Preisvergleich iPhone-Tarif schlägt Konkurrenz knapp

Deutsche Apple-Fans toben wegen des Teuer-Tarifs fürs iPhone. Doch der Vergleich zeigt: Das Apple-Handy kostet so viel wie vergleichbare Angebote. Extras wie die W-Lan-Flatrate schlagen sogar hausinterne Konkurrenz bei T-Mobile. SPIEGEL ONLINE hat sieben Tarife verglichen.

So klingt enttäuschte Liebe: " Bye, bye iPhone ", schreiben deutsche Apple-Fans. Sie zürnen T-Mobile und Apple wegen der gestern veröffentlichten iPhone-Tarife. Eine "Unverschämtheit" seien die, viel zu teuer. "Dagegen waren die Wegelagerer im Mittelalter wohltätige Vereine!", kommentiert  ein Ex-Apple-Fan. Fazit vieler Leidensgenossen: Dann gibt es eben " vorerst kein iPhone ".

1600 Euro dürfte das Gerät im billigsten Tarif für zwei Jahre kosten – und das sind nur die Grundgebühren, die Zuzahlung fürs Gerät und der Bereitstellungspreis. Für 1600 Euro kriegt man schon einen arg gebrauchten, aber jetzt wieder schicken Mercedes 200 Youngtimer. Oder einen mit dem iPhone-Tarif vergleichbares Konkurrenz-Paket.

Denn viel billiger sind Mobilfunktarife mit dem Spektrum des iPhone-Angebots kaum zu haben - zumindest nicht in den Mobilfunknetzen, die für eine schnelle Datenübertragung ähnlich gut gerüstet sind wie das von T-Mobile.

SPIEGEL ONLINE hat sechs Tarife mit dem günstigsten iPhone-Paket verglichen. Anforderungen waren:

  • etwa 100 Gesprächsminuten in alle Netze inklusive
  • ungefähr 200 Megabyte Datenvolumen im Monat enthalten
  • subventioniertes Handy eingeschlossen (das Nokia N95 dient als Vergleichsobjekt, weil alle Anbieter es führen)

Grundsätzlich gilt: Deutsche Mobilfunkanbieter haben einen kaum zu durchdringenden Tarifdschungel geschaffen. Das beginnt schon damit, dass es bei T-Mobile 100 Inklusiv-Minuten für alle Netze in einem Paket gibt, bei Vodafone aber nur zusammen mit einer Art Wochenend-Flatrate - und in Stückelungen zu 60 und 120 Minuten.

Abgesehen von solchen Details bieten sowohl T-Mobile als auch Vodafone Tarif-Pakete, die dem iPhone-Angebot ähneln. 49 Euro kostet das iPhone-Angebot, 48 die hausinterne T-Mobile-Konkurrenz und 54,90 Euro die Vodafone-Offerte mit einer Wochenend-Sprachflatrate (siehe Tabelle 1).

Deutlich günstiger gibt es mit dem iPhone-Angebot formal vergleichbare Tarife bei E-Plus und O2 ( siehe Tabelle 2). Sogennante Flatrates für mobile Datenabrufe bieten derzeit die Anbieter Base und Moobicent. Bei Moobicent muss man auf Sprachtelefonie verzichten, kann aber über das Vodafone-Netz surfen. Bei Base gibt es eine Daten und Festnetz-Flatrate zum iPhone-Preis, allerdings nur im E-Plus-Netz ( siehe Tabelle 3).

Allerdings muss man dabei bedenken, dass die Netze dieser Anbieter bei mobiler Internet-Nutzung auf dem Land oder auch in manchen Stadtgebieten nicht mit dem Edge-Netz von T-Mobile zu vergleichen sind.

Denn als einziger Mobilfunkanbieter verfügt T-Mobile derzeit über ein gut ausgebautes Edge-Netz. Bis Jahresende, so hat es sich der Konzern vorgenommen, soll das gesamte Bundesgebiet mit Edge versorgt sein. Vodafone hingegen hat mit seinem Edge-Netzausbau erst zum Jahresbeginn begonnen. Das Ziel des Unternehmens: Per Edge sollen jene ländlichen Gegenden mit schnellem Datenfunk versorgt werden, in denen kein UMTS verfügbar ist.

