Netzgerüchte Atom-Kraft im neuen iPhone?

Ein größerer Bildschirm, der neueste Intel-Prozessor, UMTS: Das sollen die Eckdaten des nächsten Apple-Handys sein. So verbreiten es jedenfalls Webseiten rund um den Globus. Die geheimen Informationen soll ein Intel-Manager ausposaunt haben - aber der spricht von einem großen Missverständnis.


Die Nachricht klingt so sensationell, dass sie sich wie ein Lauffeuer im Internet verbreitet: Hannes Schwaderer, Chef von Intel Deutschland, hat auf einer Feier verkündet, worüber Apple-Fans seit Monaten rätseln - angebliche Details zum künftigen iPhone. Demnach wird in dem neuen UMTS-Modell Intels neuester und kleinster Mikrochip, der Atom-Prozessor, als Antrieb dienen. Das Display soll größer werden als bisher und eine Auflösung von 720x480 Bildpunkten bieten.

Der Prototyp eines Mobile Internet Device (MID) auf der CeBIT 2008: Angeblich soll Intels Atom-Chip nicht nur solche Geräte, sondern auch das iPhone antreiben
DDP

Der Prototyp eines Mobile Internet Device (MID) auf der CeBIT 2008: Angeblich soll Intels Atom-Chip nicht nur solche Geräte, sondern auch das iPhone antreiben

Logisch, dass solch eine Meldung gleich die Runde macht. Bei Mac Rumors etwa erscheint sie unter dem Titel "Intel bestätigt Atom-basiertes größeres iPhone". Dort orakelt man aber gleich, es handle sich möglicherweise nicht einfach um ein Handy - sondern gleich um den vielerseits erhofften Tablet-Mac, einen leichten Mobilcomputer mit Stiftsteuerung.

Vorsichtiger ging man dagegen bei der deutschen Mac-Webseite Mac Essentials mit der Atom-iPhone-Meldung um. Dort wurde das Thema zwar aufgegriffen, aber einschränkend angemerkt, es sei "schwer vorstellbar, dass einem leitenden Intel-Manager eine solche Information zu einem geheimen Apple-Produkt versehentlich herausrutscht". Deshalb sollte man die Nachricht "mit Vorsicht genießen", solange es für die Angaben keine weiteren Quellen gebe.

Die Skepsis war berechtigt. Intel teilte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit, dass Manager Schwaderer offenbar gründlich missverstanden wurde. Tatsächlich habe er gesagt: "Einen MID kann man sich vorstellen wie ein iPhone, nur mit einem etwas größeren Display." MID, das ist Intels Oberbegriff für Mobile Internet-Geräte, die "Mobile Internet Devices", zu denen man durchaus auch das iPhone zählen kann. Doch dass mit diesem Satz in Wahrheit ein neues Apple-Produkt angekündigt wurde, bevor Apple selbst dies getan hat - dieser Spekulation erteilt das Unternehmen eine klare Absage.

So ganz unwahrscheinlich ist es dennoch nicht, dass die neue iPhone-Generation mit einem Atom-Chip ausgestattet wird. Schließlich ist der neue Prozessor speziell für derartige Anwendungen ausgelegt, liefert vergleichsweise viel Leistung bei geringem Strom- und Platzbedarf. Nur: Offiziell bestätigt ist das bisher nicht.

So bleibt allen, die auf Apples 3G-Handy warten, weiterhin nur Geduld. In knapp vier Wochen wird Konzernchef Steve Jobs es offiziell vorstellen, davon kann man mittlerweile nahezu sicher ausgehen. iPhone-Lieferengpässe, die Spekulationen angeheizt hatten, es könnte schon früher soweit sein, scheinen nur von kurzer Dauer gewesen zu sein. Zumindest wird aus Frankreich berichtet, dass dort offenbar wieder reichlich Geräte in den Regalen liegen. Und auch aus den USA wird gemeldet, dass die Mobiltelefone zumindest in Ladengeschäften von AT&T und Apple wieder zu bekommen sind.

mak



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