Handy-Hack Linux auf dem iPhone

Die Entwicklung hat Monate gedauert, jetzt ist eine erste Version fertig: Linux läuft auf dem iPhone. Über Sinn und Unsinn des Unternehmens wird unter Fans heftig debattiert. Doch das Projekt könnte auch anderen alternativen iPhone-Systemen den Weg ebnen.


Die iPhone-Gemeinde ist sich nicht sicher: Ist das jetzt gut, schlecht oder bloß eine vollkommen nutzlose Spielerei? Hacker haben es geschafft, Apples Multimedia-Handy iPhone so zu manipulieren, dass darauf anstelle des Apple-Betriebssystems eine Linux-Variante läuft - mit einigen Einschränkungen.

Darüber, welcher Art diese Einschränkungen sind, klärt ein Demonstrationsvideo auf, das ein Programmierer mit dem Netznamen "planetbeing" online gestellt hat. Darin wird gezeigt, wie man das alternative Betriebssystem auf dem iPhone startet. Die Prozedur, so viel wird schnell klar, ist nichts für Tastaturverweigerer und Mausfans. Denn wie erklärt wird, ist auf dem Handy selbst kein Linux installiert. Bislang haben es die Programmierer nur geschafft, einen modifizierten sogenannten Bootloader einzubauen, der als Eingangstor für ihr System dient.

Über die Ladesoftware kann man nach dem Einschalten des Geräts auswählen ob das normale iPhone OS oder eben Linux gestartet werden soll. Entscheidet man sich für Letzteres, fängt die Handarbeit an. Auf dem Video ist deutlich zu hören, wie der Vorführer Befehle in den Computer, an den das Apple-Handy angeschlossen ist, eintippt. Wie die Stimme erklärt, müssen der Betriebssystemkern und andere Linux-Teile bei jedem Start per USB auf das Handy überspielt werden. Aber es geht hier ja auch eher um den Sieg über das geschlossene System iPhone - und um mögliche, auf diesem Weg zu erreichende zukünftige Hacker-Streiche.

Nur eine grobe Skizze

Denn selbst wenn die Bastelei gelingt, dürfte das Ergebnis für Hardcore-iPhone-User zunächst kaum erquicklich sein. Alles, was das Linux-iPhone derzeit kann, ist per Tastatur eingetippte Befehle vom PC entgegenzunehmen. Weder funktioniert der Touchscreen noch kann man im Web Surfen oder E-Mails abholen. Nicht einmal telefonieren ist mit dem gehackten Gerät möglich.

Aber das versprechen die Hacker auch nicht. Für sie ist die Software in ihrer aktuellen Version nicht mehr als eine grobe Skizze, die zeigt, dass ein iPhone-Linux möglich ist.

Die Reaktionen der Anwender reichen von totaler Begeisterung bis zu vollkommenem Unverständnis. Auf dem Mac-Blog fscklog etwa fragt ein Leser, "warum die Leute ihre Zeit mit so was verschwenden". Ein anderer hält den Hack gar für "das Sinnloseste, was ich je gesehen habe".

Im Blog der Entwickler selbst überwiegt dagegen Begeisterung, die sich mit Kommentaren wie "das ist total fantastisch" oder "das sind tolle Neuigkeiten" ausdrückt. Auch Programmierer Zibri, bekannt durch eine Freischalt-Software, die er für das iPhone entwickelte, lobt das Projekt.

Weg frei für Android?

Nur wenige aber trauen sich auszusprechen, was sie wirklich von dem Linux-Hack erwarten. So zum Beispiel ein User der sich als honeyanson bezeichnet und im Linux-on-the-iPhone-Forum unumwunden um einen "soft-unlock" bittet, also um eine Software, die das iPhone 3G für alle Mobilfunkanbieter freischaltet. Bisher hat das noch niemand geschafft.

Ein solcher Unlock aber dürfte kaum das Ziel der Entwickler sein. Wohin die Reise des Linux-Hacks gehen dürfte erklärt dagegen Simon Kjellberg im selben Forum. Er sei schon gespannt darauf, welche Linux-Varianten künftig auf dem iPhone laufen werden, sagt er. Mit der Aussage "Android ist natürlich ein großer Name", stellt er klar, was sich viele iPhone-Anhänger erhoffen.

Denn würde das Google-Handybetriebssystem Android auf dem iPhone funktionieren, wäre es eine fantastische Spielwiese für alle Technik-Freaks - und eine feine Möglichkeit, Android und das iPhone OS direkt miteinander zu vergleichen.

Vor allem aber wäre das iPhone-Linux keine Einbahnstraße. Denn wie am Ende des Demonstrationsvideos gezeigt wird, kann man nach einem Neustart des Handys wieder ins gewohnte iPhone OS zurückkehren. Zum Beispiel, weil man mal telefonieren möchte.

mak

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