O2 und E-Plus hingegen, haben derzeit offenbar keine Pläne, ihre Netze auf Edge aufzurüsten. Allerdings installiert O2 überall dort wo alte Basisstationen gegen neue ausgetauscht werden bereits jetzt auch Edge-Hardware. Eine Entscheidung darüber, wann diese Hardware aktiviert werde, sei aber noch nicht gefallen, erklärte O2-Pressesprecher Albert Fetsch.

Edge ist manchmal sogar besser als UMTS

Dabei bietet Edge einen durchaus attraktiven Kompromiss zwischen dem für moderne Anwendungen zu langsamen GPRS und dem stromhungrigen UMTS sowie dessen Highspeed-Aufsätzen HSDPA und HSUPA. Da Edge auf das bestehende GSM-Handynetz aufsetzt, lässt es sich mit vergleichsweise geringem Aufwand flächendeckend aufbauen. Die Kosten halten sich für den Netzanbieter also, verglichen mit dem milliardenteuren Bau der UMTS-Netze, in Grenzen.

Mobile Breitbandformate

Auf Seite der Endgeräte bringt Edge den Vorteil, dass die entsprechende Funkchips weniger Strom verbrauchen als UMTS-Chips, der Akku also länger Strom liefert. Hinzu kommt, dass Edge innerhalb von Gebäuden oft besser funktioniert als UMTS.

Wirklich schnell ist nur HSDPA

Wer nur auf die mögliche Datenübertragungsrate schielt, muss bei Edge allerdings Einschränkungen in Kauf nehmen. T-Mobile verspricht für das Edge-Netz Datenraten von 220 Kilobit pro Sekunde. Die komplette Startseite von SPIEGEL ONLINE zu übertragen, dauert bei dieser Geschwindigkeit rund 20 Sekunden. Zum Vergleich: Im 384 Kilobit pro Sekunde schnellen UMTS-Netz würde derselbe Vorgang nach etwa 12 Sekunden abgeschlossen sein.

Geschwindigkeitsfans gelten aber ohnehin beide Technologien als längst veraltet. Wer wirklich schnell mobile surfen will, nutzt heute HSDPA, den Highspeed Downlink Packet Access. Denn per HSDPA übertragen würden die neuesten Nachrichten von SPIEGEL ONLINE bereits nach weniger als zwei Sekunden auf dem Display erscheinen.

Brancheninsider munkeln daher schon, das ganze Bohei um die UMTS-Netze sei vergebliche Liebesmüh gewesen. Am liebsten würden die Netzbetreiber die milliardenteure Infrastruktur einfach abschalten und durch das ungleich leistungsfähigere HSDPA ersetzen. Das geht allerdings aus diversen Gründen nicht so einfach.

Der Ausbau der Netze zieht sich in die Länge

Zum einen natürlich, weil sich die Betreiber seinerzeit mit dem Erwerb der UMTS-Lizenzen verpflichtet haben, mindestens 50 Prozent der Bevölkerung einen Zugang zur der schnellen Mobilfunktechnologie zu ermöglichen. Zum anderen, weil derzeit Millionen UMTS-Handys im Umlauf sind. Und schließlich, weil der Umbau der Netze auf HSDPA mit erheblichen Kosten verbunden ist und bislang nur wenige HSDPA-fähige Endgeräte Käufer gefunden haben - was sich bald ändern dürfte.

Denn Firmen wie Samsung setzen längst auf die schnelle Technik. So kommt dieser Tage das neue Topmodell der Südkoreaner, das F700 auf den Markt, dass mit bis zu 7,2 Megabit mobil Daten tauschen kann - eine Geschwindigkeit, die den meisten DSL-Anschlüssen in nichts nachsteht.

Gleichzeitig arbeiten zumindest T-Mobile und Vodafone eifrig am HSDPA-Ausbau ihrer Netze. So konnte T-Mobile bereits verkünden, dass gesamte UMTS-Netz sei auf HSDPA aufgerüstet. Vodafone liegt ebenfalls gut im Rennen und Nachzügler E-Plus hat gerade erst beschlossen, ab Anfang 2008 mit dem Aufbau eines HSDPA-Netzes zu beginnen. O2 hingegen, beschränkt seine HSDPA-Netze derzeit auf sechs Großstädte: Frankfurt am Main, Düsseldorf, Köln, Berlin, München und Hamburg.

