Handy-Navigation Spracherkennung statt Satellitenortung

Geht es nach den Vorstellungen eines US-Startups, braucht man für Handy-Navigation bald keine teuren GPS-Telefone mehr. Die gewünschte Route wird einfach per SMS auf das Gerät geschickt - kostenlos. Statt Gebühren gibt es kurze Werbeclips per SMS.

Die Navigation mit dem Handy war bisher Besitzern von Geräten mit GPS-Funktion (Global Positioning System) vorbehalten. Doch die Eingabe der gewünschten Route ist oft mit erheblichem Aufwand verbunden. Die Satelliten-Navigations-Services sind oft kostenpflichtig, weshalb Telefone als Wegweiser noch kein Massenphänomen sind.

Eine US-Firma will das jetzt ändern, indem sie Handy-Navigation drastisch vereinfacht: Die Dienste des Start-ups Dial Directions  sind kostenlos, sie erfordern weder eine Registrierung, noch ist ein spezielles Handy nötig. Statt Satelliten-Peilung setzt das Unternehmen nämlich schlicht auf die Ortsangaben des Nutzers, die per Spracherkennung aufgenommen werden. Statt Gebühren für den Service zu erheben, soll sich Dial Directions mittels Werbung finanzieren.

Wegbeschreibung per SMS

Das neue System steht seit einigen Tagen in New York, San Francisco und Los Angeles zur Verfügung. Es funktioniert denkbar einfach: Um eine Wegbeschreibung zu erhalten, ruft der Nutzer die Dial Directions-Telefonnummer an, dann nennt er seinen aktuellen Standort und das gewünschte Ziel. Die Angaben werden per Spracherkennung aufgenommen, die beste Route zum Ziel kommt binnen Sekunden per SMS aufs Handy.

Die Qualität des Dienstes steht und fällt natürlich mit der Qualität der Spracherkennung. Doch da ist Dial Directions-Gründer Amit Desai vom Fach. Desai hat bereits als Mitbetreiber der Firma Voxify  reichlich Erfahrungen mit telefonischen Spracherkennungs-Systemen gemacht. Voxify-Software kommt seit einiger Zeit in den automatischen Reservierungssystemen von Fluglinien zum Einsatz.

Für die Navigation per Handy hat Desai seine Software weiter verbessert und angepasst. Angeblich erkennt Dial Directions jetzt auch Situationen, in denen sich Nutzer in Details ihrer Angaben irren - etwa wenn sie "Straße" statt "Boulevard" sagen.

Ein bisschen Werbung

Die vollautomatisierte Abwicklung der Anfragen und eine Kooperation mit dem Routenplaner MapQuest  halten die Kosten für Dial Directions im überschaubaren Rahmen, wodurch die Finanzierung durch Werbung und Sponsoring realistisch wird. Im ersten Schritt sollen kurze Werbebotschaften am Ende der Wegbeschreibungs-SMS für Erlöse sorgen.

Perspektivisch peilt Dial Directions offensichtlich eine weitere Einnahmequelle an: Unternehmen wie die Kaffeehaus-Kette Starbucks, Kaufhäuser oder Tankstellen können ihre Niederlassungen gegen entsprechende Gebühren ins System integrieren lassen. Ihre Filialen wären dann vom Nutzer besonders leicht zu finden - eine Art geozentrierte Werbung.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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