Öko-Handys Sony Ericsson malt mit Wasserfarben

Handyhersteller Sony Ericsson hatte ja schon immer ein grünes Logo. Jetzt, mit Jahren Verspätung im Vergleich zum Rest der Branche, versucht der Konzern, sich ein dazu passendes, grünes Image zuzulegen - geht dabei aber nur mäßig ambitioniert zu Werke.

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Mit zwei neuen Handys will der Konzern sein Ziel umsetzen, "den ökologischen Fußabdruck des Unternehmens zu verringern". Die in deutscher Übersetzung immer leicht bescheuert klingende Formulierung steht für die Umweltlasten, die durch eine Aktivität entstehen - von der Handy-Produktion bis hin zum Grillfest am Wochenende. Ein großer "Fußabdruck" steht also für große Umweltlasten und ist darum für das Image gar nicht gut. Das Rennen um kleine Fußabdrücke ist branchenweit Teil des Wettbewerbs. Jetzt nimmt auch Sony Ericsson daran teil - ein Spätstart.

Erst im September 2008 hatte Sony Ericsson das Ziel postuliert, künftig grüner zu werden, und will jetzt mit der Umsetzung beginnen. Sonderlich radikal will man dabei aber wohl nicht vorgehen: Bis 2015 soll die CO2-Bilanz von Sony-Ericsson-Handys um 15 Prozent gesenkt werden.

Wie man die Umwelt schont und gleichzeitig spart, will Sony Ericsson seinen Kunden dadurch zeigen, dass sie künftig nicht mehr mit gedruckten Bedienungsanleitungen belästigt werden sollen. Deren Aufgabe sollen, zumindest bei zwei am Donnerstag vorgestellten Mobiltelefonen, elektronische, auf dem Handy vorinstallierte Handbücher übernehmen. Der Papierverbrauch werde dadurch um 90 Prozent reduziert, sagt der Hersteller. Das ist sicher wahr, birgt aber Stolperfallen - etwa, wenn der Akku leer ist oder jemand die Bedienungsanleitung gerade deshalb braucht, weil er sich mit Handys wirklich nicht auskennt.

Durch den Wegfall der Papierbeilagen können allerdings auch die Verpackungen kleiner gestaltet werden. Auf diesen Dreh ist auch Nokia schon gekommen - vor einer ganzen Weile. Der Verzicht auf Packmaterial verbessert freilich nicht nur die Ökobilanz, sondern auch die Gewinnmarge. Schließlich kosten kleinere Verpackungen weniger, können billiger verschifft werden. Neben der Umwelt dürfte also auch Sony Ericsson von den Einsparungen profitieren.

Wasserfarbe und Recycling-Plastik

Neben solchen Sparmaßnahmen gibt es allerdings auch echte umweltrelevante Verbesserungen. So wird das neue Modell C901 Greenheart mit einer wasserbasierten Farbe lackiert und mit einem Headset ausgeliefert, das fast vollständig aus Recycling-Kunststoff hergestellt wird. Das gleichzeitig vorgestellte Modell Naite zeichnet sich dagegen durch ein besonders sparsames Ladegerät aus.

Beiden Handys gemein ist laut Sony Ericsson, dass ihre Gehäuse etwa zur Hälfte aus Recycling-Kunststoff bestehen. Zudem soll ein besonders sensibler Lichtsensor die Leuchtstärke der Displays besonders feinfühlig an das Umgebungslicht anpassen und so helfen, Energie zu sparen.

Abgesehen von diesen Änderungen und mitgelieferten Öko-Applikationen wie einem CO2-Rechner, handelt es sich bei beiden Geräten um vollkommen normale Mobiltelefone. Während das Naite mit seinem Preis von 159 Euro offensichtlich eher auf Wenignutzer abzielt, soll das C901 Greenheart mit seiner Fünf-Megapixel-Kamera samt Xenon-Blitz offenbar Handyfotografen ansprechen. Sehr interessant ist aber die Wahl der Speichermedien: Beim C901 kommt Sonys Memory Stick Micro zum Einsatz, das billigere Naite nutzt die von Sony Ericsson lange verschmähten microSD-Karten.

Gut ist nicht gut genug

Der Gedanke, Handys umweltfreundlicher zu gestalten, ist ja durchaus verständlich und förderungswürdig. So wie Sony Ericsson sich daran versucht, bleibt aber der fade Beigeschmack, dass hier nur das Nötigste getan wurde. Wenn es schon ein sparsames Netzteil gibt, warum werden damit nicht alle Geräte ausgeliefert? Und wenn man eine Methode entwickelt hat, umweltfreundliche Farben zu verwenden, warum dann nicht gleich bei der Herstellung aller Produkte?

Vielleicht, weil es reicht, um die selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Insgesamt werde durch die Innovationen in beiden Produkten "der CO2-Ausstoß um 15 Prozent verringert", heißt es in einer Pressemitteilung. Das ist schon mal gut, wirkt dennoch halbherzig. Vielleicht sollte man einfach das Ziel einer Einsparung von 15 Prozent CO2 revidieren und umformulieren in "so viel wie möglich".

Dann hätte Sony Ericsson zumindest bei der Öko-Bilanz die Nase vor Nokia. Die Finnen nämlich haben es auch schon mit Öko-Handys versucht, sind aber beim ersten Modell, dem Evolve 3110, steckengeblieben. Auch da herrscht Nachholbedarf.



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