Eben diese Beschränkung zeigt gleichzeitig auch das größte Problem, mit dem Schnell-Surfer in Deutschland derzeit noch zu kämpfen haben: Richtig fix via UMTS und HSDPA geht es nur in den Ballungsräumen zur Sache. Zwischen den Städten jedoch muss man sich meist mit langsameren Technologien bescheiden. und genau da spielen Apple und T-Mobile mit dem iPhone ihre Trumpfkarte aus. denn das iPhone surft via Edge überall gleich schnell - oder langsam. Wie gut es um den Netzausbau in Deutschland bestellt ist, zeigt SPIEGEL ONLINE auf den folgenden Seiten ( siehe Übersicht).

Tarife, Tabellen, Netzabdeckung - SPIEGEL ONLINE zeigt, welche Standard-Mobilfunktarife mit dem iPhone-Tarif von T-Mobile vergleichbar sind:

iPhone-Tarifvergleich: Pakete von T-Mobile und Vodafone

iPhone-Tarifvergleich: Pakete von T-Mobile und Vodafone

Anbieter iPhone T-Mobile Vodafone
Tarif Complete M Relax 100 mit web'n'walk Basic KombiPaket Wochenende 120 mit Vodafone-WebConnect Volume L
Grundpreis / Monat 49 48 54,9
Gesprächsminuten inklusiv 100 100 120
Inklusivminuten für alle Netze? ja ja ja
Besonderheiten - - Sprach-Flatrate am Wochenende für Vodafone- und Festnetz
Folgepreis je Minute 0,39 0,39 0,4
Inklusiv-SMS 40 - -
Folgepreis pro Standard Inlands-SMS 0,19 0,19 0,2
SMS-Tarif für alle Netze? Ja Ja Ja
W-Lan Nutzung inklusiv unbegrenzt 3 Stunden 200 MB
(Gesamtvolumen)
UMTS-Nutzung inklusiv nein 200 MB
(Gesamtvolumen)
200 MB
(Gesamtvolumen)
HSDPA verfügbar? nein ja ja
EDGE-Nutzung inklusiv 200 MB
(zusätzlich)
200 MB
(Gesamtvolumen)
200 MB
(Gesamtvolumen)
gedrosselte EDGE-Nutzung inklusiv unbegrenzt - -
Folgepreise Datennutzung - 80 Cent/MB
20 Cent/W-Lan-Min.
1,30 Euro /MB
Mindestlaufzeit 24 Monate 24 Monate 24 Monate
Beispielkosten subventioniertes Endgerät 399 €
iPhone
279,95 €
Nokia N95
229,90
Nokia N95
Quelle: Webseiten der Anbieter

iPhone-Tarifvergleich: Pakete von E-Plus und O2

iPhone-Tarifvergleich: Pakete von E-Plus und O2

Anbieter iPhone E-Plus O2
Tarif Complete M Time More All in Web 100 mit Internet 250 O2 Inklusiv Paket 100 mit Internet-Pack-M
Grundpreis / Monat 49 27,50**** (mit Nokia N95 37,50) 30*** (mit Handy)
Gesprächsminuten inklusiv 100 100 (insgesamt 100 Einheiten für SMS und Minunten) 100
Inklusivminuten für alle Netze? ja ja ja
Besonderheiten - Bis zu fünf Personen können im E-Plus-Netz untereinander kostenlos telefonieren - unter einer Rechnung 15 % Rabatt auf Monatsrechnung oder 100 Inklusiv-SMS bei Online-Abschluss
Folgepreis je Minute 0,39 0,25 0,19
Inklusiv-SMS 40 100 (insgesamt 100 Einheiten für SMS und Minunten), 50 extra bei Online-Buchung 100 (Online-Buchung)
Folgepreis pro Standard Inlands-SMS 0,19 0,25 0,19
SMS-Tarif für alle Netze? Ja Ja Ja
W-Lan Nutzung inklusiv unbegrenzt - -
UMTS-Nutzung inklusiv nein 250 MB
(Gesamtvolumen)
200 MB
(Gesamtvolumen)
HSDPA verfügbar? nein derzeit nicht in sieben Städten*
EDGE-Nutzung inklusiv 200 MB
(zusätzlich)
- -
gedrosselte EDGE-Nutzung inklusiv unbegrenzt - -
Folgepreise Datennutzung - 50 Cent/MB 50 Cent/MB
Mindestlaufzeit 24 Monate 24 Monate 24 Monate**
Beispielkosten subventioniertes Endgerät 399 €
iPhone
339,99 €
Nokia N95
249,99 €
Nokia N95
Quelle: Webseiten und Auskünfte der Anbieter
* Hamburg, Berlin, München, Düsseldorf, Köln, Frankfurt am Main und Braunschweig
** nur 3 Monate für das Internet Pack M
*** 20 € für Inklusiv Paket mit Handy, 10 € für Internet Pack M
**** 17,50 € für Time & More All In Web 100, 10 € für Datentarif Internet 250

