Netzbetreiber Geldmaschine Mobil-Web

Das Betriebssystem eines Handys betrifft in erster Linie die Handy-Hersteller, die Entwickler von Anwendungen und Inhalten und die Kunden. Dass auch große Netzbetreiber der Allianz beitraten, ist trotzdem logisch. Android verspricht erhöhte Umsätze - und mehr.


T-Mobile USA, sagte Telekom-Chef Rene Obermann in der internationalen Schaltkonferenz zur Vorstellung des Google-Android-Projektes, gehörte zu den "Gründungsmitgliedern der Allianz". Was das heißt, verriet sein Kollege Paul Jacobs vom Handy-Bauer Qualcomm: Seit "einem Jahr" sei man schon an Bord. Dass bis Ende letzter Woche kaum Einzelheiten durchsickerten, ist also die erste große Leistung des Projekts Android.

UMTS-Antenne: Allein in Deutschland legten die Betreiber 50,8 Milliarden Euro für die Lizenzen auf den Tisch. Android verspricht, dass sich das irgendwann lohnen könnte
DDP

UMTS-Antenne: Allein in Deutschland legten die Betreiber 50,8 Milliarden Euro für die Lizenzen auf den Tisch. Android verspricht, dass sich das irgendwann lohnen könnte

Dass zu den ersten Partnern auch große Netzbetreiber wie NTT DoCoMo, China Mobile und T-Mobile gehören, liegt schlicht daran, dass Android für sie eine Menge mehr leisten soll, als nur Teil eines PR-wirksamen Bündnisses zu sein.

1. Erhöhte Umsätze

Android ist ein Browser-basiertes Betriebssystem. Laut Google-Chef Eric Schmidt soll der Nutzer im Umgang damit "keinen Unterschied zwischen Rechner und Handy" mehr spüren, die Grenzen zwischen Handy- und Internet-Welt sollen endgültig verschwimmen. Sprich: Android ist dazu gemacht, den Handy-User zur Web-Nutzung zu animieren. Das haben die Netzbetreiber seit Einführung von UMTS geradezu verzweifelt versucht - mit bisher sehr durchwachsenen Resultaten. Android verspricht also mehr Traffic - und damit deutlich erhöhte Umsätze.

2. Benutzerfreundlichkeit

Wer sich je mit den Online-Menüs von Vodafone oder T-Mobile herumgequält hat, weiß, wie falsch die schönen Werbeversprechen vom ach so spaßigen Mobil-Netz wirklich sind. Freude kommt da selten auf. Der Gedanke, allen Handy-Nutzern einen Standard zu bieten, der quer über die verschiedenen Plattformen der Handy-Hersteller gemeinsame Navigations- und Bedienungsmerkmale pflegt, ist natürlich verlockend. Das Bedien- und Menü-Wirrwarr würde ersetzt durch eine bald vertraute Nutzeroberfläche.

Zudem verspricht Android, das Web so, wie es ist, in die Handy-Welt zu integrieren - Wap und spezielle abgespeckte Mobilwebseiten wären überflüssig. Die inhaltlichen Angebote der Betreiber würden zum Teil des Betriebssystems - denn Android macht den Browser zum universellen User-Interface.

3. Dienste

Eines der großen Probleme der Netzbetreiber ist, dass sie ihren Mobil-Kunden noch immer wenig zu bieten haben, womit sie sich online beschäftigen können. Die offene Plattform verspricht eine Flut von Applikationen, die die Betreiber noch nicht einmal selbst entwickeln müssen. Auf der anderen Seite können sie das aber weiterhin tun - und würden bei inhaltlichen Angeboten sogar noch am Splitting der Werbeumsätze mit Google profitieren.

Die Telekommunikationsbosse dieser Welt dürften sich vor allem von mobilen Social Networks Umsatzzuwächse versprechen - aber auch von Spielen und den zahlreichen lokalisierten und Geo-Diensten nach dem Muster von Google Maps. Sprich: Bei allen spielerischen Dingen, mit denen man gern mehr Zeit verbringt als unbedingt nötig.

Dazu kommt, dass Android laut Googles Mobil-Chef Andy Rubin über eine sehr einfache Schnittstelle verfügen soll, neue Inhalte und Programme zu integrieren. Klingt nach "draufklicken, herunterladen, installieren" - wie man es vom Web kennt. Nette Aussichten auch für die Handelsplattförmchen der Provider, über die bisher nur verhalten nachgefragte Goodies wie Musikdownloads, Filmchen und - auch das ein schwindendes Geschäft - Klingeltöne verhökert werden. Das tollste an Android aber dürfte sein, dass die Provider selbst an Diensten, mit denen andere Geld verdienen wollen, stets mitverdienen würden. Es gibt schlechtere Geschäftsmodelle.

Fazit: Auch die Netzbetreiber dürfen sich in der Open Handset Alliance als Gewinner fühlen - wenn alles so funktioniert, wie versprochen.

pat

Zurück zur Übersicht



insgesamt 62 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
T. Wagner 05.11.2007
1.
Naja, versuchen kann man's ja. Aber wie erfolgreich kann Google sein, wenn es die Energieversorger dieser Welt es auch nach - wievielen Jahrzehnten eigentlich? - nicht geschafft haben, sich auf eine Form von Steckdose zu einigen. Oder auf genormte Telefonstecker weltweit. Oder, oder, oder... Ich begrüße JEDEN Versuch, inkompatiblen Blödsinn zu normen, in eine Form zu pressen und dies weltweit verfügbar zu machen. Ich wünsche Google viel Glück und Erfolg. Der gemeine Netzwerkstecker und das MP3-Format haben es schon geschafft! Ich drücke die Daumen!
Robert Hut, 05.11.2007
2. Werden sie wohl leider schaffen
Das wird noch schrecklicher als WindowsMobile sein, ein mit Google-Werbung verseuchtes Handy. Hoffentlich bleiben noch ein paar seriöse Anbieter übrig..bin auch gerne bereit, ein paar Euro mehr dafür zu bezahlen, damit meine Privatsphäre da anfängt, wo ich es will. Für mich ist Werbung die schlimmste Geissel der Menschheit. Schlimmer als Krieg, denn den kann man beenden...oder besser, erst gar nicht anfangen. Es wird ein Kommunikationsalptraum. Mist.
Magggus, 05.11.2007
3. WerbeTelefon
Naja, also gPhone klingt ganz gut, aber wollen wir wirklich Werbung auf dem Handy? Ich bitte das zu bedenken wenn man sagt:"Ja Google ist der Heilsbringer im iPhone verseuchten (smart)Phone-Markt.
drq 05.11.2007
4.
naja was heißt werbung auf dem Handy. Die bauen ein OpenSource! Betriebssystem. Die Werbung wird ja nicht ins Handy gepflanzt, sondern sie wollen erreichen, dass Surfen auf dem handy sich genauso anfühlt wie am Rechner. Also wird man natürlich dort Werbung sehen, wo man sie kennt. Eben halt im Browser Aber es ist ja nicht so, als dass man das Handy startet und dann Werbung kommt, bevor man es benutzen könnte. Also erstmal abwarten.
weiser Mönch 05.11.2007
5.
Also von zupflaster kann man glaube ich nicht sprechen. Google Werbung ist schon sehr dezent! Und mal im ernst was wünscht man sich mehr als eine Open-Source Plattform fürs Handy? Gerade unter dem Standpunkt das Handys immer mehr zum Computer werden und ich von Microsofts Monopolstellung nicht gerade angetan bin, bin ich froh das sich das auf dem Handy hoffentlich nicht wiederholen wird.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.