Handy-Roboter Emotionen, Tänzchen und Geruch

Handys werden Roboter, die sich bei Bedarf selbstständig zur Ladestation begeben, Anrufe durch ein Tänzchen anzeigen und die emotionalen Reaktionen des Nutzers mit Düften verstärken - jedenfalls wenn es nach koreanischen Nachwuchswissenschaftlern geht.


Handys sind für viele Nutzer nicht nur Alltagstechnik, sondern auch eine sehr persönliche Angelegenheit, einerseits weil die Geräte meist permanent in Reichweite sind, andererseits werden über das Mobiltelefon viele soziale Kontakte gepflegt - und diese räumliche Intimität und die soziale Funktionalität können dem Kommunikations-Werkzeug schnell auch eine emotionale Dimension verleihen.

Dein Handy, dein robotischer Freund: die koreanische Vision der mobilen Zukunft

Dein Handy, dein robotischer Freund: die koreanische Vision der mobilen Zukunft

In den Entwicklungsabteilungen der Handy-Hersteller ist das "mitfühlende Telefon" daher schon längst ein heißes Thema, allerdings geht es dabei meistens um "intelligente" Software, die eine intuitive Bedienung ermöglichen soll. Eine Konzeptstudie aus Südkorea geht jetzt allerdings weit über die Software hinaus. Hier wird aus dem Handy ein Mobiltelefon-Roboter, der die Reaktionen des Nutzers auf bestimmte Anrufer analysiert, um sie bei den nächsten Anrufen durch verschiedene "Tänze", ein ganzes Arsenal an Duftstoffen und Vibrationsmuster zu verstärken.

Mitfühlendes Handy

Der "Cellular Phone Robot" (CPR) wurde an der Soonchunhyang Universität entwickelt. Der augefälligste Unterschied zum herkömmlichen Handy ist zunächst seine Beweglichkeit: CPR rollt selbstständig durch die Wohnung, wobei er sich an RFID-Chips orientiert. Bei Bedarf findet er so von allein den Weg zur Ladestation, im Falle eines Anrufs rollt er zudem dem Nutzer entgegen, wobei er versucht, auf Basis seiner Erfahrungswerte dessen Position zu erraten.

...schließt Handys ein, die ihrer Dockingstation hinterherrollen (und ihrem Besitzer, falls der gerade da ist, wo sie ihn vermuten)

...schließt Handys ein, die ihrer Dockingstation hinterherrollen (und ihrem Besitzer, falls der gerade da ist, wo sie ihn vermuten)

Bei Telefonaten misst der CPR unter anderem den Puls und die elektrische Leitfähigkeit der Haut, um die emotionale Reaktion des Nutzers auf den Anruf zu ermitteln. Das Ergebnis der Analyse wird anschließend der Nummer des Anrufers zugeordnet, damit der Telefon-Roboter den Nutzer bei zukünftigen Anrufen emotional auf das Gespräch "vorbereiten" kann.

Unliebsame Anrufer stinken

Die Ankündigung geliebter, nervender oder sogar beängstigender Anrufer kann dabei auf drei Arten erfolgen: Entweder recht konventionell durch verschiedene Vibrationsmuster, oder - hier kommt bereits ein Hauch Science-Fiction ins Spiel - mit einem passenden "Tänzchen", das die erwartete Stimmung ausdrücken soll.

Richtig befremdlich ist allerdings die dritte Variante, bei der zwölf Duftdüsen exakt auf das Anruferprofil zugeschnittene Geruchsstimmungen erzeugen sollen. Im Projekt-Video werden dafür Anrufe des Freundes der CPR-Nutzerin, beziehungsweise eines Stalkers angeführt. Wenn der Erste anruft, riecht es offensichtlich lieblich, beim Zweiten soll schon das Telefonklingeln stinken.

Sascha Koesch/Fee Magdanz/Robert Stadler



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