iPhone und iPod touch Apple öffnet die Tür - ein wenig

Keine zwei Woche haben die Hacker gebraucht: Jetzt können sie wieder Apples iPhone-Sperren umgehen und Software auf dem Gerät installieren. Apple veröffentlicht Programme, die ganz offiziell auf iPhone und iPod laufen - aber nur wenn man online ist.

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Im Web kursieren gleich mehrere Programme, die es ermöglichen Apples Sperren zu umgehen und eigene Software auf dem Gerät zu installieren. Als "Jailbreak", also Gefängnisausbruch, bezeichnen die Hacker ihre Werke. Solche Jailbreaks gab es schon seit einiger Zeit für das iPhone. Sie ermöglichen es, auf dem Apple-Handy Programme von Drittanbietern zu installieren, eine Fähigkeit, die Apple so nicht vorgesehen hatte. Eigentlich sollte das Gerät ein geschlossenes System bilden.

iPod-Hack bei "Engadget": Mit ein paar Tricks laufen auch "fremde"-Programme auf iPod touch und iPhone
SPIEGEL ONLINE

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Anwender, die einen solchen Jailbreak durchgeführt haben, reagieren begeistert. Wer etwa einen iPod touch damit bearbeitet, kann auf dem Gerät beispielsweise ein E-Mail-Programm installieren, was Apple ursprünglich nur dem iPhone vorbehalten wollte.

Bis man soweit kommt, ist es jedoch ein langer steiniger Weg. Die verschiedenen Anleitungen, die im Web kursieren, erfordern meist 20 und mehr Schritte, bis Handy oder MP3-Player entsperrt sind. Dabei sind etliche Befehle über sogenannte Kommandozeilenprogramme einzugeben.

Dass dabei auch manches schief gehen kann, beweisen Berichte aus Anwenderforen. So mancher iPod touch wurde von übereifrigen Hobby-Hackern in einen "brick" verwandelt. So bezeichnen die Bastler Geräte, die auf keine Eingaben mehr reagieren und sich auch nicht mit einem Computer abgleichen (synchronisieren) lassen.

Vergleich: Das können gehackte iPhone besser

Eigenschaften gehackte iPhone-Software
Version 1.0.2
offizielle Apple-Software
Version 1.1.1
Mobilfunkanbieter frei wählbar ja nein
günstige Roaming-Tarife ja nein
Instant Messaging ja nein
Emulationen alter Spiele ja nein
Steuerung per Befehlszeile ja nein
Fernwartung ja nein
Ortsbestimmung ja nein
Sprachaufzeichnung ja nein
eBook-Lesesoftware ja nein
Menü-Einträge löschbar ja nein
Zugang zum iTunes Wifi Store nein ja

Quelle: Wired

SPIEGEL ONLINE hat einer der Hacks an einem iPod touch ausprobiert und festgestellt: ja, er funktioniert. Allerdings nur für kurze Zeit. Nach und nach konnte das Gerät immer weniger seines eingebauten 16-Gigabyte-Speichers erkennen. Nach wenigen Stunden funktionierten nur noch wenige Programme. Musik, Videos und Fotos verschwanden gänzlich, eine Internet-Verbindung war nicht mehr möglich, der iPod "versteinerte".

Die Kollegen von "Engadget" hatten mit ihren Versuchen allerdings mehr Erfolg. Auf ihrer Webseite zeigen Sie mehrere Bilder von einem iPod touch, auf dem Programme anderer Hersteller installiert.

Man darf Programme nutzen, aber nur online

Wer unliebsamen Überraschungen bei solchen Hack-Attacken vorbauen will, sollte trotzdem lieber die Finger von den Hacks lassen und lieber zu den sogenannten Webapps greifen, die Apple seit heute anbietet. Die sollen das Funktionsspektrum der Geräte erweitern ohne, dass man dafür Programme installieren müsste. Der Trick dabei: Webapps laufen in Apples Safari-Browser. Über 200 solcher Applikationen hat Apple bereits auf einer dafür eingerichteten Webseite aufgelistet.

Nach Kategorien sortiert kann man sich dort durch die Liste hangeln. Angeboten werden unter anderem Spiele, Wetterdienste und Hilfsprogramme. Die kranken allerdings an einer eingebauten Schwäche: Man kann sie nicht abspeichern. Stattdessen, so Apple, soll man bei Gefallen die Webadresse des jeweiligen Programms als Link ablegen. So kann man die Angebote nur nutzen, wenn man online ist.

Das sei natürlich nicht der wahre Jakob, klagen die iPhone-Enthusiasten. Sie wollen die volle Freiheit, wollen Programme auf ihren Geräten installieren, die immer und überall bereit stehen. Ob und wenn ja, wann ihnen Apple diese Freiheit ganz offiziell geben wird, steht derzeit allerdings noch in den Sternen.

