Simpel-Mobilfunkmast Einfacher aufzubauen als eine Ikea-Küche

Preiswert, einfach und stromsparend - so müssen Mobilfunkmasten sein, um in Entwicklungsländern bezahlbare Netze fürs Unterwegstelefonieren aufzubauen. Das indisch-schwedische Unternehmen VNL will diesen Markt mit einem Billig-Funkmast zum Selberbasteln bedienen.


Wie baut man ein Mobilfunknetz in Gegenden auf, wo es keine Stromversorgung und schon gar kein Telefonnetz gibt? Die schwedisch-indische Firma VNL will die Herausforderung mit einer neuen, sehr günstigen Mobilfunkbasisstation lösen. Die Minifunkanlage verbraucht so wenig Strom, dass sie vollständig mit Solarenergie betrieben werden kann.

Funkmasten bei Kabul: In der Hauptstadt ist die Mobilfunkversorgung gut - auf dem Land nur stellenweise
DPA

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Um die "WorldGSM Village Site" mit Solarenergie betreiben zu können, hat VNL zunächst den Verbrauch auf allen möglichen Ebenen reduziert. Das Ergebnis ist ein Handy-Mast, der nur GSM beherrscht und auch nur für hundert Nutzer ausgelegt ist: "Herkömmliche Basisstationen sind bestens gerüstet, wenn es darum geht, die Nutzerzahlen nach oben zu skalieren, nach unten bieten sie dagegen wenig Spielraum," erklärte VNL-Chef Anil Raj die Überlegungen gegenüber "PC World".

Konkret: Ein durchschnittlicher Handy-Mast hat einen Energiebedarf von mindestens 800 Watt, die VNL-Station soll sich mit 50 bis 120 Watt begnügen.

Die Kosten drückt VNL zum Beispiel durch die strikten Verwendung von Open-Source-Software. Ergebnis: Die sparsame Basisstation kostet 3500 Dollar - konventionelle Anlagen sind dagegen kaum unter 20.000 Dollar zu haben. Mit dem Preissprung abwärts soll es sich jetzt auch lohnen, Kunden mit einem monatlichen Umsatz von einem bis zwei Dollar zu versorgen.

Auch die Installation der Anlagen ist vergleichweise günstig: VNL hat seine Basisstation so konstruiert, dass sie im Zweifelsfall auf einem Ochsenkarren transportiert und von Laien aufgebaut werden kann.

Der Aufbau ist klar strukturiert, erfordert keinerlei Spezialwerkzeuge und wird durch farbige und akustische Hilfestellungen unterstützt: So melden die wenigen Kabelverbindungen durch Piepstöne, wenn sie korrekt eingesteckt wurden.

Zuletzt müssen die einzelnen Handy-Masten nicht zwingend direkt ans restliche Mobilnetz angeschlossen werden. Sie können vielmehr untereinander vernetzt werden und so in einer Kette die Verbindung zum globalen Telefonnetz herstellen. Die Verbindung zum Festnetz läuft dann von Mast zu Mast - bis zu einem, der konventionell per Kabel oder Richtfunk ans Telefonnetz angebunden ist.

Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler

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