Grünere Elektronik Greenpeace lobt Nokia

Der IT-Markt boomt: Schnelle Produktzyklen und eifrige Konsumenten führen aber auch zu einem dynamischen Wachstum besonders giftiger Abfallberge. Schadstoffvermeidung und Recycling sollen Linderung schaffen.


Alljährlich wird in Finnland eine ganz spezielle Art der Elektroschrott-Verwertung zelebriert. Vergangenes Wochenende war es wieder so weit: Bei der Weltmeisterschaft im Handy-Weitwurf flogen ausgediente Geräte um die Wette, mit 89 Metern wurde auch ein neuer Rekord aufgestellt.

E-Schrott: Über eine Million Tonnen im Jahr allein in Deutschland
DPA

E-Schrott: Über eine Million Tonnen im Jahr allein in Deutschland

Wie um das Gastgeberland zu Ehren gab es die Goldmedaille für einen Nokia-Weitwurf. Der Weltmarktführer aus Finnland ist nach Einschätzung der Umweltschutzaktivisten von Greenpeace auch führend, wenn es um ernsthaftere Recycling-Verfahren als die Umwidmung in Sportgeräte mit hohem Verschleißfaktor geht.

Nokia hat jedenfalls im gerade aktualisierten Greenpeace-Bericht zur Verwendung von Chemikalien bei der Produktion von PCs und Mobiltelefonen die beste Beurteilung aller gelisteten Unternehmen erhalten.

Giftige Feuerhemmer

Der "Guide to Greener Electronics" basiert auf Kriterien wie der Vermeidung bestimmter Schadstoffe, der Recycling-Rate, Selbstverpflichtungen der Firmen oder der Öffentlichkeitsarbeit zum Thema. Nokia erreicht im Greenpeace-Ranking aktuell 7 von 10 möglichen Punkten, bei den Handyherstellern folgen SonyEricsson, Samsung und LG auf den Plätzen, während Motorola mit 1,7 Punkten das Schlusslicht bildet.

Nokia wird insbesondere für den Verzicht auf PVC seit Ende 2005 gelobt, erhält aber auch eine Rüge, weil der Konzern keine soliden Daten zu Recyclingquoten vorgelegt hat. Motorola hat unterdessen seine Ankündigung zum PVC-Ausstieg zurückgezogen und auch auf mehrfach bromierte Biphenyle will das Unternehmen jetzt doch nicht verzichten.

Realpolitik

Mit dem Bericht beurteilt Greenpeace explizit nicht die Energiebilanz oder die Sozialpolitik der Unternehmen, zudem betreibt die Organisation mit dem "Guide to Greener Electronics" Realpolitik, die die Folgen einer Entwicklung abmildern soll, deren Ursache offensichtlich als unabänderlich gilt.

Die extrem kurzen Produktzyklen bei Rechnern, Handys oder Unterhaltungselektronik haben nämlich zur Folge, dass der besonders schadstoffhaltige E-Schrott weltweit der am schnellsten wachsende Teil des städtischen Hausmülls geworden ist. Ob sich die Hersteller um stabile oder langlebige Handy-Modelle bemühen, fließt allerdings ins Grenpeace-Ranking gar nicht erst ein.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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