Meta-Adressbuch Nokia kauft Cellity, Communicator wird eingestellt

Gute Nachrichten für das Hamburger Startup Cellity: Der Handygigant Nokia hat das Unternehmen für eine ungenannte Summe gekauft. Das Cellity-Produkt, das Meta-Adressbuch "Communicator", wird eingestampft. Das komplette Team zieht um unter das Dach von Nokia.


Hamburg - Sarik Weber macht einen entspannten und erfreuten Eindruck. Obwohl doch ein Serienunternehmer wie er eigentlich fürchterliche Angst davor haben müsste, unter das Dach eines Konzernes wie Nokia umzuziehen. Das werde zweifellos "eine neue Erfahrung", sagt der Cellity-Mitgründer im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE, aber, "wir freuen uns darauf, dort mit unserem Know-How etwas Großes zu bauen". Der finnische Konzern hat bekanntgegeben, man habe Cellity gekauft - offenbar wollen die Finnen sich die Meta-Adressbuchtechnik der Hamburger Truppe zu eigen machen.

Nun wird der "Cellity Communicator" eingestellt, und zwar schon zum 30. September. Im Kern ist das Angebot ein digitales Adressbuch, das die Kontakte im eigenen Handy mit denen in diversen Web-Diensten abgleicht, von Twitter über Yahoo, Hotmail und Plaxo bis hin zu Googlemail und LinkedIn. Auch mit Desktop-Anwendungen wie Outlook lässt sich das "Adressbuch 2.0" synchronisieren. Man kann über den Dienst aber auch (preisgünstiger) telefonieren, SMS verschicken oder Twittern. Kunden, die dafür noch Guthaben gespeichert haben, werden im Unternehmensblog "höflich" gebeten, "evtl. vorhandenes Guthaben bis Ende September 2009 aufzubrauchen".

Alle fünf Cellity-Gründer und zusätzlich auch die neun Vollzeit-Angestellten des Tech-Startups werden nach Berlin umziehen, erklärt Weber, unter ein Dach mit der Nokia Services Unit. Dort sitzen auch schon Angehörige anderer von Nokia aufgekaufter Startups - etwa die der ebenfalls deutschen Gründung Plazes.

Man habe schon "seit dem Launch des Adressbuches mit großen Herstellern das Gespräch gesucht", erklärt Weber, denn im Alleingang sei die Vermarktung eines Produktes wie des Cellity Communicator, inzwischen auch "Adressbuch 2.0" genannt "schon ein sehr zäher Weg".

Einen ähnlichen Adressbuch-Dienst bietet das Unternehmen Zyb - das vergangenes Jahr von Vodafone aufgekauft wurde. Vodafone hatte "TechCrunch" zufolge damals über 31 Millionen Euro bezahlt.

Wieviel Nokia für Cellity ausgegeben hat, wurde nicht mitgeteilt, und auch Weber ist zum Schweigen verpflichtet. Mit seinem Team in den Mühlen des Handykonzerns zermahlen zu werden, fürchtet Weber bei diesem Projekt jedenfalls nicht: "Unser Know-How spielt dabei schon eine recht große Rolle."

cis



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