Handy-Version Googles Telefonbücher haben Schluckauf

Klassiker aufs Handy: Mit diesem Versprechen bewirbt Google eine mobile Version der Buchsuchmaschine Google Books. Bislang aber läuft die Taschenbibliothek nur auf zwei Handy-Modellen - und auch auf denen nicht immer.

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Das G1 will nicht lesen. Jedenfalls nicht "Oliver Twist" von Charles Dickens, und auch die Gedichte von William Blake nicht. Erste Testläufe mit dem Google-Handy in der Redaktion von SPIEGEL ONLINE erlaubten kein kostenloses Lesevergnügen auf dem Mini-Bildschirm. Dabei soll Google Books ab heute auch mobil verfügbar sein, in einer für Taschentelefone optimierten Version. Bei einem späteren Versuch ließen sich dann Blicke in Bücher werfen, sowohl auf einem G1-Handy als auch auf einem iPhone. Auf dem Apple-Telefon lief die Buch-Anwendung erstaunlicherweise sogar besser als auf dem Google-Handy.

Google Books fürs Handy: "Oliver Twist" erst ab Band drei

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Auf anderen Handys sind Googles Telefonbücher derzeit nicht zu haben - ein Guerilla-Versuch mit einem Nokia E71 scheiterte auf ganzer Linie, außer einem weißen Bildschirm lieferte die Adresse books.google.com/m rein gar nichts. Auch im Webbrowser lassen sich die Mobilseiten abrufen, aber auch da erlebte man am ersten Tag vor allem Wartezeiten. Vermutlich war der Andrang einfach zu groß.

"Manchmal sehnen wir uns nach mehr als nur Spiele zu spielen oder Videos anzusehen", bemerkt das Mobile Search Team von Google völlig korrekt in einem entsprechenden Blogeintrag. Deshalb habe man die kostenfrei zugänglichen Bücher aus der Google-Buchsuche nun eigens erneut digitalisiert, nämlich in Textdateien umgewandelt. Die lassen sich auf einem Telefon wesentlich einfacher und mit geringerem Datenvolumen anzeigen als die eingescannten Buchseiten, die Google Books sonst zu bieten hat.

"Alice" kann die Software nicht lesen

Diese höchst aufwendige Aufgabe hat man bei Google einer sogenannten OCR-Software übertragen. Das steht für Optical Character Recognition - und ist seit vielen Jahren ein Sorgenkind all jener, die gerne alles, was je geschrieben wurde, in Dateiform vorliegen hätten. Den OCR funktioniert mal gut und mal schlecht, was auch im oben erwähnten Blogeintrag anhand eines Beispiels aus einer "Alice im Wunderland"-Handschrift eindrucksvoll dokumentiert wird: Hier erkennt die Software so gut wie gar nichts.

Auch in den Büchern fürs Handy sind folgerichtig zahlreiche Fehler, abreißende Sätze, spontane Umbrüche mitten im Satz und einsam und allein herumstehende Wortfetzen zu finden. Weil man sich dieses Problems bewusst ist, hält man bei Google als Hintertürchen die Original-Scans mit vor. Wenn man ein Stück Text rein gar nicht verstehen kann, lässt sich der entsprechende Abschnitt mit einem Klick in seiner gescannten Ur-Version abrufen - als Bilddatei.

In der gegenwärtigen Qualität sind Googles Telefonbücher dann also doch eher eine Spielerei als eine ernsthafte Alternative zu Buch oder Zeitschrift für lange Bahnfahrten (davon abgesehen, dass man auf Handy-Bildschirmen vielleicht doch lieber keine Shakespeare-Dramen nachlesen möchte). Die angepriesenen 1,5 Millionen Bücher sind bislang zudem bei weitem nicht alle vollständig zugänglich - "Oliver Twist" zum Beispiel beginnt in der Handy-Version irgendwo in der Mitte - telefontauglich gemacht wurde bislang offenbar nur Band Nummer drei.

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