P2P-Geldverkehr Überweisung per SMS

In Schwellenländern ist der Geldtransfer per Handy längst Usus. Die großen Industrienationen hingegen haben noch reichlich Entwicklungsbedarf. Spezielle Chips und sogenanntes "P2P-Payment" sollen das Handy als Bargeldersatz etablieren - vor allem auf Schulhöfen.


PayPal, die eBay-Tochter für Finanzdienstleistungen, hat gerade ihr Angebot für mobile Geldtransfers erweitert: Ein " Mobile Checkout" genannter Dienst ermöglicht es Nutzern aus den USA, Kanada und Großbritannien, ihre Online-Einkäufe künftig per Handy zu bezahlen. Mit diesem Service will die eBay-Tochter sich im kleinen aber hoffnungsvoll wachsenden Segment mobiler Web-Nutzer stärker positionieren.

Zahlen per SMS: Entwicklungsbedarf in den Industrienationen
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Zahlen per SMS: Entwicklungsbedarf in den Industrienationen

Nun betreibt PayPal in den genannten Ländern bereits seit 2006 einen mobilen Bezahldienst, der auf SMS basiert. Womit "Mobile Checkout" eine Ergänzung darstellt, die eine noch kleinere Nutzergruppe anspricht als das bestehende Angebot: "Wir sind davon überzeugt, dass 2007 und 2008 mehr Menschen M-Commerce nutzen werden", kommentiert PayPal-Sprecherin Jamie Patricio die Situation - und macht damit deutlich, dass beim Thema Handy-Zahlungen vor allem das Prinzip Hoffnung regiert.

Entwicklungsbedürftige Industrieländer

M-Payment, die Abwicklung von Geldtransfers per Handy, ist bislang nur in Entwicklungs- und Schwellenländern eine Erfolgsgeschichte. Dort wird der mobile Geldtransfer vor allem zur massenhaften Abwicklung von Mikrozahlungen eingesetzt - und zwar in erster Linie von Menschen, die über keine herkömmlichen Bankkonten verfügen. In den reichen Industrieländern scheitert eine weitere Verbreitung des Handys als Zahlungsmittel exakt an diesem Punkt: Fast alle verfügen über Konten, Geld- und Kreditkarten, weshalb sich der Bedarf für neue Services in Grenzen hält.

Trotz dieser unsicheren Ausgangslage sollen die mobilen Geldtransfers nach einer Vorhersage von Juniper Research in den Industrienationen bis 2011 auf ein Umsatzvolumen von 22 Milliarden Dollar explodieren. Möglich werden soll das einerseits durch die Verbreitung von Authentifizierungs-Chips in Mobiltelefonen, andererseits durch eine kulturelle Entwicklung, die von Juniper mit der phantasievollen Bezeichnung "P2P-Tansfers" versehen wurde.

Die Technik, auf der die Hoffnungen des mobilen Zahlungsverkehrs ruhen, heißt "Near Field Communication" oder kurz NFC. Mit den Chips, die derzeit nur in Asien nennenswert verbreitet sind, kann man bezahlen, indem man das Handy vor einem entsprechenden Lesegerät hin- und herschwenkt und den Vorgang anschließend mit einem Tastendruck bestätigt. Für eine globale NFC-Verbreitung soll vor allem die Kooperation von Nokia mit dem Kreditkartenanbieter Mastercard sorgen. Laut Juniper Research sollen 2011 weltweit 52 Millionen Handys mit NFC-Chips ausgestattet sein.

Handys statt Bargeld

Spekulativer, aber auch interessanter als die NFC-Chips, scheinen sogenannte "P2P-Tansfers" zu sein: Unter diesen versteht man, in Anlehnung an das "Peer-to-Peer" der Internet-Tauschbörsen, Geldtransfers zwischen Privatpersonen. "Person-to-Person"-Zahlungen machen heute einen großen Teil aller Bargeldtransaktionen aus und sollen laut Juniper vor allem unter Jugendlichen durch Transfers von Handy zu Handy ersetzt werden.

Dabei dürften SMS-Systeme, wie sie PayPal bereits seit 2006 anbietet, das Geschehen bestimmen: Ähnlich wie in Entwicklungsländern, wo SMS-Zahlungen von Telefon zum Telefon gängige Praxis sind, sollen Jugendliche bald auf amerikanischen und deutschen Schulhöfen ihre Mikrozahlungen per Textnachricht abwickeln.

Statt Bankkonten im klassischen Sinn fungieren Handy-Guthaben als persönliche Konten. Ob damit wirklich eine "jüngere" oder sogar "coolere" Zahlungskultur entsteht, die 2500 Jahre Bargeld-Dominanz ablösen kann, bleibt abzuwarten.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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