Auch zukünftig sind die Hacker gefragt

Denn die Abgeschlossenheit des iPhone-Systems wird von Apple ganz offensiv verteidigt. "Dies sind Geräte die funktionieren müssen, und das kann man nicht garantieren, wenn man irgendwelche Software darauf lädt", sagte Apple-Chef Steve Jobs schon Anfang des Jahres der "New York Times". Er wolle nicht riskieren, dass durch einen Softwarefehler das Mobilfunknetz zusammenbricht, erklärte Jobs gegenüber MSNBC.

Jobs: "Wir haben entschieden, welche Software auf den iPhone sein wird. So konnten wir das Produkt daraus machen, dass wir wollten." Und so wird es wohl auf absehbare Zeit bleiben. Schließlich ist Apple durch dieses Vorrecht auch in der Lage, seine Käufer zu lenken.

Wer Musik hören, Videos gucken und ein wenig im Web surfen will, kauft sich einen iPod touch. Wer darüber hinaus auch E-Mails empfangen will, muss hingegen dass iPhone nehmen, denn nur Apples Handy verfügt über ein Mail-Programm. beim W-Lan-fähigen iPod hat Apple ausgerechnet diese Software weggelassen.



insgesamt 25 Beiträge
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furtherinstructions, 12.10.2007
1. Katz und Maus
Auch nach der ersten Verunsicherung über das 1.1.1 Update geht das Rennen weiter, jetzt mit dem aktuellen Jailbreak über eine Sicherheitslücke bei Tiffs in Safari… ganz klar etwas zu komplex für den Allerweltsnutzer. Ich denke der Anpruch eines normalen iPhonekäufers ist ein stabiles Gerät kaufen dass hält was es verspricht und tut was es soll. Und eben nicht das iPhone als transportablen Kleincomputer (was es natürlich ist) zu betrachten und aufzubohren.
manoli 12.10.2007
2. iPhone in Europa
Wenn Apple seine inakzeptable Produktpolitik nicht ändert, werden Apple und die euroäischen Exklusivanbieter, wie T-Mobile in Deutschland, keine Freude mit der Vermarktung des ansonsten attraktiven iPhones haben. Europäer reisen viel in andere europäische und andere Länder und sind es gewohnt, bei Bedarf ihre SIM Karten ihres Mobiltelefons zu tauschen. Wenn dies mit dem iPhone nicht möglich ist bzw. nur über einen unsicheren Hack, dann ist anzuraten, sich kein iPhone zuzulegen, bis Apple bzw. ihre Provider eine freigeschaltete Version anbieten. Es sollte unverändert gelten, dass ein Käufer einer Ware uneingeschränkt nutzen kann, soweit er nicht gegen Gesetze verstößt. Die rechtliche Lage kenne ich nicht gut, kann daher nichts dazu sagen. Der französische Exklusiv-Provider Orange ließ melden, das französische Recht lasse den Verkauf eines gesperrten Telefons nicht zu. Hoffentlich sind T-Mobile, Orange und die britische O2 in diesem Punkt stur und lassen sich nicht auf diesen lock/unlock Wahnsinn mit Apple ein.
homernarr 12.10.2007
3. Weniger verdient als erwartert...
Ich verstehe sehr gut, das Apple seine Einnahmen sichern will, aber erst das entsperrte IPhone / IPod ist erst so richtig "geil". IMO, kann sogar soweit gehen, das diese Dinger zwar noch von Apple gekauft werden, aber dann gnadenlos in der Opensource Comunity Landen und dort bleiben. Dann würden die Jungs wenigstens noch an der Hardware verdienen, oder noch schlimmer, Chinesen bauen eine Art IPhone mit Kipp und Touch display aber Linux als OS nach und *das* boomt.
scorpion007 12.10.2007
4. iPhone
Früher oder später wird Apple das iPhone ganz freigeben. Und dem Schreiberling dieses Artikels sollte man auch freigeben, damit er einen Deutschkurs belegen kann und die Rechtschreibregeln und Kommasetzung lernen kann.....
FMayer, 12.10.2007
5. Die Apple-Strategie ist so durchsichtig ..
Die Apple-Strategie ist so durchsichtig und soooo krank. Apple macht so überhaupt keinen Hehl daraus, wie massiv sie ihre Kunden bevormunden und zukünftig abkassieren wollen/werden - und das allen nur dafür, dass der Kunde zu den "early adopters" gehört. In einem Jahr werden Geräte mit derartigen Eigenschaften Stand der Technik und überall verfügbar sein. Dann kann sich ein Markt für Mehrwertdienste entwickeln, der seinem Namen gerecht wird und in dem sich die Preise aus Nachfrage und Angebot ergeben. Aber das wäre ein Graus für Herrn Jobs und das Aus für das Apple-Geschäftsmodell: Denn dann würde die Frage laut werden, warum man dem Hersteller eines höchst gewöhnlichen Glases erlauben soll, den Preis für das Getränk zu bestimmen, das man daraus zu trinken gedenkt. Aber Apple geht sogar noch weiter und will sogar darüber bestimmen, welchen Saft man zu trinken habe und welcher verboten ist. Auch wenn es noch so schick aussieht: Die Apple-Strategie widerspricht so grundsätzlich allem, was eine freie Marktwirtschaft auszeichnet - und Apple stinkt, nachweislich :) F. Mayer
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