iFurzkissen Das iPhone als Scherzartikel

Apples Download-Plattform App Store ist auf dem besten Weg, zum Vorbild-Marktplatz für Handy-Software zu werden. Dafür muss sich Apple aber auch mit Phänomen wie 14 neuen Furzkissen-Simulationen an einem Tag beschäftigen.

Die Firma Mystic Game Development verkauft ihre Produkte eigentlich nicht direkt an Konsumenten. Und diese könnten mit der Software, die die Niederländer programmieren, auch nichts anfangen. Mit ihren Programmen stellt die Firma nämlich Spieleentwicklern Werkzeuge zur Verfügung, mit denen sich beispielsweise Figuren in Videospielen animieren lassen. Die kleine iPhone-Software "iBoobs" ist daher in erster Linie als anschauliche Demonstration der neuesten Funktionen des Mystic-Programms "EMotion" zu verstehen, die jetzt auch Wackeleffekte weicher Objekte beherrscht.

Bei Apple stieß die Brustwackel-Software allerdings auf wenig Gegenliebe, "iBoobs" darf jedenfalls nicht über den App Store vertrieben werden. Bei YouTube gibt es immer wieder Videos der Applikation, in der Regel aber werden sie innerhalb kurzer Zeit für Nutzer unter 18 Jahren gesperrt - in Anbetracht der präpubertären Blödheit des Programms überzogen, aber politisch korrekt.

Warum einzelnen Programmen der Zutritt zur Plattform für iPhone-Anwendungen verwehrt wird, erklärt Apple traditionellerweise nicht. Die formelhafte Ablehnung einzelner Titel provoziert natürlich Zensurvorwürfe, aber das iBoobs-Beispiel illustriert anschaulich, warum Apple dies in Kauf nimmt: Ohne Zutrittskontrollen würde der App Store wohl schnell von Titeln überschwemmt, die dem Image des Hype-Handys auf Dauer eher Schaden würden.

Furzkissen

Bei der Frage, welche Programme im App Store geduldet werden, steckt Apple allerdings in einem handfesten Dilemma. Dem Schutz des iPhone-Image steht dabei das Ziel entgegen, den App Store als zentralen Marktplatz für mobile Anwendungen zu etablieren. Zensurvorwürfe sind dabei natürlich kontraproduktiv, denn nur eine weitgehend offene Plattform ist auf Dauer für alle Anbieter attraktiv. Um diese widersprüchlichen Interessen unter einen Hut zu bekommen, muss Apple ständig zwischen Kontrolle und Laisser-faire hin- und herlavieren.

Symbol dieser Entwicklung ist aber nicht die Brustwackel-Software iBoobs, sondern ausgerechnet ein virtuelles Furzkissen.

Die erste bekannte Scherzapplikation diesen Typs heißt "Pull My Finger" und bietet 16 Pups-Geräusche mit den passend-unpassenden Illustrationen und Vibrationseffekten.

Im Herbst verwehrte Apple der Blödel-Software zunächst den Zutritt zum App Store. Die formelhafte Begründung lautete "mangelnder Nutzwert" und zog eine kleine Empörungswelle nach sich. Schließlich sind einige der erfolgreichsten App Store-Angebote genauso sinnig oder sinnlos wie das iPhone-Furzkissen: Im virtuellen Aquarium "Koi Pond" schwimmen schlicht Fische umher, das "iBeer" ist auch nur als Partygag zu gebrauchen, und die einzige Funktion des Programms "I Am Rich" war der Kaufvorgang - mit dem man beweisen konnte, dass man sich 1000 Dollar für einen roten Klecks auf dem Display leisten kann.

iWeia

Prinzipiell dürfte Apple mit dem Erfolg seines App Store hochgradig zufrieden sein. Die Plattform konnte jedenfalls schon Anfang Dezember - nur fünf Monate nach dem Start - stolz vermelden, 10.000 Programme im Angebote zu haben. Der Konzern erklärte zudem, schon 300 Millionen Downloads abgewickelt zu haben. Wieviele davon kostenpflichtig waren, verriet Apple allerdings ebenso wenig wie die erreichten Umsätze. Dass der Konzern mit den 30 Prozent, die er bei jeder verkauften Software mitschneidet, gut verdient hat, liegt aber auf der Hand.

Scheinbar angesichts dieser Erfolge lockerte Apple seine Zugangspolitik ein wenig, womit unter anderem auch "Pull My Finger" endlich in den App Store durfte. Die Furzkissen-Software blieb aber nicht lange allein. Denn wie um Apples ursprüngliche Vorbehalte zu illustrieren, ergoss sich im Dezember eine wahre Flut von Furz-Programmen über den App Store. Dabei wurden allein am 17. Dezember - einem Höhepunkt der Furzwelle - nicht weniger als 14 neue Scherzprogramme gezählt, von denen die meisten für 79 Cent angeboten werden.

Das größte Kunststück der Nachahmer besteht inzwischen darin, einen griffigen Namen für den x-ten Aufguss der Furzkissenidee zu finden. Fart Button, Mr. Poot!, iToot, iFart, iFartz, FartBox, Who Farted? Fart Keyboard sind jedenfalls schon belegt, genau wie alle erdenklichen Varianten in der Schreibweise. Ob diese Furzkissen-Welle das iPhone-Image nachhaltig beeinflussen wird, bleibt abzuwarten.

Sascha Koesch/Fee Magdanz/Robert Stadler
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