Handy-Pläne von Rolex & Co. Das Armbanduhr-Dilemma

Handys verdrängen Armbanduhren in die repräsentative Nische - jetzt steigt TAG Heuer selbst ins Handy-Geschäft ein. Rolex werden ähnliche Pläne nachgesagt.

Mit der Verbreitung der Eisenbahn kam im 19. Jahrhundert die Taschenuhr als erster persönlicher Zeitmesser auf. Diesen Urahnen aller Gadgets musste man allerdings jedes Mal hervorkramen, wenn man die Zeit ablesen wollte. Die Tage der Taschenuhr waren daher mit dem Aufkommen der Armbanduhr im Ersten Weltkrieg gezählt. Und heute spricht einiges dafür, dass auch der Zeitmesser am Handgelenk nachhaltig aus der Mode gerät und damit zu einem repräsentativen Nischenphänomen wird.

Ursache für die Krise der Armbanduhr ist natürlich die Handy-Allgegenwart, die Telefone erledigen die Funktion der Zeitanzeige sozusagen nebenbei. In den harten Zahlen einer US-Studie aus dem Jahr 2006 heißt das: Zwei Drittel aller US-Teenager haben noch nie eine Armbanduhr besessen. Damit wächst eine Generation heran, für die Armbanduhren obskure Antiquitäten darstellen.

Größe entscheidet

Die Hersteller von Armbanduhren könnten angesichts der veränderten Konsumgewohnheiten natürlich darauf verfallen, den Spieß einfach umzudrehen - wenn Handys im Uhrenrevier wildern, könnte man Uhren ja mit Telefonfunktionen aufrüsten. Dummerweise scheitert diese Idee regelmäßig an der "Dimensionslücke": Für eine praktikable Bedienung der Handy-Funktionen ist das Armbanduhr-Format schlicht zu klein. Umgekehrt sind Mobiltelefone zu groß, um sie bequem am Armband zu tragen, weshalb entsprechende Handy-Accessoirs sich auch nicht durchsetzen können.

So bleibt das Armbandtelefon eine Spielerei für Technik-Nerds, die sich am "kleinsten echten Armband-Handy" des australischen Herstellers SMS Technology begeistern können. Das letzte Produkt dieser Kategorie, bei der es offensichtlich weniger auf praktische Qualitäten ankommt, wird bezeichnender Weise über die Site "ThinkGeek" vertrieben: Die "Touchscreen Cell Phone Wristwatch" soll ein iPhone fürs Handgelenk darstellen, auch wenn man das berührungsempfindliche Mini-Displays bestimmt nicht mit der Fingerspitze bedienen kann. Mit dem Datenstift kann man sich dafür durch den beeindruckenden Funktionsumfang fummeln, neben der schnellen Datenanbindung per GPRS werden für 250 Dollar unter anderem E-Mail, MP3- und Video-Player geboten.

Rolex-Handy am Horizont

Traditionelle Armbanduhr-Hersteller versuchen sich unterdessen angesichts des absehbaren Nischenstatus von Armband-Handys erst gar nicht in dem Segment. Höchstens als Hybrid-Konzept haben es Handy-Funktionen in Markenprodukte geschafft, so hat Fossil Modelle im Angebot, mit denen die Armbanduhr per Bluetooth zur Außenstelle des Handys wird: Fossils "FX6001" signalisiert Anrufe und erlaubt den Zugriff auf die wichtigsten Telefonfunktionen. Nach diesem Konzept funktionieren auch Uhren, die Citizen gerade in Japan vorgestellt hat, allerdings erweitert um rudimentäre E-Mail-Funktionen: Eingehende Mails werden am Handgelenk signalisiert, und bei Bedarf können auch die ersten 70 Zeichen angezeigt werden.

Richtig ernst zu nehmen sind solche Handy-Fernbedienungen in der Armbanduhr aber wohl kaum, jedenfalls dürften sie kaum ins Image eingeführter Luxusmarken passen. Wenn Rolex und Co. dem Treiben der Handy-Konkurrenz nicht tatenlos zusehen wollen, bleibt ihnen daher wohl nichts anderes übrig, als selbst ins Telefongeschäft einzusteigen: Und passender Weise häufen sich in letzter Zeit die Berichte über ein Edel-Handy, das Rolex zusammen mit LG entwickelt haben soll - LG zeichnet ja bereits für das Prada-Telefon verantwortlich.

Die Schweizer Uhrenmarke TAG Heuer hat sogar schon offiziell angekündigt, eigene Handys auf den Markt zu bringen. Die Firma aus dem LVMH-Konzern kooperiert dafür aber nicht mit einem etablierten Telefonproduzenten, statt dessen hat sich TAG Heuer seine Handys von der französischen Design-Schmiede Modelabs entwickeln lassen. Modelabs hat bereits für die Automarke Hummer, die Zeitschrift Vogue und die Jeansmarke Levis Handys konzipiert, produziert wird von anonymen Auftragsfertigern in China.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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