Kleinkrieg Vodafone ist am schnellsten, T-Mobile auch

Das Gerangel geht weiter. Auch ohne das iPhone zu erwähnen finden die beiden größten deutschen Mobilfunkprovider, T-Mobile und Vodafone, einen Grund, sich miteinander anzulegen. Streitpunkt diesmal: Eine neue Technologie zum schnelleren Surfen per Mobilfunk.

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Vodafone packt das Thema vollkommen unbescheiden an und verkündet per Pressemitteilung: "Als erster Netzbetreiber in Deutschland startet Vodafone mit dem Turbo für das schnelle mobile versenden von Daten." Konkurrent T-Mobile ist da kaum dezenter: "Mit dem Start von HSUPA noch in diesem Jahr erweist sich T-Mobile einmal mehr als Innovationstreiber in Sachen mobiles Breitband." Pikantes Detail: Beide Pressemitteilungen sind fast zeitgleich verschickt worden.

Schneller Datenfunk per HSDPA/HSUPA: Schnelleres Mobilsurfen künftig in beide Richtungen
T-Mobile

Schneller Datenfunk per HSDPA/HSUPA: Schnelleres Mobilsurfen künftig in beide Richtungen

Worum geht es? Der schnelle mobile UMTS-Datenfunk arbeitet asymmetrisch, genau wie DSL. Das heißt, dass in Download-Richtung weit höhere Geschwindigkeiten möglich sind als bei Heraufladen von Daten ins Netz. Wer schon einmal versucht hat, ein Digitalfoto via Handy zu übertragen, weiß, dass dafür Geduld gefragt ist. Mit maximal 128 Kilobit pro Sekunde werden Daten per UMTS ins Web übertragen. Der als "Datenturbo" bezeichnete UMTS-Aufsatz HSDPA (High Speed Downlink Packet Access) ändert daran wenig. Zwar steigert er den Upload-Durchsatz auf bis zu 384 Kilobit pro Sekunde, mit den von schnellem DSL gewohnten Geschwindigkeiten ist das aber kaum zu vergleichen.

HSUPA (High Speed Uplink Packet Access) soll das ändern. Mit bis zu 1,45 Megabit pro Sekunde sollen die Daten hier in Senderichtung durch den Äther flutschen. Damit würde der mobile Datenversand sogar die meisten DSL-Anschlüsse toppen, die selten mehr als 1 Megabit pro Sekunde schaffen.

Für den Komfort bei Surfen noch wichtiger, dürfte freilich die mit HSUPA einhergehende Verkürzung der Ping-Zeiten sein. Dieser Wert legt fest, wie lange die Daten vom Handy zum Webserver und umgekehrt unterwegs sind. Das Resultat dürfte sein, dass etwa die Zeitspanne zwischen der Eingabe einer Internetadresse in den Browser und dem Aufbau jener Seite drastisch verkürzt wird.

Vorsicht Falle: Wer mehr hochlädt, zahlt auch mehr

Nach eigener Aussage bietet Vodafone das neue schnellere mobile Web-Surfen ab sofort in 50 deutschen Städten, darunter Düsseldorf, Frankfurt und Stuttgart an. Bis Sommer 2008 will das Unternehmen sein gesamtes "UMTS-Broadband-Netz", also jene Bereiche, in denen es schon HSDPA gibt, per HSUPA beschleunigen. T-Mobile hingegen kann die neue Technik vorerst nur in Nürnberg und Hannover anbieten, verspricht aber sein gesamtes UMTS-Netz auf die neue Technik aufzurüsten - ebenfalls bis Sommer 2008.

Darüber, dass es noch so lange dauert, bis das flinke Mobil-Web zumindest in den Ballungsräumen nutzbar wird, muss sich freilich kaum jemand grämen. Denn derzeit ist zumindest in Deutschland kein einziges Handy erhältlich, dass überhaupt Gebrauch von der neuen Technologie machen könnte.

Entsprechende Geräte werden erst für 2008 erwartet. Bis dahin bieten die konkurrierenden Mobilfunk-Provider ausschließlich HSUPA-Endgeräte zur Nutzung mit Computern an. Beide haben eine entsprechende PCI-Express-Card für Notebooks im Angebot. Bei Vodafone hat man zusätzlich die Möglichkeit, einen HSUPA-fähigen USB-Stick oder die per USB anschließbare "Easybox III" zu nutzen.

Wer sich tatsächlich für eine dieser Lösungen interessiert, sollte allerdings vor dem Kauf seinen Mobilfunkvertrag überprüfen. Schließlich lassen sich die Anbieter den Upload von Daten in Standard-Mobilfunkverträgen fürstlich honorieren. Pro Megabyte können da bis zu knapp 20 Euro fällig werden. Erst mit einer zusätzlich buchbaren Datenoption, wie etwa T-Mobiles web'n'walk-Tarifen, sinken die Kosten auf ein erträgliches Maß.



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