Handy-Technik Die Hosentaschen-Beamer

Video-Beamer haben sich inzwischen auf dem Markt für Heimelektronik fest etabliert. Jetzt soll die Technik so weit geschrumpft werden, dass sie ins Handy passt. In Südkorea sollen erste Beamer-Handys noch dieses Jahr auf den Markt kommen.


Je leistungsfähiger mobile Geräte wie Handys werden, umso deutlicher wird, dass die Displays vielen Funktionen nicht gerecht werden. Da die Mobiltelefone tendenziell immer noch schrumpfen, scheint die Idee naheliegend, den vergleichsweise winzigen Bildschirm durch einen Beamer zu ergänzen oder sogar zu ersetzen. In Science-Fiction-Filmen ist die Projektion als Bildeschirmersatz ja schon länger eine bekannte Größe; im spröden Technikalltag scheiterte bislang jede Umsetzung.

Zukunftsvision: Wird das kleinste Kino der Welt demnächst Projektionsfläche für Handy-Beamer?
DDP

Zukunftsvision: Wird das kleinste Kino der Welt demnächst Projektionsfläche für Handy-Beamer?

Die Lösung des Problems soll eine Technik namens DLP (Digital Light Processing) sein. Erfunden hat diese Texas Instruments, und zwar bereits 1987. Die Technik basiert auf sogenannten DMP-Chips (Digital Micromirror Device), auf denen mikroskopisch kleine Spiegel angeordnet werden. Texas Instruments hat die Technologie an zahlreiche Unternehmen lizenziert, DLP-Beamer haben inzwischen die gröbsten Kinderkrankheiten hinter sich.

Geschrumpfte Beamer

Nachdem sich die DLP-Technik als Alternative zu LCD-Projektoren etabliert hat, arbeitet die Branche nun fieberhaft an der Miniaturisierung: Schließlich verspricht der immer noch boomende Handy-Markt gigantische Absatzpotentiale. Hinweise mehren sich, dass ein Durchbruch der Mini-Beamer kurz bevorsteht.

So stellte die US-Firma Microvision auf der diesjährigen Consumer Electronics Show (CES) den Prototyp eines Hosentaschen-Beamers vor. DLP-Erfinder Texas Instruments präsentierten vor einigen Monaten einen Projektor, der dem Vernehmen nach so groß wie eine Fingerkuppe ist und in Handys, PDAs, Digitalkameras und portable Medienspieler passen soll. Details zum Leistungsspektrum wie Lichtstärke, Auflösung und Energiebedarf hat noch keines der Unternehmen genannt.

Koreaner sind schneller

Aktuell sieht es danach aus, dass das erste Handy mit integriertem Projektor aus Südkorea kommen wird: Der Mobilnetzbetreiber SK Telekom kündigte an, noch in diesem Jahr erste Beamer-Telefone anzubieten.

Der entsprechende Winz-Projektor kommt von der ebenfalls koreanischen Firma Iljin Display. Im September soll mit der Massenfertigung begonnen werden. Mit genauen Angaben hielten sich die Koreaner bisher zurück. Klar ist nur, dass der Handy-Beamer Projektionen "bis 50 Zentimeter Bilddiagonale" ermöglichen soll.

Ob sich mit den lichtstarken Handys eine neue, mobile Filmkonsumkultur entwickelt, wie koreanische Sites spekulieren, bleibt abzuwarten. Auch in Hinblick auf Akku-Laufzeiten und andere technische Hürden. Spannend dürfte es auf jeden Fall werden, denn bislang hat noch fast jede Technik in Kombination mit dem Mobiltelefon überraschende neue Anwendungen hervorgebracht.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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