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31. März 2009, 17:02 Uhr

Skype auf dem iPhone

T-Mobile blockiert Billigtelefonate

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Mit Skype auf dem iPhone billige Internet-Telefonate führen? Nix da, sagt die Telekom und sperrt den Internet-Telefonie-Dienst aus ihren Mobilfunknetzen aus. Es ginge um die Qualität, argumentiert der Konzern. Doch tatsächlich gehe es um etwas ganz anderes, vermuten Kritiker.

Seit heute gibt es Skype auch auf Apples Touchscreen-Handy, eine Version für Blackberry-Smartphones ist für Mai angekündigt. "Endlich", werden Fans der beiden Gerätegruppen sagen. Denn gewünscht haben sich das viele: Smartphone kaufen, Datenflatrate abonnieren, billig per Skype telefonieren. Genau dieser Traum könnte jetzt in Erfüllung gehen, zumindest theoretisch. Praktisch aber werden deutsche iPhone-Nutzer auch künftig ganz normal über Mobilfunknetze Gespräche führen müssen, denn der Mobilfunk-Marktführer mag Skype nicht in seinen Netzen sehen.

Das zumindest legt ein Statement des T-Mobile-Pressesprechers Alexander von Schmettow nahe. Gegenüber der "Wirtschaftswoche" sagte er, T-Mobile werde Skypes Internet-Telefonie-Dienst in seinem Mobilfunknetz blockieren. Die Begründung: Würden iPhone-Anwender ihre Datenverbindung für Skype-Gespräche nutzen, würde die Leistung des Netzes leiden. Datenübertragungen würden verlangsamt, das Netz könnte überlastet werden. Davor müsse man sich schützen.

Zudem sei die Maßnahme erforderlich, um eine gleichbleibende Qualität der Sprachverbindungen garantieren zu können. Probleme mit Skype könnten von den Kunden als Telekom-Probleme fehlinterpretiert werden. Wohl deshalb will der Konzern die mobile Skype-Nutzung auch da unterbinden, wo eigentlich reichlich Bandbreite bereitstehen sollte, also an den Tausenden W-Lan-Hotspots, auf die T-Mobile so stolz ist.

Mit iPhone OS 3.0 geht's doch

Kritiker argwöhnen, die Qualitätsdebatte sei nur ein vorgeschobenes Argument. "T-Mobile verdient nichts an den über Skype geführten Telefonaten", wettert beispielsweise Macnotes und vermutet in der Sorge um mögliche Einnahmeausfälle den eigentlichen Grund für die Maßnahmen der Telekom.

Skype selbst hat die Möglichkeit, VoIP-Gespräche via UMTS, HSDPA oder gar EDGE zu führen, in der jetzt verfügbaren Version der Software - zumindest hierzulande - offenbar komplett deaktiviert. Obwohl es im begleitenden Text zu der Software in Apples App Store heißt, man könne sich auch über Mobilfunkverbindungen einwählen, bekommt man beim Versuch, dies zu tun, nur eine Fehlermeldung auf den Schirm.

Diese weist darauf hin, dass der mit dem Gerät verbundene Mobilfunkvertrag Skype-Anrufe nicht zulässt. Dabei wird sogar in der offiziellen Pressemitteilung von Skype davon gesprochen, dass beispielsweise Skype-zu-Skype-Gespräche und Anrufe ins Fest- oder Mobilnetz "aus jeder WiFi-Zone" möglich seien.

Und tatsächlich berichten etliche Anwender, dass Skype zumindest derzeit nicht nur in privaten W-Lan-Hotspots, sondern auch in T-Mobile-Hotspots klaglos funktioniere. Möglicherweise hat der Konzern also noch keine technische Möglichkeit ausgetüftelt, um die billigen VoIP-Telefonate zu unterbinden. Und nicht nur das. Engadget hat ausprobiert wie sich die Software auf einem Apple-Handy mit den iPhone OS 3.0 verhält. Und siehe da: Skype läuft auf dem künftigen iPhone-Betriebssystem zwar etwas wackelig, erlaubt dort aber auch Skype-Telefonate per UMTS, HSDPA und EDGE.

iPod-Usern kann das egal sein

Aber auch ohne iPhone OS 3.0 lohnt es sich auch jetzt schon, die Skype-Software auf dem iPhone zu installieren. In einem kurzen Test zeigte sich, dass das Programm nicht nur stabil läuft, sondern auch noch komfortabel und ganz im iPhone-Stil zu bedienen ist. Dazu gehört auch, dass man nicht mühevoll Kontaktdaten in Skype eintragen muss. Stattdessen bedient sich die Software einfach aus dem Adressbuch des iPhone.

Vor allem aber dürften Besitzer des iPod touch frohlocken. Ihr MP3-Player wird per Skype zu einem veritablen Telefon, wenn auch nur innerhalb von W-Lan-Netzen. Allerdings macht die Veröffentlichung von Skype erneut einen Mangel des iPhone sichtbar, den man fast schon wieder vergessen hatte: Programme können nicht im Hintergrund laufen. Wer also per Skype am iPhone erreichbar sein will muss die Software ständig im Vordergrund geöffnet behalten - und das wird sich auch mit dem iPhone OS 3.0 nicht ändern. Das blockiert nicht nur andere Anwendungen, es saugt auch den Akku sehr schnell leer.

Muss es unbedingt Skype sein?

Wirklich dramatisch ist die Weigerung von T-Mobile, Skype in seine Netze zu lassen also nicht. Wirklich sinnvoll lässt sich die Software vor allem für ausgehende Anrufe nutzen. Und die sollte man aufgrund der größeren Bandbreite sowieso lieber per W-Lan erledigen was - zumindest momentan - auch an T-Mobile-Hotspots noch zu funktionieren scheint.

Und wenn T-Mobile Skype tatsächlich auch in seinen Hotspots blockieren sollte bleiben immer noch einige Alternativen. Denn neben den neuen Software des VoIP-Marktführers gibt es im App Store bereits etliche weitere Programme wie etwa Fring, Nimbuzz und Truphone, mit denen sich via W-Lan mit dem iPhone Billiggespräche führen lassen - und die hat T-Mobile offenbar noch nicht auf dem Radar.

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