Promi-Schnappschüsse Paparazzi mit Foto-Handys

Eine Flut von Handy-Schnapsschüssen aus dem Promi-Alltag verdirbt professionellen Paparazzi die Preise - klagen die Profis. In der Folge wird der Markt für Promi-Schnappschüsse noch schneller und schriller, als er es ohnehin schon ist.


Der Berufstand des Paparazzo steht dieser Tage von allen Seiten unter Beschuss: Zum einen emanzipiert sich die "Beute" von ihrer Rolle als Abschussobjekt. Vor allem die A-Prominenz kämpft um Kontrolle und Vermarktung der eigenen Bilder. Vor allem aber machen die Konsumenten der Paparazzi-Kost den Profis selbst Konkurrenz. Mit dem Kamera-Handy im Anschlag fühlt sich heute (fast) jeder Foto-Amateur zum Star-Fotografen berufen.

Paparazzo Hans Paul in der Uniform eines Postboten: Existenz bedroht durch Hobby-Knipser?
DPA

Paparazzo Hans Paul in der Uniform eines Postboten: Existenz bedroht durch Hobby-Knipser?

Die Heerschar der Hobby-Knipser ist den berufsmäßigen Promi-Fotografen allein durch ihre schiere Masse überlegen. Die Allgegenwart der Handy-Objektive macht den Paparazzi bereits das Alltagsgeschäft streitig, erklärte der Profi-Paparazzo Hans Paul jetzt gegenüber dem britischen "Guardian". Die Preise für Star-Schnappschüsse seien durch die neue Konkurrenz stark unter Druck geraten, beklagt der Deutsche, der vor allem in Los Angeles arbeitet.

Härtere Gangart

Um am Markt bestehen zu können, so Paul, müssen Profis wie er ihren Einsatz erhöhen. In seinem Metier gehört dazu beispielsweise, die Promis mit einem Ultraleicht-Flieger oder anderen James-Bond-Gefährten zu verfolgen oder "als Dekorateur verkleidet" in die Wohnzimmer der Stars vordringen. Doch der Einsatz scheint sich zu lohnen. Für besondere Fotos, wie das der schwangeren Julia Roberts, konnte Paul nach eigener Aussage schon mal 120.000 Dollar einstreichen.

Solche Fotos, die so exklusive sind, dass sie sich gegen die Flut der zufällig geschossenen Bilder durchsetzen können, sind laut Paul nur noch mit derartigen Tricks zu bekommen. Dabei führt der Paparazzo ausgerechnet das Video von Saddam Husseins Hinrichtung als Beispiel für die mediale Durchschlagskraft der Handy-Kameras an.

Eskalation der Bilder

Die von Paul beschriebene Eskalation bei der Jagd auf Stars und Sternchen dürfte die Debatte um das Recht am eigenen Bild weiter anheizen. Die ist allerdings auch jenseits des Boulevards von Brisanz, da hier auch über die Grenzen der Pressefreiheit verhandelt wird. Alte und neue Paparazzi dienen dabei gleichermaßen als abschreckende Beispiele vermeintlich zu liberaler Mediengesetze.

Das Phänomen der "Leserreporter" dürfte unterdessen keine schnelllebige Erscheinung bleiben. Vorwürfe, man fördere damit den allgemeinen Voyeurismus und verderbe die Preise der Profis, können ihm jedenfalls wenig anhaben. Vielmehr werden diese Argumente von den Befürwortern der Gelegenheits-Paparazzi sogar als Werbung für ein besonders marktgerechtes Produkt verstanden. Schließlich werden auch Nutzer-generierte Inhalte auch jenseits der People-Presse immer populärer. Zuletzt haben sogar die etablierten Nachrichtenagenturen AP und Reuters Fotos von "Leserreportern" in ihr Programm aufgenommen.

Sascha Koesch/Fee Magdanz/Robert Stadler



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