Commerce konnte man Handys bislang nicht als relevanten Vertriebskanal Nacktbilder und -Filme erschließen. Klingeltöne sind jedenfalls weitaus lukrativer als Pornografie, erklärte erst unlängst Blake Fayling, Manager bei "Brick House Mobile", einem britischen Anbieter für "Erwachsenen-Content".

Porno-Darsteller bei der Arbeit: Künftig sollen Laien ihren Job übernehmen und sich grob gepixelt übers Handydisplay räkeln
REUTERS

Porno-Darsteller bei der Arbeit: Künftig sollen Laien ihren Job übernehmen und sich grob gepixelt übers Handydisplay räkeln

Ursache für das weitgehende Scheitern gewinnbringender, mobiler Porno-Dienste dürften zunächst die viel zu kleinen, oft nicht einmal farbigen Telefon-Displays gewesen sein. Heute steht die Schmuddel-Branche vor den gleichen Problemen, wie die Anbieter "anständiger" Inhalte: Also vor allem die starke Kontrolle der Mobilnetzanbieter über den Datenverkehr in ihren Netzen, die unter anderem astronomische Preise für Downloads aufs Handy mit sich bringt.

YouTube auf dem Handy

Mit der großspurigen Ankündigung der britischen Firma PixMeTV scheint das Geschäft mit Porno-Inhalten auf den ersten Blick wieder der traditionell innovativen Rolle der Branche gerecht zu werden: Angeblich stellt der Dienst "die Zukunft der sozialen Online-Netzwerke" dar. Das Unternehmen will aus der "Generation X die Generation XXX" machen, so PixMeTV-Chef Ed Baker gegenüber dem Magazin "Mobile Business".

Hinter diesen großspurigen Ankündigungen steht ein Konzept, mit dem die Web-2.0-Errungenschaften aufs Handy übertragen werden sollen. PixMeTV will dazu das Prinzip der sozialen Online-Netzwerke mit dem des "Leser-Reporters" verbinden. Im Klartext bedeutet das, dass "Nutzer-generierte" Pornographie über Profilseiten der PixMeTV-Mitglieder verkauft wird. Ein kleiner Teil der Erlöse soll an die Hobby-Porno-Produzenten ausgeschüttet werden.

Heiße Luft statt Prickeln

Aber während das PixMeTV-Konzept hierzulande noch als Innovation durchgehen könnte, ist es aus britischer Perspektive nur die Nachahmung bereits erfolgreicher Dienste - inklusive des Namens. Auf der Insel bietet nämlich der UMTS-Anbieter "3" bereits seit mehr als einem Jahr "See Me TV" an. "See Me TV" gilt als der bisher erfolgreichste Versuch, das YouTube-Prinzip aufs Handy zu übertragen. Und dies nicht trotz, sondern gerade wegen der Kostenpflichtigkeit der "See Me TV"-Videos: Die Aufmerksamkeitsspanne mobiler Nutzer ist nämlich noch kürzer als die von Web-Surfern, weshalb das Filtern der eingereichten Videos als entscheidend für den Erfolg des Services gilt. Dieser Vorgang ist wiederum aufwendig und daher (noch) nicht gratis zu bewältigen.

Somit bleibt PixMeTV der fragwürdige Ruhm, der Pornoindustrie einen neuen Vertriebskanal zu erschließen, und dabei dem Albtraum von Kultur- und Technik-Skeptikern Gestalt zu verleihen: Als Vollendung der Big-Brother-TV-Kultur und Beleg für die Gefährdung der Jugend durch Handys.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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