Konsumkontrolle Verstärkte Überwachung im Kinosaal

Weil die Qualität von Handykameras steigt, fürchtet sich die Filmindustrie vor einer zweiten Piratenwelle in den Kinosälen. Anzeigen für einige Sekunden abgefilmter Leinwand und der verstärkte Einsatz von Nachtsichtgeräten sollen potentielle Übeltäter abschrecken.

Das Abfilmen des Geschehens auf der Kinoleinwand ist kein neues Phänomen, die entsprechenden Verbotsschilder und Trailer gehören sogar schon zur gewohnten Kinofolklore. In Hollywood ist das Thema allerdings gerade wieder brandaktuell, denn die Filmindustrie befürchtet eine zweite Pirateriewelle, nachdem die Videoqualität von Handys langsam mit der von Camcordern gleichzieht.

"Analog zur Verbesserung der Technik wird sie auch von immer mehr Menschen eingesetzt", erklärte dazu jüngst Elizabeth Kaltman vom Lobbyverband Motion Picture Association of America (MPAA) gegenüber dem US-Magazin "Wired". Laut Kaltman beobachtet ihre Organisation die Entwicklung sehr genau, und sieht derzeit einen Trend zum Handy-Einsatz beim illegalen Abfilmen im Kino.

Nachtsichtgeräte: der Ordner sieht alles

Die Wachsamkeit der Filmindustrie ist jedenfalls geweckt, und schlägt sich auch in spektakulären Fahndungserfolgen nieder: So drohen einem 21-jährigen Australier bis zu fünf Jahre Haft, weil er Ende Juli den "Simpsons"-Film mit seinem Handy aufgenommen und das Ergebnis online gestellt hatte. In den USA musste sich eine 19jährige vor Gericht verantworten, weil sie 20 Sekunden des Actionstreifens "Transformers" abgefilmt hatte. Der Teenager wurde zwar nur zu einer relativ schmerzlosen Geldstrafe von 71 Dollar verurteilt, aber dass es wegen der 20-Sekunden-Sequenz überhaupt zu einem Verfahren kam, unterstreicht die Kompromisslosigkeit der Filmindustrie gegenüber Handy-Filmern.

Mobiltelefone bereiten den Pirateriewächtern einiges Kopfzerbrechen, da sie per se in Kinos nicht verboten sind - jedenfalls noch nicht. Nach einem Bericht des Sender "KABC-TV" kommen daher in zahlreichen US-Kinos bereits Nachtsichtgeräte in den Kinosälen zum Einsatz, mit denen die Besucher während der Vorstellung überwacht werden. Allein die Drohung mit der neuen High-Tech-Waffe soll demnach bereits eine abschreckende Wirkung auf potentielle Mitfilmer haben.

Handy-Verbot im Kino

Eine Konsequenz der "zweiten Piratenwelle" in den Kinosälen könnte ein generelles Handy-Verbot in den Filmtheatern sein. Bei Premieren oder Pre-Screenings wurde schon auf diese Maßnahme zurückgegriffen. So wurden die Besucher einer Vorauführung des letzten "Harry Potter"-Streifens in Los Angeles dazu aufgefordert, ihre Handys im Auto zu lassen.

Aber nicht nur Hollywood regt sich über die Handy-Videos von der Leinwand auf, auch in Kreisen eingefleischter Urheberrechtsverletzer sorgen die Filme für Unmut: Weil sie qualitativ gegenüber den Raubkopien von Master-DVDs abfallen, die Raubkopierern oft noch vor dem Kinostart von Komplizen im Kopierwerk zugespielt werden. "Das war die schlechteste Kopie, die ich jemals gesehen habe," ereiferte sich etwa ein Nutzer im Forum der Site "Pirate Bay" über das "Simpsons"-Video des australischen Handy-Filmers.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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