Hochfrequente Klingeltöne Kinderschreck wird Werbegag

Wenn "Mosquito" am Handy klingelt, hören das dank entsprechend hoher Frequenz nur Heranwachsende. Sony Pictures macht aus dem Kniff jetzt eine vermeintlich besonders Zielgruppen-affine Kino-Kampagne.


Im Sommer 2006 wurde der "Mosquito"-Klingelton zu einem Handy-Hit unter Teenagern: Der hochfrequente Klang, in der Regel nur von Jugendlichen zu hören, verhindert dass Erwachsene mitbekommen, wenn schon wieder das Telefon klingelt - Dabei wurde "Mosquito" eigentlich von einer walisischen Firma als Randalierer-Prävention erdacht, die Kinder und Jugendliche von bestimmten Plätzen fernhalten soll.

Fieses Vieh: Mosquitos versucht Mensch zu meiden, wo er kann
AP

Fieses Vieh: Mosquitos versucht Mensch zu meiden, wo er kann

Die Alternative zum Vibrationsalarm, der ja - je nach Resonanzfläche - unter Umständen auch noch einen Stock tiefer zu hören ist, galt zunächst nur als Horror für Otorhinolaryngologen (Hals-Nasen-Ohren-Ärzte), die ohnehin schon an allen technologischen Fronten gegen selbst- und fremdinduzierte Fortschritts-Hörschäden kämpfen.

Aber wie immer, wenn Kids etwas für sich entdecken, folgt auch die Werbbranche zuverlässig: Sony Pictures benutzt nun einen ähnlich hochfrequenten Klang als Promotion-Tool für den Film "The Messenger", dessen Slogan sich direkt auf dem Teenager-Lieblingsgadget, dem Handy, verbreiten soll: "Es gibt Dinge, die nur Kinder sehen und hören". "The Messenger" handelt übrigens vom weit verbreiteten Mythos, dass Kinder paranormalen Phänomenen gegenüber aufgeschlossener sind, was sie in jene zumeist unerquickliche Situationen bringt, die Horrorfilmfans begeistern.

Zielgruppe ist schon weiter

Ein paar sehr Teenager-spezifische Dinge wurden allerdings bei der PR-Aktion nicht bedacht: Zunächst ist die Webseite zum Film nur über diverse Pop-Up-Fenster erreichbar, und gerade Jugendliche haben ihre Browser gerne so eingerichtet, dass Fenster nicht einfach "aufpoppen". Obendrein kostet einer der Werbe-Klingetöne nahezu soviel, wie ein annehmbar großer Bottich Popcorn.

Gewieften Jugendlichen dürfte es allerdings keine Probleme bereiten, sich hochfrequente Töne (deren Urheberrechtsanspruch durchaus fraglich ist) umsonst aus dem Netz herunterzuladen und auf ihr Handy zu überspielen. Diese Techniken gehören nämlich mittlerweile zum Schulhofalltag, Ende letzten Jahres wurde hierzulande sogar schon eine Sperrung der Infrarotanschlüsse gefordert, die zur Zeit zusammen mit den Bluetooth-Verbindungen heißlaufen, um das Hinrichtungsvideo von Saddam flächendeckend in den Schulen zu verteilen.

HNO-Ärzte erfreut

Der "Erfinder" des Mosquito-Klangs, Compound Security Systems, hat unterdessen nicht nur den Klingelton erfolgreich verkauft (in England gab es für die 17-khz-Version sogar eine Werbekampagne mit einem Etat von einer halben Millionen Pfund) sondern im Herbst auch gleich noch einen Dance-Track entwickelt, dessen Melodie aus hochfrequenten Klängen besteht, die nicht von jedem zu hören sind.

Mit dem neuesten Produkt hat das Unternehmen allerdings nicht mehr nur Jugendliche im Visier: "Mosquito(TM) High Power" soll nur an Fachpersonal wie Polizeidienste verkauft und in Einsatzgebieten verwendet werden, in denen sich niemand mehr aufhalten darf. Zumindest für die HNO-Ärzte ein Fortschritt.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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