Nachtfunkverbot Handy-Sperre kostet Taliban Sympathien

Auf Verlangen der Taliban werden in vielen südlichen Provinzen Afghanistans die Handy-Signale über Nacht abgeschaltet. Doch das Funkverbot stört die Bevölkerung und kostet die Taliban mögliche Sympathien.

Die Taliban drohten afghanischen Mobilfunkern: Funkmasten, die nachts nicht abgeschaltet sind, werde man zerstören. Die vier afghanischen Netzbetreiber schalten nun ihre Netze in den von Taliban dominierten Gebieten fristgerecht ab - nachts schweigen die Handys. In den betroffenen Gegenden im Süden Afghanistans hält sich Mobilfunk seitdem an traditionelle Ladenöffnungszeiten.

Trotz des willfährigen Verhaltens der Telkos griffen die Taliban Handy-Masten an. Um den Druck auf die Unternehmen aufrechtzuerhalten, haben sie bis heute sieben Sendeanlagen so gut wie zerstört, drei weitere sollen noch reparabel sein. Ein voller Erfolg ist die Kampagne gegen die vermeintlich gottlose Technologie aber trotzdem nicht. Bereits vor zwei Wochen war klar, dass die Mobilfunk-Offensive in der Bevölkerung extrem unbeliebt ist. Denn die Telefone sind eine der wenigen sichtbaren und effektiven Verbesserungen seit dem Sturz des Taliban-Regimes.

Während es nur 45.000 Festnetzanschlüsse im Land gibt, ist die Zahl der Handys in den vergangenen Jahren auf 4,5 Millionen angewachsen. Für die meisten Nutzer ist der Mobilfunk demnach die erste Möglichkeit, endlich von zeitgemäßer Kommunikationstechnologie zu profitieren. Die rund 300.000 vom Nachtfunkverbot betroffenen Nutzer sind dementsprechend schlecht auf die Taliban zu sprechen.

In einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur AP deutete ein Taliban-Sprecher jetzt sogar ein Einlenken an: "Wir sehen, dass unsere Maßnahmen einigen Menschen Probleme bereiten", erklärte Zabiullah Mudschahid. "Wir werden daher die einzuhaltende Nachtruhe vielleicht etwas lockern."

Afghanistans Telekommunikationsminister Amirzai Sangin trumpft unterdessen siegessicher auf. Der Minister erklärte, wegen der Angriffe "nicht besorgt" zu sein. Die zehn ausgefallenen Anlagen seien bei 2000 im ganzen Land nicht dramatisch, und zu weiteren Zerstörungen werde es nicht kommen, da "die Bevölkerung die Mobilfunkmasten beschützen wird".

Für die Taliban ist dieser Befund doppelt bitter. Zum einen befürchten sie, dass Nato-Truppen ihre Stellungen über den Handy-Funk orten können. Gleichzeitig sind die Kämpfer auf das Mobilnetz angewiesen, um ihre Aktionen zu koordinieren.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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