iPhone-Tarifvergleich: Pakete von Base und Moobicent

iPhone-Tarifvergleich: Pakete von Base und Moobicent

Anbieter iPhone Base Moobicent
Tarif Complete M Base2 mobiledsl-flat
Grundpreis / Monat 49 50 (mit Nokia N95 60) 39,95
Netz T-Mobile E-Plus Vodafone
Gesprächsminuten inklusiv 100 unbegrenzt -
Inklusivminuten für alle Netze? ja nur Festnnetz, Base, E-Plus -
Besonderheiten - andere Netze 0,25 Euro/Minute -
Folgepreis je Minute 0,39 - -
Inklusiv-SMS 40 unbegrenzt -
Folgepreis pro Standard Inlands-SMS 0,19 andere Netze 0,19 Euro/Minute -
SMS-Tarif für alle Netze? Ja nur Festnnetz, Base, E-Plus -
W-Lan Nutzung inklusiv unbegrenzt - -
UMTS-Nutzung inklusiv nein unbegrenzt unbegrenzt
HSDPA verfügbar? nein derzeit nicht ja
EDGE-Nutzung inklusiv 200 MB
(zusätzlich)
- -
gedrosselte EDGE-Nutzung inklusiv unbegrenzt - -
Folgepreise Datennutzung - - -
Mindestlaufzeit 24 Monate 24 Monate 24 Monate
Beispielkosten subventioniertes Endgerät 399 €
iPhone
339,99 € Nokia N 95 (bei Monatsgrundpreis 60 €) -
Quelle: Webseiten der Anbieter

Leser haben SPIEGEL ONLINE mehrfach auf eine angebliche Deckelung der Moobicent-Flatrate hingewiesen. In Online-Foren  berichten Kunden von ihren Problemen mit dem Dienst. Moobicent-Sprecher Thomas Schneidewind bestreitet eine absichtliche Drosselung der Bandbreite.

Er erklärt die vereinzelt auftretenden Probleme so: "Eine hohe Nutzung, etwa durch einzelne sogenannte Poweruser, kann zu technischen Limitationen führen, die zeitlich und regional unterschiedliche Ausprägungen und Ursachen haben." Durch den gleichzeitigen Zugriff vieler Kunden, auch solcher mit Poweruser Profil könne es systembedingt zu einer Reduzierung der Bandbreite kommen. Das Unternehmen teilt außerdem mit, dass man in Einzelfällen, wo keine Klärung der Störungsursache möglich ist und technische Störungen nachgewiesen werden können, den betroffenen Kunden einstweilen "eine Sonderkündigung" anbiete.

Die Datennetze der Netzbetreiber

T-Mobile

Die Funkversorgungskarte  von T-Mobile zeigt zweierlei ganz deutlich: Zum einen ist klar zu erkennen, dass die schnellen Datendienste UMTS und HSDPA nur in den Ballungsräumen gut ausgebaut sind. Zum anderen, dass der Konzern noch viel zu tun hat, um seine Netze vollständig auf Edge auszubauen. Die hellgrauen Bereiche sind noch nicht damit versorgt.

Vodafone

Auch das Netz von Vodafone sieht noch aus wie ein Flickenteppich . Deutlich zu erkennen: HSDPA (grün) ist gegenüber UMTS (rot) auf dem Vormarsch. Die

E-Plus

E-Plus hat noch einiges zu tun, um das Funknetz fit zu machen. UMTS (hier gelb) gibt es nur in den Ballungsräumen . Das schnelle HSDPA soll erst 2008 in Angriff genommen werden.

O2

O2 stellt seinen Kunden leider keine Netzabdeckungskarte zur Verfügung. Stattdessen muss man für jeden Standort ein separate Anfrage über ein Online-Formular vornehmen. Nach Auskunft des Pressesprechers liegt die UMTS-Abdeckung derzeit bei 60 Prozent, HSDPA ist in sechs Großstädten verfügbar.

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