Handy-Chaostage Wie Apple den iPhone-Start vergeigte

Fehlstart für das neue Apple-Handy: Kunden warten Tage bis zur Aktivierung, holprige Updates schicken Alt-iPhones ins Koma, der 80-Euro-Dienst MobileMe macht Ärger. SPIEGEL ONLINE dokumentiert die Pannen.

Zum Start des neuen iPhones versprach Apple "doppelte Geschwindigkeit zum halben Preis". Soweit die Werbung - die Wirklichkeit: Bei Apple lahmt seit vergangenem Freitag die Aktivierung der neuen Telefone und die Aktualisierung der Software von Alt-iPhones. Apples neuer, kostenpflichtiger Online-Dienst MobileMe ist sogar seit fünf Tagen überfällig.

Apple spricht von Serverproblemen. Die Kunden sind enttäuscht - schließlich war der massive Andrang auf die Server abzusehen.

Spät, lahm, schlampig: SPIEGEL ONLINE dokumentiert, was beim Start des neuen iPhone schief läuft.

Update - enttäusche Apple-Kunden warten zwei Tage

Die Besitzer eines alten Apple-Handys sollten ihre Geräte mit dem neuen iPhone-Betriebssystem in ein völlig neues Gerät verwandeln können - und zwar schon seit dem vergangenen Freitag, versprach Apple. Das hat nicht geklappt: Die iPhone-Software 2.0 war bei vielen Anwendern auch am Freitagabend noch nicht über iTunes verfügbar.

Nur über einen Umweg ließ sich die Software zum versprochenen Zeitpunkt einspielen: Das Update musste man über einen direkten Link von einem Apple-Server laden und dann von Hand installieren ( Anleitung  bei iPhoneatlas).

In den USA konnten einige Kunden die neue Software erst am Samstag installieren. So berichtet  der IT-Reporter Declan McCullagh, dass für sein Alt-iPhone die neue Software erst nach knapp 36 Stunden verfügbar war. McCullagh vermutete, dass Apple den Zugriff beschränkte, um einen Zusammenbruch der Server zu verhindern. Sein Kommentar: "Das ist vielleicht verständlich, aber enttäuschend. Vor allem weil diese Probleme mit einem Minimum an Planung hätten verhindert werden können."

Aktivierung - Telefonieren unmöglich wegen schwacher Server

Apples Serverprobleme trafen auch die Käufer der neuen iPhones. Wer am Freitag in den USA sein Neu-iPhone noch im Laden aktivieren wollte, wurde nach Hause geschickt. Ein Sprecher bestätigte dem US-Technik-Blog Engadget  diese Probleme.

Engadget wunderte sich auch über den Rat, dass Kunden ihre neuen Telefone nun "zu Hause über iTunes aktivieren sollen. Wir wissen nicht, was das bringen soll - die Server sind offline, egal wo man sich befindet". Nicht einmal in Apples eigenen Ladengeschäften funktionierte die Aktivierung, berichtete das Mobilfunk-Blog Moconews .

Aktualisierung - neue Software schickt iPhones ins Koma

Peinlich: Manche der ausgesuchten Kunden, die wie von Apple versprochen schon am Freitag ihre iPhone-Software aktualisieren konnten, konnten nach dem Update nicht mehr telefonieren. Blogger-Promi und Programmiererlegende Dave Winer klagte : "Ich hatte ein Telefon. Jetzt habe ich einen Ziegelstein."

Der US-Fachdienst Cnet berichtet, dass viele Leser über vergleichbare Probleme klagten. Cnet zitiert aus E-Mails des Apple-Kundendienstes an Kunden, die sich beschwert hatten: "Wegen der Überlastung der iTunes-Server kann es sein, dass sie ihre iPhone-Software nicht aktualisieren oder wiederherstellen können."

Der Rat der US-Kundenberater von Apple laut Cnet : "Sie werden Ihr iPhone nicht benutzen können, bis die Software aktualisiert oder wiederhergestellt ist. Sie können ihre SIM-Karte in einem anderen AT&T-Telefon verwenden oder ihre Anrufe an ein anderes Telefon weiterleiten."

24 Stunden Wartezeit auf MobileMe

Der Umbau von Apples altem Internet-Speicher-Angebot .mac  zum neuen MobileMe (mehr auf SPIEGEL WISSEN...)  war schon lange angekündigt - und auch eine begrenzte Auszeit. Sechs Stunden werde man wohl brauchen, um umzuschalten, teilte Apple seinen zahlenden Kunden mit: Von drei bis neun Uhr am Donnerstagmorgen seien die Dienste wohl nicht erreichbar - möglicherweise etwas kürzer. Das Gegenteil war der Fall.

Statt der versprochenen neuen Internetseite MobileMe war unter der Adresse www.me.com  nach Ablauf der selbstgesetzten Frist nur eine Meldung zu sehen, die darauf hinwies, dass der Umzug wohl länger als gedacht dauern werde und man sich noch ein wenig gedulden sollte. Zwar war die Seite am Donnerstagvormittag tatsächlich kurzzeitig erreichbar - verschwand dann aber gegen Mittag plötzlich wieder.

Tatsächlich mussten sich die meisten Anwender daraufhin noch fast 24 Stunden gedulden, bis der Zugang endlich klappte. In der Zwischenzeit informierte Apple seine Kunden mit der Meldung: "Der Übergang zu MobileMe dauert länger als erwartet." Einziger Lichtblick war die E-Mail-Zustellung. Schon Tage vor dem eigentlichen Umstieg funktionierte die Mailabfrage mit den neuen Adressen, die auf me.com statt auf mac.com enden.

Das MobileMe-Update des Updates - nicht für alle

Schwierigkeiten gab es auch bei der Bereitstellung eines Updates für Mac OS X, mit dem die MobileMe-Dienste in das Betriebssystem integriert werden. Diese Aktualisierung sollte eigentlich über die automatische Aktualisierungsfunktion auf den Rechner geschoben werden - was bei einigen Anwendern aber nicht funktionierte.

Abhilfe brachte, wenn einmal das Kontrollfeld für den MobileMe-Vorgänger .mac aufgerufen wurde. Anscheinend wurde dadurch der Updateprozess freigeschaltet.

Offenbar gab es trotzdem immer noch Probleme mit dem Update - so dass Apple schon am Freitag ein Update für das Update nachschob. Dieses erschien offenbar ohne tieferen Sinn auf manchen Rechnern und auf anderen nicht.

Welcher Art die Änderungen zwischen dem ersten und dem zweiten Update sind, hat Apple nicht erklärt.

Keine Push-Dienste vom Mac auf MobileMe

Gelöst sind die Probleme noch nicht. Auch an diesem Montag hakte es noch an etlichen Stellen von Apples neuem Online-Dienst. Einige Funktionen sind immer noch nicht erreichbar, manche sehr langsam.

Vor allem beklagen einige Anwender, dass die von Apple als wichtigster Vorteil von MobileMe gepriesenen Push-Dienste noch nicht rund laufen. Eigentlich sollen sie Nachrichten, Termine und Ähnliches sofort nach Erstellung an alle mit dem jeweiligen MobileMe-Account verknüpften Geräte schicken.

Das ist aber bisher eine Einbahnstraße. Änderungen, die man am iPhone oder auf der MobileMe-Website vornimmt, werden tatsächlich sofort übertragen. Änderungen, die man auf seinem Mac erstellt, werden dagegen erst mit bis zu 15 Minuten Verzögerung übertragen  - was in Webforen schon reichlich Unmut erregte .

Angekündigt war schließlich etwas anderes. Und immerhin kostet MobileMe 79 Euro im Jahr.

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