Popkultur im Tech-Zeitalter iPhorie für Arme

Apples Handy-Kreation erregt massenhaft die Konsumentenfantasie: Davon zeugen iPhone-Nachbauten aus Lehm, Sand oder Wolle, iPhone-Oberflächen als Schmuckdesign und Geschichten von plastischer Chirurgie für optimale iPhone-Daumen.


Ob Apples iPhone wirklich außergewöhnliche Technik und einmaliges Design bietet, dürfte noch lange Diskussionsgegenstand bleiben. Fest steht schon jetzt, dass sich das Gerät tief ins popkulturelle Bewusstsein gebrannt hat: Nach dem anfänglichen Hype rund um die Produkt-Geburt folgen nun die ästhetischen Nachwehen.

Belkin: Apple-Handy als Armbanduhr
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Belkin: Apple-Handy als Armbanduhr

Am deutlichsten wird der Status des Mobiltelefons als Zeitgeist-Ikone wohl durch die zahlreichen Bastelarbeiten, die sich dem Gerät widmen. So zeigt ein Nutzer namens Vaughn235 auf Flickr Bilder eines iPhone-Nachbaus aus Lehm - detailgetreu bis zur ebenfalls nachgebauten Verpackung.

Im Blog "Daddytypes" ist ein ebenso liebevoll nachempfundenes Apple-Handy aus Wolle zu bewundern - angeblich von der Mutter des Bloggers Greg eigenhändig gestrickt. Passend zur Saison zeigt ein anderer Flickr-Nutzer namens uurf Fotos eines überdimensionalen iPhones aus Sand, das an einem Strand in North Carolina entstand.

Handy-Schmuck

Auch die Zubehörindustrie ist längst auf den iPhone-Zug aufgesprungen - was nicht weiter verwunderlich ist, angesichts des anhaltenden Erfolgs der iPod-Extras. Hersteller wie Belkin haben bereits ein ganzes Gadget-Universum geschaffen - inklusive Armbändern, mit denen das Apple-Handy als Armbanduhr getragen werden kann.

Die Seite "Geeksugar" hat den Hype noch einen Schritt weiter gedreht: Deren Konzept für Schmuck im iPhone-Design verzichtet auf alle Funktionen - und reduziert das Handy als Design-Zitat auf seine repräsentativen Eigenschaften.

Angesichts dieses Erregungs-Levels rund um ein technisches Massenprodukt sprießen natürlich auch die ersten Legenden. Zuletzt wurde die iPhorie von einem Artikel der US-Zeitung "The North Denver News" angeheizt. In diesem wurde von einem Mann berichtet, der seine Daumen mittels plastischer Chirurgie den Erfordernissen moderner Gadgets wie dem iPhone angepasst haben soll. Der Beitrag war eine Satire, im Internet wurde er schnell für bare Münze genommen.

Die längste Rechnung

Die Bereitschaft, auch weit hergeholte Erzählungen zu glauben, sobald sie mit dem iPhone zusammenhängen, wird in einer Geschichte deutlich, die die Seite "Gizmo.com" kolportiert: Hier wird versichert, dass sich ein fanatischer Apple-Fan sterilisieren ließ, damit seine Frau ihm endlich den Kauf des ersehnten iPhones gestattet.

Unterdessen produziert auch die iPhone-Realität skurile Geschichten: Weil Apples US-Mobilfunkpartner AT&T die Datenverbindungen mit dem Handy auf der Rechnung einzeln ausweist, ist gerade ein Wettbewerb um die dickste Rechnung ausgebrochen. Derzeit führt eine Nutzerin, die 300 Seiten erhalten hat. Die Rechnung musste in einem Paket geliefert werden.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler



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