iPhone Gratis-PR für 400 Millionen

Rund 400 Millionen Dollar entspricht der Werbewert, den Apple schon jetzt für sein iPhone durch mediale Aufmerksamkeit erhalten hat. Das Zeitgeist-Produkt provoziert sogar schon Künstler zu Gemälden: "Steve Jobs with iPhone" in Acryl auf Leinwand.


In seinem Buch "The Apple Way" scheibt der Marketingexperte Jeffrey Cruikshank, dass Apple-Rechner zwischen 1985 und 2005 insgesamt 1.500 Mal in Kinofilmen und Fernsehserien zu sehen waren. Apple kommt damit auf mehr als die Hälfte aller Produktplatzierungen von Rechnern in US-Filmproduktionen. Dabei liegt der Marktanteil des Herstellers auf dem Computermarkt bei nur etwa drei Prozent.

Der lang ersehnte Auftritt des neuen iPhone
AFP

Der lang ersehnte Auftritt des neuen iPhone

Mit der Vorstellung des iPhones hat sich Apple als Meister der Gratis-PR allerdings noch einmal selbst übertroffen. Die redaktionelle Berichterstattung hat laut David Yoffie, Professor an der Harvard Business School, bereits einen Wert von 400 Millionen Dollar erreicht. Dabei kommt das Gerät erst im Juni auf den Markt. "Kein anderes Unternehmen hat jemals so viel Aufmerksamkeit für eine Produktvorstellung erhalten. Das ist beispiellos," sagte Yoffie der Zeitung "USA Today".

Popstar Jobs

Einen nicht unerheblichen Anteil am Hype um Apple hat offensichtlich Unternehmenschef Steve Jobs. Er hatte es zur iPhone-Vorstellung sogar fertig gebracht, die "Consumer Electronics Show" in Las Vegas zu übertrumpfen. Diese ist immerhin die weltweit größte Messe für elektronische Gadgets und Geräte. Jobs sei "der beste Marketing-CEO im Geschäft," attestiert Peter Sealey, Marketing-Guru und Professor an der Claremont Graduate University, gegenüber "USA Today".

Mit dem MP3-Player iPod hat das Verkaufstalent Jobs sein bisheriges Meisterstück vorgelegt. Denn auch wenn Apple-Präsentationen schon immer viel Aufmerksamkeit generieren konnten, blieb der Marktanteil bei Rechnern konstant niedrig. Mit dem iPod konnte Apple dagegen zeitweise bis zu 80 Prozent Anteil am Markt erreichen. Das Designerstück ist inzwischen für rund 50 Prozent der Apple-Gewinne verantwortlich.

Die Werbestrategie von Apple geht auf - das Wort "Computer" hat das Unternehmen mittlerweile aus seinem Namen entfernt. Den Vorwurf, zuviel Wert auf das Image seiner Produkte zu legen, konnte Apple bisher durch besonders innovative Geräte kontern. Ob dies auch mit dem iPhone gelingt, ist allerdings umstritten: Apple trifft auf dem Handy-Markt auf zahlreiche und ernstzunehmende Konkurrenten.

Amüsante Technikfolklore

Aber selbst wenn Apple den iPod-Erfolg nicht wiederholen kann, hat das iPhone wenigstens amüsante Technikfolklore und unterhaltsame Zeitgeistgeschichten provoziert. So sind schon Jahre vor der offiziellen Vorstellung des Handys beachtliche Sammlungen mit "Design-Studien" im Netz entstanden. In diesen verliehen Photoshop-Künstler ihren Vorstellungen von dem Gerät Ausdruck, das damals nur als Phantom durchs Web geisterte: Auf dem "iPhone Blog" finden sich beispielsweise Abwandlungen so ziemlich aller Apple-Produkte. Sogar eine Airport-Basisstation mit applizierten Telefontasten ist dort zu finden.

Seit der offiziellen Präsentation hat das iPhone erst recht Konjunktur, etwa in der Comic-Serie "Joy of Tech". Hier gibt Steve Jobs die Rolle des großen Verführers, dem nicht einmal die Cisco-Anwälte im Streit um den Namen "iPhone" widerstehen können. Ein Bild aus der Serie konnte in einer Ebay-Auktion 410 Dollar erzielen. Titel des Werks "Jobs with iPhone".

Sascha Koesch/Fee Magdanz/Robert Stadler



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