Mobilfunk Biege-Displays für Handys mit Touchscreen

Smartphones und Mini-Computer brauchen größere Bildschirme. In Asien wird deshalb eifrig an flexiblen Displays geforscht, die man einrollen oder einklappen kann. Erste Erfolge sind bereits im Web zu sehen.


Nachdem der iPhone-Hype wohl bald den Gipfelpunkt überschritten hat, haben in jüngster Zeit wieder Smartphones mit ausfahrbarer Tastatur Konjunktur. Die Geräteklasse an sich ist zwar alles andere als neu, aber neue Techniken und Designs geben dem Konzept vom Mini-Computer für die Hosentasche immer wieder neuen Schwung. Zuletzt brachten dabei sowohl Sony Ericsson als Nokia neue Modelle mit Klapptastatur und Touchscreen. Aber während Sony Ericssons Xperia X1 die erweiterten Möglichkeiten leider nur halbherzig nutzt, schöpft Nokia mit dem N97 die Technikpotentiale voll aus.

Das N97 hat eine seitlich herausgleitende Tastatur und einen Touchscreen mit taktilem Feedback. Nokia preist das Gerät als "weltweit fortschrittlichsten mobilen Computer" an - der Unterschied zwischen Smartphones und Netebooks verschwimmt immer weiter. Möglich wird dies durch die andauernde Miniaturisierung und technische Neuerungen wie den N97-Bildschirm. Aber auch neue Designkonzepte sind gefragt, um die Potentiale des technischen Fortschritts auszuschöpfen.

Nokia braucht noch einige Jahre

Aktuelle Smartphone-Displays werden immer größer. Nachdem die Vorderseite aktueller Geräte so gut wie flächendeckend vom Bildschirm eingenommen wird, ist eine weitere Ausdehnung nur mit neuen Materialeigenschaften denkbar. Dabei stehen biegsame beziehungsweise faltbare Displays derzeit hoch im Kurs, zunächst natürlich bei den Designern, die keine Rücksicht auf das technisch Machbare nehmen müssen.

Was mit flexiblen Displays möglich wäre, zeigt beispielsweise der "Ultra Mobile PC" des Designers Felix Schmidberger, der eigentlich nur aus einem randlosen Display besteht, das wie ein Laptop zusammengeklappt werden kann. Aus Nokias Designschmiede kam unlängst das Armband-Handy-Konzept "Morph", das man nach Lust und Laune drehen, biegen und quetschen kann. Bevor Morph Wirklichkeit wird, sind laut Nokia allerdings noch einige Jahre erfolgreicher Forschung nötig.

Koreaner preschen vor

Vor diese Hintergrund muten die Versprechen des taiwanischen Forschungsinstituts ITRI ( Industrial Technology Research Institute) recht kühn an: Ihr biegsames Display basiert auf dem E-Paper-Prinzip und soll in Größen bis zu fünf Zoll bereits serienreif sein. Um die Industrie von den Möglichkeiten ihrer Erfindung zu überzeugen, haben die Forscher die Designagentur pilotfish beauftragt, ein Konzept zu entwerfen. Das Ergebnis ist ein Handy mit Schiebe- und Klappmechanismus - und wirklich stattlichem Display.

Als nächstes wollen die ITRI-Tüftler ihr flexibles Display berührungsempfindlich machen, womit es endgültig wie Science Fiction wirkt. Utopisch sind die Forschungsziele allerdings nicht. So hat das Fraunhofer-Institut für photonische Mikrosysteme erst im Oktober mitgeteilt "OLEDs mit Touchfunktion" entwickelt zu haben.

OLED-Displays ("Organic Light Emitting Diode") können prinzipiell sehr dünn und auch biegsam gefertigt werden. Vielleicht können die taiwanischen Forscher also tatsächlich ihre Versprechen einlösen - wenn ihnen der südkoreanische Konzern Samsung ihnen nicht schon zuvorgekommen ist. Schenkt man einem Video Glauben, das sich seit wenigen Tagen auf YouTube findet, verfügt Samsung nämlich schon über den funktionsfähigen Prototyp eines faltbaren OLED-Displays.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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