Ovi Store Startprobleme bei Nokias Software-Shop

Software, Spiele, Klingeltöne: Knapp ein Jahr nach Apple hat am Dienstag Nokias Ovi Store seine Pforten geöffnet. Millionen Handynutzer können sich dort mit Erweiterungen für ihre Mobiltelefone versorgen - theoretisch. Denn kurz nach der Eröffnung zeigten sich erste Probleme.

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Mit reichlich Verspätung gehen jetzt auch die Finnen an den Start: Am Dienstag eröffnete Handy-Weltmarktführer Nokia seinen Ovi-Store, einen Online-Laden, in dem sich Mobiltelefon-Nutzer mit Software, Spielen und unterhaltsamen Kleinigkeiten versorgen können. Auf die Eröffnung des Online-Ladens haben Nokia-Fans lange gewartet. Schließlich macht Apple seit fast einem Jahr vor, wie man erfolgreich Handy-Software vermarktet: Innerhalb der ersten neun Monate wurden aus dem App Store für das iPhone eine Milliarde Programme heruntergeladen.

Diese Zahl zu toppen ist nun Nokia angetreten. Eigentlich sollte die Aufgabe von den Finnen mit Leichtigkeit zu bewältigen sein. Das legen zumindest die Verkaufszahlen nahe. Während Apple den Marktforschern von Gartner zufolge im ersten Quartal 2009 nicht ganz vier Millionen iPhones absetzen konnte, setzte Nokia im selben Zeitraum fast 15 Millionen Smartphones ab - und verkaufte zusätzlich noch rund 82 Millionen weniger leistungsfähige Mobiltelefone.

Trotz dieses Vorsprungs hat es der Marktführer nicht leicht, zu seinem Konkurrenten aufzuschließen. Das zeigt sich schon am Umfang des Angebots. In Apples App Store sind mittlerweile mehr als 35.000 Anwendungen, Spiele und Spaßprogramme zu finden. Viele davon kostenlos, das Gros der Bezahlprogramme zu Preisen von 0,79 und 1,79 Euro.

Preise bis zu 40 Euro

Nokias Shop muss da noch reichlich zulegen. Aktuell zeigt er beispielsweise 471 Angebote für das aktuelle Touchscreen-Handy Nokia 5800 Xpressmusic an. Die teilen sich auf die Bereiche Programme, Audio und Video, Spiele und Personalisierung auf. Der Anteil kostenpflichtiger Angebote liegt deutlich höher als bei Apple. So zeigt der Store am Mittwoch für das Modell 5800 nur 34 kostenlose Titel an, weist dagegen 437 Bezahlangebote aus.

Nur selten stolpert man beim Stöbern über eine Software, die für 0,99 Euro angeboten wird. Selbst für einfache Klingeltöne soll man 2,99 Euro berappen, Hintergrundbilder fürs Handy kosten 1,99 Euro. Spiele, wie etwa das Kartenspiel "Omar Sharif Bridge", schlagen meist mit 4,99 Euro zu Buche. Richtig teuer wird es aber, wenn man nach ernsthaft nutzbaren Anwendungen fahndet. Ein Tool, das verfügbare W-Lan-Netzwerke in der Umgebung anzeigt, weist einen Preis von 9,99 Euro aus. Wörterbücher und Städteführer liegen zwischen 15 und 25 Euro, Büro-Utilities und Sicherheits-Software kosten bis zu 40 Euro.

Ein "totales Desaster"

Doch zumindest in den ersten rund 24 Stunden nach der Eröffnung des Ovi Store war es nicht einmal sicher, ob man überhaupt Einlass fand. Offenbar waren die Systeme nicht auf den Ansturm ausgerichtet, der dem weltweiten Verkaufsbeginn folgte. Teilweise quittierte der Store Anmeldeversuche mit Fehlermeldungen, teilweise blieben aufgerufene Seiten einfach weiß. Ungewöhnlich sind solche Performance-Probleme bei der Einführung solcher Online-Angebote allerdings nicht und es ist zu erwarten, dass sich die Lage beruhigt, sobald das große Anfangsinteresse abgeklungen ist.

Sonderlich viele Lorbeeren konnte Nokias Software-Shop bisher dennoch nicht einheimsen, weder von Nokia-Fans noch von Technikjournalisten. Das Hightech-Blog Techcrunch etwa bezeichnete die Eröffnung als " totales Desaster", bemängelte die inkonsistente Benutzerführung und registrierte, dass einige noch am Morgen empfohlen Applikationen wenige Stunden später nicht mehr im Store auffindbar waren.

Ähnlich kritisch geht die auf das Handybetriebssystem Symbian spezialisierte Web-Seite Allaboutsymbian mit dem Ovi Store ins Gericht. Auch dort wird die hakelige Bedienung kritisiert. Vor allem stören sich die Spezialisten daran, dass der Store nicht zwischen Anwendungen unterscheidet, die auf Java aufsetzen und solchen, die direkt an Symbian angepasst wurden.

Einig ist man sich aber, dass es der Ovi Store bei weitem noch nicht mit Apples App Store oder dem Android Market für Handys mit dem Google-Betriebssystem Android aufnehmen kann. Noch aber herrscht weitgehend Einigkeit, dass die Finnen das Ruder noch herumreißen, aus dem Ovi Store doch noch ein Erfolgsmodell basteln können. Techdigest hat dafür sogar schon einen Fünf-Punkte-Plan aufgestellt.

Jesus-Programme, Bierglas-Simulationen und Furz-Software sind freilich nicht darunter - dabei gehören ausgerechnet solche Spaß-Anwendungen zu den Dauerbrennern bei Konkurrent Apple. Ob Nokia-User daran nicht auch Freude hätten?

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