Nokia und Visa Handys werden Zahlungsmittel

Handys sollen bald schon zum universalen und sicheren Zahlungsmittel werden, jedenfalls wenn es nach Visa und Nokia geht. Die Branchenführer wollen damit ein Versprechen einlösen, das bereits einige Jahre auf dem Buckel hat.


Bereits 2001 trat eine Industriegruppe an, um bequeme und sichere Zahlungen per Handy zu ermöglichen. Das "Mobile Payment Forum", in dem alle großen Kreditkartenfirmen vertreten sind, hat sich mit der Umsetzung dieses Versprechens allerdings viel Zeit gelassen, und bislang vor allem Pilotprojekte durchgeführt.

Handy und Zahlstation: Die unmittelbare Zukunft der bargeldlosen Zahlung?
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Handy und Zahlstation: Die unmittelbare Zukunft der bargeldlosen Zahlung?

Inzwischen sind Mobiltelefone zwar tatsächlich in einigen Ländern gängiges Zahlungsmittel, allerdings nicht exakt im Sinne der Kreditkartenindustrie: Handys werden nämlich ausgerechnet in Entwicklungs- und Schwellenländern massenhaft als Instrument für die Abwicklung von Mikro-Transfers genutzt, und zwar von Menschen, für die ihr Handy-Guthaben auch das erste Bankkonto überhaupt darstellt. In den lukrativen Märkten der etablierten Industrie-Nationen kommt das Projekt Handy-Brieftasche dagegen nicht recht in die Gänge.

Neuer Versuch mit Nokia und Visa

Den dominierenden Unternehmen der Kreditkarten- beziehungsweise der Handy-Branche scheint die schleppende Entwicklung inzwischen zu langwierig geworden zu sein. Jedenfalls kündigten Nokia und Visa anlässlich der Consumer Electronics Show in Las Vegas an, zusammen einen globalen Standard etablieren zu wollen.

Dabei wurden gleich Nägel mit Köpfen gemacht, eine erste Version des Service ist in den USA dem Vernehmen nach ab sofort nutzbar, im Laufe des Jahres soll das volle Funktionsspektrum zur Verfügung stehen: Dann sollen nicht nur einfache Zahlungen, sondern auch Überweisungen, die Kontoverwaltung oder das Einlösen von SMS-Gutscheinen mobil möglich werden.

Extra-Chip authentifiziert

Für die sichere Authentifizierung des Handy- beziehungsweise Kontoinhabers sollen sogenannte NFC-Chips sorgen. Die "Near Field Communication"-Technologie wurde von Sony und der ehemaligen Philips-Tochter NXP entwickelt, sie funktioniert ähnlich wie die, als Barcode-Nachfolger bekannt gewordene, RFID-Technik.

Um bargeldlos, aber eben auch ohne Kredit- oder Mastercard zu bezahlen, muss das mit einem NFC-Chip ausgerüstete Handy nur noch in die unmittelbare Nähe eines Lesegerätes gehalten werden. Mit einem Tastendruck am Telefon wird anschließend der Zahlungsvorgang bestätigt und abgeschlossen. Im Laufe des Jahres sollen dann auch Überweisungen von Handy zu Handy genauso unkompliziert möglich werden - jedenfalls wenn die Konsumenten das System von Nokia und Visa annehmen und die entsprechend ausgestatteten Handys kaufen.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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