Retro-Software Apple lehnt iPhone-C64 ab

Das Projekt klingt nach programmiertem Erfolg: Eine Software bildet den legendären C64 auf dem iPhone nach - inklusive virtuellem Joystick und Schnellstartmöglichkeit für Spiele. Das Programm ist fertig und droht doch zu scheitern, denn Apple will es nicht veröffentlichen.


Es hört sich an wie der Software gewordene Traum vieler Old-School-Gamer: Der C64 lebt! Und das ganz modern, zum Immer-dabei-haben, allzeit bereit für eine schnelles Zwischen-Spiel. Auf dem iPhone nämlich könnte man schon bald die Klassiker des guten alten Brotkastens wieder aufleben lassen. Allerdings nur, wenn Apples Software-Begutachter ihre Meinung ändern. Deren Urteil zufolge darf der virtuelle C64 nämlich nicht auf Apples Handy.

Dabei hatte zunächst alles so gut ausgesehen. Als Brian Lyscarz Apple gegenüber sein Vorhaben, den C64 samt Joystick-Steuerung und Spielen auf das kultige Touchscreen-Handy zu übertragen, skizzierte, war man von der Idee offenbar angetan, sagte dem Programmierer Unterstützung zu. Doch jetzt kam das vorläufige Aus. Apples Prüfstelle für iPhone-Programme lehnte den " Commodore 64 for iPhone" ab.

Dabei schien Lyscarz alles, aber wirklich alles, richtig gemacht zu haben. Unterstützung für das aufwendige Projekt holte er sich bei der auf Handyspiele spezialisierten dänischen Firma Kiloo. Und damit alles mit rechten Dingen zugeht, ließ er sich von Commodore Gaming, die heute die Rechte an der Marke Commodore halten, eine Lizenz für seinen iPhone-C64 ausstellen.

Dürfen andere, was der C64 nicht darf?

Trotz all dieser Absicherungen ließen sich Apples Software-Vorkoster nicht erweichen. Ihre Begründung: Die Software verletzte Absatz 3.3.2 der Nutzungsbedingungen für Apples iPhone-Entwicklersoftware, das iPhone SDK. Darin heißt es, iPhone-Software dürfe keine ausführbaren Programme installieren oder nachladen. Genau das aber würde der C64-Emulator tun.

Das Apple nun aber ausgerechnet aus diesem Grund dem C64 den Einlass in seinen Software-Shop verwehrt, macht doch stutzig. Schließlich, so Lyscarz, gebe es bereits einige iPhone-Programme, die auf ganz ähnliche Weise funktionierten. Als Beispiel gibt er das Programm "Frotz" an, eine Software die alte Infocom-Adventures auf dem iPhone spielbar macht.

Unklare Zulassungspraxis

Apples Praxis, iPhone-Software nur nach vorheriger Überprüfung zum Verkauf oder zum Verschenken über den App Store freizugeben, hat seit Eröffnung des Software-Shops mit harscher Kritik zu kämpfen. Zum einen, weil der Zulassungsprozess für die Software-Hersteller nicht transparent ist, sie nicht darüber informiert werden, wie weit ein neuer Software-Titel im Zulassungsprozess steht und wann mit der Veröffentlichung zu rechnen ist. Marketing und Werbung können so kaum geplant werden.

Vor allem aber wundern sich Anbieter und Nutzer immer wieder darüber, nach welchen Kriterien Anwendungen abgelehnt werden. So wurde etwa das humorige " Me so holy", das Porträtfotos mit Heiligenbildern verknüpft, rundheraus abgelehnt, während ein äußerst fragwürdiges Spiel, in dem virtuelle Babys quasi zu Tode geschüttelt werden sollten, zunächst kritiklos durchgewunken wurde.

Auf anderen Handys läuft der Commodore schon

Programmierer Lyscarz hofft nun, mit Öffentlichkeitsarbeit Druck auf Apple ausüben zu können. Auf der Web-Seite seiner Firma Manomio fordert er dazu auf, so viel wie nur möglich über den "C64 for iPhone" zu bloggen, zu tweeten und zu berichten - zumindest in Twitter mit vollem Erfolg.

Ob sich Apple allerdings von ein wenig Web-Gezwitscher umstimmen lässt, ist fraglich. Bisher jedenfalls bleibt das Unternehmen schweigsam wie eh und je, lehnt jeden Kommentar zum C64-Emulator ab.

Wer also tatsächlich unterwegs alte C64-Spiele wieder aufleben lassen will, muss vorerst noch zu anderen Smartphones greifen. Für Handys mit Googles Android-Betriebssystem und Nokia-Mobiltelefone etwa gibt es längst Emulator-Software, die den alten Commodore aufs Mini-Display zaubert. Mit dem konsequenten Retro-Look des "C64 for iPhone" können allerdings beide nicht mithalten.

mak

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