Linux drängt in den Mobilfunkmarkt Das Pinguin-Handy

Motorola will in einigen Jahren 60 Prozent seiner Telefone mit Linux ausstatten. Dazu entsteht gerade eine breite Industrie-Allianz, die das Projekt Pinguin-Handy gemeinsam vorantreibt. Erste Geräte sollen 2008 auf den Markt kommen.

Auf der diesjährigen LinuxWorld in San Francisco  lautete ein Konsens: 2008 soll das Open-Source-Betriebssystem mit dem Pinguin die mobile Welt erobern. Vorgründig am spektakulärsten war dabei die Ankündigung des Handy-Herstellers Motorola, in einigen Jahren den Großteil seiner Modelle mit Linux auszustatten.

Konkret sollen 60 Prozent aller Motorola-Telefone auf Linux-Basis laufen, allerdings sagte der Konzern nicht, in welchem Zeitraum dieses Ziel realisiert werden soll. Jedenfalls sollen die bislang abgesetzten neun Millionen Linux-Handys von Motorola "nur der Anfang" sein.

Um die Entwickler mobiler Anwendungen für das Projekt zu gewinnen, präsentierte der Handy-Konzern die Plattform "Motomagx" . Die ersten Geräte heißen "Z6" und "Razr2 V8".

Industrie-Allianz als Ökosystem

Motorola verfolgt seine Linux-Strategie nicht im Alleingang, sondern auch als Teil der LiMo-Foundation: Die Plattform wurde erst dieses Jahr ins Leben gerufen, Gründungsmitglieder waren unter anderen NEC, Panasonic, Samsung und Vodafone. Auf der Linux-World wurde die Industrierunde erweitert, jetzt sind auch LG Electronics und McAfee Vollmitglieder.

Die breite Industrie-Allianz schraubt gerade gemeinsam an einer Entwicklungsplattform. Sie hat das ehrgeizige Ziel, bereits 2008 erste Geräte auf den Markt zu bringen. "Für die Mitglieder eröffnen sich phantastische Möglichkeiten, echte Massenanwendungen zu entwickeln", erklärte Guido Arnone von Vodafone gegenüber "Ars Technica". Arnone bezeichnete LiMo als "Ökosystem", in dem sich einzelne Entwickler gegenseitig nützlich sind.

Noch nicht alle Rechte geklärt

Ein Schönheitsfehler, der sich noch als gravierend erweisen könnte: Einige der LiMo-Entwicklerschnittstellen (APIs) stehen nicht unter Open-Source-Lizenzen, teilweise stehen sie sogar unter Patentschutz. Sie stammen von einzelnen LiMo-Mitgliedern und sind mit fraglichem Status ins Projekt eingebracht worden. Um trotzdem unabhängige Entwickler und neue Partner für das Projekt zu gewinnen, werden die fraglichen APIs nun zum Nulltarif lizenziert.

Überzeugte Open-Source-Anhänger dürften sich trotz Gratis-Lizenzen eher alternativen Projekten wie OpenMoko  zuwenden. Dieses hat schon jetzt ein funktionierendes Gerät: Das gern als "Anti-iPhone" bezeichnete Linux-Handy "Neo 1973"

Wahrscheinlich aber ist die Konkurrenz unter den Open-Source-Handy-Projekten ein Faktor, der die Entwicklung auf dem Sektor insgesamt beschleunigt. 2008 könnte also tatsächlich das Jahr der Linux-Handys werden.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

Mehr lesen über Verwandte Artikel