Irreführende Werbung Großbritannien verbietet iPhone-Spot

Kein Java, kein Flash: Bei manchen Multimedia-Web-Seiten muss Apples Internet-Handy passen, weil ihm die nötige Software fehlt. Ein überschwänglicher Werbespot muss deshalb aus dem britischen TV-Programm genommen werden - bis Apple nachbessert.


Da haben Apples Marketingspezialisten den Mund wohl zu voll genommen. Mit dem Spruch "Alle Teile des Internets sind auf dem iPhone", wird das Apple-Handy in einem britischen TV-Spot angepriesen. Darüber, ob die kleine Surf- und Telefoniermaschine diese Behauptung wirklich erfüllen kann, ist auf der Insel ein aufgeregter Streit entbrannt.

Apple iPhone: Kann zwar alle Web-Seiten ansteuern, aber nicht alles anzeigen

Apple iPhone: Kann zwar alle Web-Seiten ansteuern, aber nicht alles anzeigen

Während die meisten britischen Konsumenten Apples Werbung kommentarlos hinnahmen, beschwerten sich zwei Fernsehzuschauer bei der Advertising Standards Authority (ASA), einer Behörde, deren Aufgabe es ist, das Treiben der Werbeschaffenden zu kontrollieren. Der Vorwurf der Beschwerdeführer: Apples Werbung sei irreführend, schließlich würden dem iPhone mit Java und Flash zwei wichtige Web-Techniken fehlen. Die aber sind für die Darstellung etlicher Web-Seiten unverzichtbar.

Apple argumentiert dagegen. Nach Ansicht des Unternehmens soll der Werbefilm herausstellen, dass man mit dem iPhone ganz normale Web-Seiten anschauen kann. Andere Handys, so Apple, seien dagegen meist darauf beschränkt, WAP-Seiten anzuzeigen, die gegenüber Web-Seiten nur ein eingeschränktes Angebot darstellten. Diese Aussage legt allerdings die Frage nahe, wie alt die Handys sind, mit denen Apples Mitarbeiter in der Regel umgehen. Denn Web-Seiten kann heutzutage fast jedes Standard-Mobiltelefon anzeigen - wenngleich in sehr unterschiedlicher Qualität. WAP hingegen führt seit seiner Einführung Ende der neunziger Jahre ein Nischendasein, wird einer Burda-Studie zufolge derzeit nur von acht Prozent der Anwender genutzt.

Außerdem bemüht sich Apple nach eigener Ansicht, das iPhone so offen wie möglich zu halten, möglichst auf offene Standards wie CSS, JavaScript und Ajax aufzubauen. Es sei aber nicht möglich, Kompatibilität zu jedem am Markt befindlichen proprietären Standard zu gewährleisten, weswegen man sich dagegen entschieden habe, Java und Flash einzubauen. Zudem würden die fehlenden Standards niemanden darin behindern, Web-Seiten nach Belieben mit dem iPhone aufzurufen. Die Einschränkung bestünde lediglich darin, dass bestimmte Inhalte nicht angezeigt würden. Und überhaupt habe man in der Werbung ja auch keine einzige Web-Seite gezeigt, die eine der beiden fehlenden Technologien benötigt.

Die Lösung naht

Um einen eigenen Eindruck davon zu bekommen, was das iPhone denn nun kann und was nicht, ließen es sich die Experten der ASA von Apple-Mitarbeitern vorführen und stellten fest, dass dabei keinerlei Fehler auftraten. Trotzdem entschieden sie, dass es Einschränkungen gebe und die Aussage, man könne mit dem Apple-Handy wirklich das ganze Internet nutzen, irreführend sei, wenn zwar alle Web-Seiten erreichbar, aber nicht alle Inhalte darstellbar sind.

Die Entscheidung der ASA ist damit klar: Die Werbung darf in Großbritannien nicht mehr gezeigt werden - zumindest so lange nicht, wie das iPhone weder Flash noch Java unterstützt. Wie lange das sein wird, ist freilich unklar.

Schon im März dieses Jahres hat Sun angekündigt, eine Java-Version für das iPhone entwickeln zu wollen, die noch in diesem Jahr veröffentlicht werden soll. Ebenso arbeitet Adobe an einer Flash-Variante für das Apple-Telefon, mochte dafür aber noch kein Veröffentlichungsdatum nennen. Das ist vielleicht auch besser so. Schließlich sind beide Firmen davon abhängig, wie und wann es Apple ihnen erlaubt, ihre iPhone-Software zu veröffentlichen.

Die britische Regelung allerdings dürfte das Unternehmen motivieren, den beiden Software-Herstellern keine Steine mehr in den Weg zu legen - damit das iPhone bald wirklich "alle Teile des Internets" anzeigen kann.

mak



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.